das leicht erregte Blut , und dann sah sie auch nicht ein , weshalb man die unchristliche mongolische Rasse in ihrem Teehandel unterstützen sollte ! Sie trug einen glockenförmigen Gartenhut , der unter dem Kinn mit schwarzen , oft gewaschenen Bändern gebunden war . Ihr gleichfalls schwarzes Kleid hätte einem impressionistischen Maler reiches Studienmaterial in Farbennuancen geliefert , denn der abgetragene Stoff spiegelte fuchsrot , grünlich und violett vor Alter . An dem welken Spitzenkragen , aus dem der Hals lang und sehnig hervorragte , war das ursprüngliche Muster durch die ausgedehntesten Stopfereien ergänzt , und auch die hackenlosen schwarzen Zeugschuhe wiesen die Kunst der früheren Hofdame im Reparieren und Erhalten alter Kleidungsstücke reichlich auf . Trotz ihres schäbigen Anzugs verleugnete Fräulein von Kosegarten durch die Würde ihrer Haltung und die feine Anmut ihrer Handbewegungen in keiner noch so zweifelhaften Situation , in die ihr Hang zur Sparsamkeit sie brachte , die Dame von Stand . » Hilde , Kind , welche Nachricht ! « rief sie , nachdem sie das Briefchen der Prinzessin überflogen hatte , » die Hoheit , die liebe Hoheit meldet sich zum Lunch an ! Denke , sie will dich kennenlernen ! Will sich unverbindlich mit dir unterhalten ! Nun , was sagst du dazu ? Hat man der alten Tante dankbar zu sein ? « Hilde neigte sich und küßte die lang und gelb aus schwarzen Filethandschuhen sich hervorstreckenden Finger des alten Fräuleins . » Wann kommt die Prinzessin ? « » Ja , sehen wir ! Mon dieu ! – heute , heute mittag um zwölf ! Noch immer so jugendlich impulsiv in ihren Entschlüssen ! Nun , da müssen wir eilen , Marie die Nachricht zu bringen . « » Tante , « sagte Hilde gequält , » halte es nicht für Undankbarkeit , nur sieh , ich eigne mich wirklich nicht zur Hofdame . Du hast neulich bemerkt , die Herzogin wünsche mehr die Gräfin Audorf für ihre Schwägerin . Und Frau von Leuchtenberg – du weißt ja , daß sie mir auch nicht wohlgesinnt ist . « » Leider weiß ich dies , aber Prinzessin Karoline ist nicht von der Leuchtenberg abhängig . « » Tante , Frau von Leuchtenberg ist , wie man sagt , zur Oberhofmeisterin der Herzogin in Aussicht genommen . Tritt sie diesen Posten an , so bin ich gewiß , sofort eine erbitterte Feindin vorzufinden . « » Du legst dir zu viel Wichtigkeit bei , wenn du meinst , daß eine Frau wie die Baronin Leuchtenberg überhaupt noch an jene kindische Geschichte denkt . Ich habe es immer getadelt , daß Marie in ihrer Bequemlichkeit nach jenem Eklat niemals wieder einen Winter mit dir in Langenrode zugebracht hat . « » O Tante , das wäre ihr nicht angenehm gewesen . « » Ja , Marie ist immer dafür , sich das Leben angenehm zu machen . Aber man ist nicht auf der Welt , um das Angenehme zu tun , sondern das Richtige . Richtiger wäre es gewesen , den bösen Zungen Trotz zu bieten . Du hättest auch eher Gelegenheit gehabt , dich zu verheiraten . « » Dazu hatte ich keinen Wunsch , Tante . « » Sehr töricht ! Ein Mädchen kann einen Flecken , der an ihrem Ruf haftet , einzig vertilgen , indem sie sich gut verheiratet . – Jetzt ist es wohl zu spät . Ich hoffe nun wenigstens , daß du dich in die Pläne , die ich mit dir habe , mit klugem Sinne fügst . Ich bin dann auch nicht abgeneigt , dir eine kleine Summe zu einigen Toiletten auszusetzen . In Berlin bekommt man bei Ausverkäufen recht billige Stoffe , die du geschickt verwenden wirst . « Hilde ging schweigend neben der Tante , während diese plaudernd dem Schlosse zuschritt . Als sie in den Gartensaal kamen , fanden sie Frau von Kosegarten in Tränen und August , das Gesicht gerötet , mit großen Schritten auf und ab gehend . » Es ist ein Wahnsinn , eine blanke Verrücktheit ! « schrie er zornig , » was denkt sich der Kerl eigentlich ? Was will er hier ? « » Welcher Kerl ? « fragte Trinette . » Ich bitte , hört doch einen Augenblick auf mich . Mein altes Herz bebt vor Freude ! Die Prinzessin Karoline will heute mittag bei uns lunchen . « Marie blickte mit ihrem verweinten Gesicht die Schwägerin verstört an . August brach in ein lautes Gelächter aus . » Immer besser ! Immer besser ! Dann kann ja Fritz die Prinzessin zu Tisch führen . Ist der Hoheit gewiß noch nicht passiert , von einem Vagabunden zu Tisch geführt zu werden ! « » August , « schluchzte seine Mutter , wie ein Kind herausweinend , » sage nicht so häßliche Worte ! Ich bitte dich , sage nicht › Vagabund ‹ ! « » Jetzt ist keine Zeit zu unverständlichen Witzen , August , « rief die Tante erregt . » Wir müssen an die Vorbereitungen zum Empfang der lieben Hoheit denken ! « » Der Hoheit muß abtelegraphiert werden , « erklärte August kurz . » August , « rief Trinette erschrocken , » besinne dich ! Einer Hoheit telegraphiert man nicht ab ! « » Es müssen sich Gründe finden lassen ! Ein Fall von Scharlach , Keuchhusten , was weiß ich , im Schloß ! « » Wenn sie zu Mittag hier sein will , so ist sie längst von Nassenstein aufgebrochen , « warf Hilde hin . » Dann muß man ihr einen reitenden Boten entgegenschicken ! Die Kombination ist undenkbar ! ... « » Ich meine , ihr könntet uns endlich aufklären , was hier vorgefallen ist , « sagte Trinette würdig , aber scharf . Marie blickte auf und lächelte plötzlich durch ihre Tränen mit einem hellen , frohen Lächeln , während August spöttisch berichtete : » Es hat sich noch ein Gast angemeldet . Ja – Fritz wird