Geringsten eine Einwilligung abzuwarten . „ Und nun würde ich Sie noch bitten , Ihren Weg möglichst zu beschleunigen , sowohl der jungen Lady wegen , als um meiner Erlösung von der Landstraße willen . Leben Sie wohl , Miß Jane , und seien Sie außer Sorge wegen des Verwundeten , er bleibt in meiner Obhut . Auf baldiges , hoffentlich trocknes Wiedersehen ! “ All diese Anordnungen wurden so schnell und geläufig , mit solcher dictatorischen Höflichkeit und solchem unwiderleglichen Commandotone gegeben , daß in der That ein Einspruch gar nicht möglich schien . Der Fremde machte auch gar keinen Versuch dazu , er ließ das Alles in vollster Bestürzung über sich ergehen und folgte mechanisch der ihm gewordenen Weisung , indem er mit einer stummen Verbeugung die junge Dame aufforderte , sich ihm anzuschließen ; in der nächsten Minute befanden sich Beide bereits auf dem Wege und waren durch eine Biegung desselben den Augen der Zurückbleibenden entzogen . Ob der Fremde mehr überrascht war von der echt amerikanischen Manier , die Dame dem ersten Besten anzuvertrauen , dem man auf der Landstraße begegnete , oder mehr erschreckt von dem ihm aufgedrungenen Ritterdienst , ließ sich schwer entscheiden ; sichtbar war nur Eins , die unendliche Verlegenheit , in die jene Zumuthung ihn versetzte und die ihn sogar von jedem Unterhaltungs- und Annäherungsversuche abzuhalten schien . Miß Forest aber faßte sein Benehmen anders auf ; sie war gewöhnt , überall , wo sie nur erschien , Gegenstand der größten Aufmerksamkeit zu sein , war überhaupt an die oft übertriebenen Rücksichten gewöhnt , welche in Amerika jede Dame selbst von dem Fremdesten beanspruchen darf , und nun zeigte sich dieser Mensch , dem Aussehen und der Sprache nach doch ein Gentleman , so wenig empfänglich für die Ehre , eine Lady begleiten zu dürfen , daß er es nicht einmal der Mühe werth hielt , ein Wort an sie zu richten . Jane streifte mit einem vollen Zornesblick den Unverschämten und preßte dann die Lippen fest aufeinander , entschlossen , nun auch ihrerseits während des ganzen Weges kein Wort zu reden . Ungefähr zehn Minuten waren sie so schweigend nebeneinander hingeschritten , als ihr Begleiter plötzlich stehen blieb und mit derselben leisen wohllautenden Stimme wie vorhin sagte : „ Die Landstraße macht einen weiten Bogen . Darf ich Sie den näheren Weg führen , den ich zu gehen pflege ? “ „ Ich habe mich Ihrer Führung anvertraut , “ gab Jane kurz und kalt zur Antwort , und mit einer zweiten stummen Verneigung lenkte er von der Chaussee ab und schlug die Richtung nach links ein . Der bezeichnete Weg mochte nun allerdings näher und für einen Mann auch zur Noth passirbar sein , für eine Dame war er aber jedenfalls nicht geeignet . Es ging über sumpfigen Boden , durch nasse Wiesen , durch tropfende Hecken , immer mitten durch die Felder und Gebüsche , nicht allein zum Nachtheil , sondern zum völligen Ruin von Jane ’ s eleganter Trauerkleidung , die allerdings für die Reise , aber jedenfalls nur für eine Reise in der Extrapostchaise berechnet war . Das leichte Mäntelchen vermochte sie so wenig zu schützen wie die feinen Stiefelchen , ihr Anzug war völlig durchnäßt , während ihr Begleiter , ganz in einen dichten wollenen Plaid gehüllt , die Witterung kaum zu empfinden schien und natürlich nicht daran dachte , ihr diesen Schutz dagegen anzubieten . Dabei schien er die Weisung Mr. Atkins ’ , den Gang möglichst zu beschleunigen , buchstäblich zu nehmen , denn er eilte in einem Schritte vorwärts , daß Jane die größte Anstrengung nöthig hatte , um an seiner Seite zu bleiben . Jede Andere hätte wahrscheinlich erklärt , daß dieser Weg und dieser Lauf über ihre Kräfte gingen . Miß Forest hatte sich nun aber einmal vorgenommen , die Stadt möglichst schnell zu erreichen , um den Zurückgebliebenen Hülfe senden zu können , und Klagen und Zögern war dabei ihre Sache nicht . Sie zog daher ihre Schuhe tapfer immer auf ’ s Neue aus dem Sumpf und Moor , der große Neigung zeigte , sie festzuhalten , setzte den Fuß energisch in das hohe feuchte Gras und riß ihren Schleier immer wieder von den Hecken los , an denen er hängen blieb ; dabei ward ihre Miene aber immer finsterer , und als es eine Viertelstunde in dieser Weise fortgegangen war , blieb sie plötzlich stehen . „ Ich muß Sie bitten , zu warten . Ich bedarf einen Augenblick der Erholung . “ Diese im schärfsten Tone gesprochenen Worte schienen ihrem Begleiter denn doch das Bewußtsein seiner Rücksichtslosigkeit wachzurufen . Er blieb stehen und blickte erschreckt auf seine Schutzbefohlene , die erschöpft und völlig athemlos am Saume einer großen Fliederhecke stand . „ Verzeihung , Miß ! Ich hatte ganz vergessen , ich – “ er stockte und fuhr dann entschuldigend fort : „ ich bin wirklich nicht gewohnt , mit Damen zu verkehren . “ Jane machte eine Bewegung , als wollte sie sagen : „ Das habe ich erfahren ! “ Ihr Begleiter schien jetzt erst den Zustand ihrer Toilette zu gewahren . „ Mein Gott , Sie sind ja ganz durchnäßt ! “ rief er besorgt , blickte dann nach oben und setzte in sichtlicher Verwirrung hinzu : „ Ich glaube , es regnet ! “ „ Ich glaube auch ! “ sagte Jane mit einer Ironie , die zum Glück dem Fremden entging , denn er blickte sich suchend um . Sie standen jetzt Beide an der Fliederhecke , die sich auf einem Erdwall erhob , welcher allerdings nach einem mehrstündigen Regen keinen besonders einladenden Ruheplatz bot , dennoch schien ihr Führer ihn dafür zu halten . Er riß mit einer hastigen Bewegung seinen Plaid von den Schultern , legte ihn sorgfältig ausgebreitet auf die feuchte Erde und lud seine Schutzbefohlene mit einer Handbewegung ein , darauf Platz zu nehmen . Jane blieb stehen und sah ihn an . Das überstieg denn doch