wie unwillkürlich stehen und sagte , allerdings in sehr kaltem Tone : » Sieh da , Herr Holm ! treffen wir wieder einmal zusammen ! « » Ich hatte Ihre Ankunft bereits erfahren « , entgegnete Siegbert leise . » Aber ich wagte nicht – ich fürchtete – « . Er brach ab , und der Professor ermutigte ihn auch nicht fortzufahren , erst nach einer sekundenlangen Pause fragte er in demselben eisigen Tone : » Wie geht es Ihnen , Herr Holm ? « Jetzt schlug Siegbert langsam die Augen auf . » Herr Professor , ich weiß , daß Sie mir noch immer zürnen . Aber , was habe ich denn so Schweres verbrochen , daß Sie mir sogar den Namen verweigern , den Sie mir doch stets gegeben haben ? « War es das Beben in dieser halbunterdrückten Stimme oder der flehende Blick der dunklen Augen , genug , der Professor empfand ein menschliches Rühren , und seine Stimme klang um einige Grade wärmer , als er sagte : » Nun , so tragisch brauchst du die Sache nicht zu nehmen . Wenn der » Herr Holm « dich gar zu sehr kränkt , so können wir ihn meinetwegen beiseite lassen . Also , wie geht es dir ? « » Mir geht es gut « , entgegnete der junge Mann matt und mit einem Ausdruck , der die Worte geradezu Lügen strafte . » Natürlich ! « höhnte Bertold . » Wie sollte es dir denn auch anders gehen in einer so bedeutenden Stadt mit achttausendvierhundertundfünfunddreißig Einwohnern , einer alten Kirche und einem neuen Stadtgefängnis , das sehr stark benutzt wird . Schade nur , daß der Herr Bürgermeister sich nicht dazu herabläßt , es einmal sechs Wochen lang persönlich zu benutzen ! « » Sie haben meinen Pflegevater gesprochen ? « fragte Siegbert . » Soeben wurde mir das Glück seiner Bekanntschaft zuteil . Wir haben übrigens nicht bloß über das Stadtgefängnis gesprochen , sondern auch über das Ideal , die Musen und die sonstigen Gemütlichkeiten deines jetzigen Lebens . Der Herr Bürgermeister behauptet , daß du dich ganz wohl darin befindest . Willst vielleicht auch du mir das ins Gesicht hinein behaupten ? « Siegbert gab keine Antwort ; der Professor schien sie auch kaum zu erwarten , denn er fuhr mit herbem Spotte fort : » Und du malst ja auch dabei . Ich habe deine Bilder auf der letzten Ausstellung gesehen – sie waren miserabel . « » Ja , Herr Professor « , sagte der junge Mann tonlos . » So , also siehst du das wenigstens ein ? Miserabel waren deine Genrebilder ! Wiesenheimer Idyllen , mit bürgermeisterlichen und stadträtlichen Physiognomien , und dabei so trocken und nüchtern gemalt , als hättest du nie einen Funken von Talent besessen ! Glaubst du denn wirklich , mit solchem Zeug irgend etwas zu erreichen ? « » Nein ! « sagte Siegbert ebenso klanglos wie vorhin , aber diese eigentümliche Zustimmung zu seinem Verdammungsurteil schien den Professor nur noch mehr zu erbittern : er ließ die angenommene Kälte gänzlich fahren . » Laß dein eintöniges Ja und Nein und gib mir Rede und Antwort ! Warum hast du denn überhaupt gemalt ? Warum hast du den Pinsel in die Hand genommen , wenn du nichts Besseres zu machen wußtest ? « » Weil ich doch irgend etwas tun mußte dafür , daß man mir Unterhalt und Erziehung gab . Das wurde gefordert , und ich hatte nicht das Recht , es zu weigern . Ich sollte und mußte malen , sollte und mußte die Ausstellung beschicken , so habe ich es denn getan , aber ich tat jeden Pinselstrich mit Widerwillen . « » Es ist auch danach geworden ! « rief der Professor und machte Anstalt , seinen ganzen Künstlerzorn über den mißratenen Schüler auszugießen ; da fiel sein Blick wieder auf das Antlitz desselben , das in seiner bleichen , starren Regungslosigkeit etwas Unheimliches hatte ; er stockte mitten in der Rede , trat dicht an den jungen Mann heran und faßte ihn bei den Schultern . » Junge , was ist aus dir geworden ! Wie siehst du aus ? Du hast ja keinen Blutstropfen mehr im Gesicht ! Habe ich es dir nicht vorher gesagt , daß sie dich zu Tode malträtieren würden ? Warum bist du nicht durchgegangen damals , als es noch Zeit war ? « » Ich konnte nicht ! Es wäre mehr als undankbar , es wäre infam gewesen , hätte ich dem Manne , dem ich alles verdanke , den Rücken gekehrt , sobald ich seiner nicht mehr bedurfte . Ich habe es ja versucht , die Trennung auf gütlichem Wege zu erreichen , es war aber unmöglich . Mir blieb nur die Wahl , jede Dankbarkeit , jede Rücksicht mit Füßen zu treten oder mich zu fügen . « » Und da hast du dich natürlich gefügt . Wie dir die Dankbarkeit und Rücksicht bekommen ist , das zeigt dein Gesicht . Du siehst mir gerade aus , als wärst du eben dabei , in aller Gemütlichkeit zugrunde zu gehen . « » Vielleicht ! « sagte Siegbert dumpf . » Wenigstens habe ich mehr als einmal überlegt , ob es nicht am besten wäre , diesem ziel- und zwecklosen Leben da unten in der Ache ein Ende zu machen . « » Dergleichen Dummheiten verbitte ich mir ! « brauste der Professor auf . » Untersteh ' dich nicht , mir nun auch noch gar mit Selbstmordgedanken zu kommen ! Du solltest dich schämen ! Ein Mensch von siebenundzwanzig Jahren , ein Künstler , der sich einst zum Höchsten berufen glaubte , und hast nicht einmal den Mut , die selbstgeschaffenen Fesseln zu zerreißen und deinem Talente freie Bahn zu schaffen ! « » Ich habe aber kein Talent ! « brach Siegbert in tiefster Bitterkeit aus , » das habe ich in diesen vier Jahren einsehen gelernt . Was gibt