so gut wie ich , welch ein Eisenkopf Waldemar ist , und wenn sie ihn jahrelang studiert hatte , sie könnte ihn nicht besser an seiner schwachen Seite fassen . Der bloße Gedanke , daß ihm Zwang geschehen könnte , bringt ihn außer sich . Jetzt mag ich Himmel und Erde in Bewegung setzen , um ihn zu halten , er wird doch gehen , bloß um zu zeigen , daß er seinen eigenen Willen hat . – Was sagen Sie eigentlich zu der Geschichte ? « Doktor Fabian schien in die Familienverhältnisse hinlänglich eingeweiht zu sein und die bevorstehende Zusammenkunft mit dem gleichen Schrecken zu betrachten , wenn auch freilich aus andern Gründen . » Um Gottes willen ! « sagte er ängstlich . » Wenn Waldemar auch in C. mit seinem gewöhnlichen unbändigen Wesen auftritt , wenn er der Frau Fürstin so vor die Augen kommt , was wird sie denken ! « » Daß er nach seinem Vater geraten ist , und nicht nach ihr , « war die nachdrückliche Antwort des Gutsherrn . » So , gerade so soll sie Waldemar sehen , da wird es ihr wohl klar werden , daß er kein allzu gefügiges Werkzeug für ihre Intriguen abgibt ; denn daß da wieder Intriguen gesponnen werden , darauf will ich meinen Kopf verwetten . Entweder der hochfürstliche Geldbeutel ist leer – ich glaube , er ist nie allzu voll gewesen – , oder es soll wieder einmal eine kleine Staatsverschwörung ins Werk gesetzt werden , und dazu liegt Wilicza so recht bequem , dicht an der Grenze . Was sie eigentlich mit meinem Jungen vorhaben , weiß der Himmel , aber ich werde schon dahinter kommen und ihm beizeiten die Augen öffnen . « » Aber Herr Witold , « mahnte der Doktor . » Wozu den unglücklichen Riß in der Familie noch mehr erweitern , jetzt wo die Mutter die Hand zur Versöhnung bietet ! Ware es denn nicht besser , endlich einmal Frieden zu schließen ? « » Das verstehen Sie nicht , Doktor , « sagte Witold mit einer bei ihm ganz ungewöhnlichen Bitterkeit . » Mit der Frau ist kein Frieden zu schließen , wenn man sich nicht willenlos ihrer Herrschsucht unterwirft , und weil der selige Nordeck das nicht that , hatte er Tag für Tag die Hölle im Hause . Nun , ich will ihn nicht gerade herausstreichen . Er hatte seine argen Fehler und konnte einem Weibe das Leben wohl schwer machen , aber das Unglück kam doch daher , daß er gerade diese Morynska zur Frau nahm . Eine andre hätte ihn vielleicht lenken , vielleicht ändern können , aber freilich , ein wenig Herz hätte dazu gehört , und von dem Artikel hat Frau Jadwiga nie etwas aufweisen können . Herzlos ist sie von jeher gewesen und hochmütig dazu . Nun , die sogenannte › Erniedrigung ‹ der ersten Ehe ist ja durch die zweite wieder gut gemacht worden . Schade nur , daß die Frau Fürstin Baratowska mit Gemahl und Sohn nicht auf Wilicza residieren durfte . Das hat sie nie verwinden können , aber da hatte das Testament zum Glück einen Riegel vorgeschoben , und daß Waldemar nicht noch nachträglich eine Dummheit macht , dafür haben wir mit unsrer Erziehung gesorgt . « » Wir ? « rief der Doktor erschrocken , » Herr Witold , ich habe redlich meine Unterrichtsstunden gegeben , wie es mir vorgeschrieben war ; auf das Wesen meines Zöglings habe ich leider nie den geringsten Einfluß üben können , sonst – « Er stockte . » Wäre er anders geworden , « ergänzte Witold lachend . » Nun , machen Sie sich keine Gewissensbisse darüber ! Mir ist der Junge recht , so wie er nun einmal ist , trotz all seiner Wildheit . Wenn Sie also wollen , ich habe ihn erzogen . Wenn das zu den intriganten Plänen der Baratowska nicht stimmt , so soll es mich freuen , und wenn morgen meine Erziehung und ihre Pariser Bildung tüchtig aneinander geraten , so soll es mich noch mehr freuen . Das ist doch wenigstens eine Vergeltung für die boshafte Epistel da . « Mit diesen Worten ging der Gutsherr aus dem Zimmer . Der Doktor bückte sich nach dem Briefe , der noch immer auf dem Fußboden lag , hob ihn auf , legte ihn sorgfältig zusammen und sagte mit einem tiefen Seufzer : » Und schließlich wird es doch heißen : Ein gewisser Doktor Fabian hat den jungen Erben erzogen . – O du gerechter Himmel ! « Die Herrschaft Wilicza , deren Erbe Waldemar Nordeck war , lag in einer der östlichen Provinzen des Landes und bestand aus einem sehr umfangreichen Güterkomplex , dessen Mittelpunkt das alte Schloß Wilicza mit dem Gute gleichen Namens bildete . Die Art , wie der verstorbene Nordeck in den Besitz dieser Herrschaft gelangt war , wie er schließlich die Hand einer Gräfin Morynska errungen hatte , bildete nur einen neuen Beitrag zu dem in unsern Tagen so oft wiederholten Schauspiele von dem Sinken alter , einst reicher und mächtiger Adelsfamilien und dem Emporsteigen neuer bürgerlicher Elemente , denen mit dem Reichtum auch die Macht zu teil wurde , die jene einst als ihr ausschließliches Vorrecht in Anspruch nahmen . Graf Morynski und seine Schwester waren früh zu Waisen geworden und lebten unter der Vormundschaft ihrer Verwandten . Jadwiga wurde im Kloster erzogen , und als sie dasselbe verließ , hatte man bereits über ihre Hand verfügt . Das war durchaus nichts Ungewöhnliches in jenen Adelskreisen , und auch die junge Gräfin hätte sich unbedingt gefügt , wäre der ihr bestimmte Gemahl ihr nur ebenbürtig , wäre er nur wenigstens ein Sohn ihres Volkes gewesen . Aber gerade sie hatte man zum Werkzeug von Familienplänen ausersehen , die um jeden Preis verwirklicht werden sollten . In der Gegend , wo die meisten Glieder der Morynskischen Familie ansässig waren , war vor einigen Jahren ein gewisser Nordeck aufgetaucht ,