für mich war es gesungen . Er sang es später noch oft für mich ; denn unmerklich bildete sich seit diesem Tage ein freundlicher Verkehr zwischen uns . Es war aber nicht nur die Musik , die uns zusammenführte ; der kleine Kuno hatte bald seine Liebe zwischen mir und seinem Lehrer geteilt und veranlaßte uns dadurch zu mannigfachem Beisammensein in und außer dem Hause . Eines Tages im Juli waren der Oheim , Arnold und ich mit dem Knaben in der Stadt , um uns nach einem Rollstühlchen für ihn umzutun ; denn schon damals begann das Gehen ihm mitunter schwer zu werden . Da unser Geschäft bald besorgt war , so nahmen wir auf Arnolds Vorschlag einen etwas weiteren Rückweg , der am Saume eines schönen Buchenwaldes entlangführte . Hinter demselben in einem Dorfe ließen wir den Wagen halten und wandelten miteinander die Straße hinab , zwischen den meist großen strohbedeckten Bauerhäusern . Nach einer Weile bog Arnold wie zufällig in einen Fußweg ein , welcher zwischen zwei mit Nußgebüsch und Brombeerranken bewachsenen Wällen entlangführte . Wir andern folgten ihm ; Kuno , der sich heute kräftiger als sonst zu fühlen schien , hatte seine Augen auf den Hummeln und Schmetterlingen , welche im Sonnenschein um die Disteln schwärmten . Es dauerte indes nicht lange , so hörten zu beiden Seiten die Wälle auf , und vor uns in einer weiten Busch- und Wieseneinsamkeit lag ein stattlicher Bauernhof . Unter einer Gruppe dunkelgrüner Eichen erhob sich das Gebäude mit dem mächtigen , fast bis zur Erde reichenden Strohdache , die braungetünchte Giebelseite uns entgegen , aus der die weißgestrichenen Fenster freundlich hervorleuchteten . » In jenem Hause « , sagte Arnold , » bin ich als Knabe oft gewesen , und weil es mir hier wie fast nirgends in der Welt gefallen hat , so wünschte ich , daß auch Sie es einmal sähen . « Der Oheim nickte . » Wer ist denn der Besitzer jenes schönen Gutes ? « » Es ist der Schulze Hinrich Arnold . « » Hinrich Arnold ? « » Ja , der Bauer auf diesem Gute heißt allzeit Hinrich Arnold . « » Aber « , fragte ich jetzt , » heißen denn Sie nicht auch so ? « » Die ältesten Söhne aus der Familie tragen alle diesen Namen « , erwiderte er ; » auch bei dem Zweige derselben , der in die Stadt übergesiedelt ist . Der Vater des gegenwärtigen Besitzers war der Bruder des meinigen . « Mittlerweile waren wir bei dem Hause angelangt . Durch das offenstehende Eingangstor am andern Ende des Gebäudes führte uns Arnold auf die große , die ganze Höhe desselben einnehmende Diele , an deren beiden Seiten sich die jetzt leerstehenden Stallungen für das Vieh befanden . Ein leichter Rauchgeruch empfing uns in dem dämmerigen Raume . Im Hintergrunde , wo vor den Türen der Wohnzimmer sich die Diele erweiterte und durch niedrige Seitenfenster erhellt war , saß neben einem am Boden spielenden kleinen Knaben eine alte Frau in der gewöhnlichen Bauerntracht von dunkelm eigengemachtem Zeuge , das graue Haar unter die schwarzseidene Kappe zurückgestrichen . Als wir näher getreten waren , stand sie langsam auf und musterte uns gelassen mit ein Paar grauen Augen , die unter noch schwarzen Brauen kräftig aus dem gebräunten Gesicht hervorsahen . » Sieh , sieh ; Hinrich ! « sagte sie nach einer Weile , indem sie unserm jungen Freunde die Hand schüttelte , scheinbar ohne uns andern weiter zu beachten . » Das ist meine Großmutter « , sagte dieser ; » da meine Eltern nicht mehr leben , meine nächste Blutsfreundin . « Dann bedeutete er ihr , wer wir seien ; und sie reichte nun auch uns , der Reihe nach , die Hand . Während sie halb mitleidig , halb musternd auf die Krücke des kleinen Kuno blickte , fragte Arnold : » Ist denn der Schulze zu Haus , Großmutter ? « » Sie heuen unten auf den Wiesen « , erwiderte sie . » Und Ihr « , sagte mein Onkel , » wartet indessen vermutlich den jüngsten Hinrich Arnold ? « » Das mag wohl sein ! « erwiderte sie , indem sie die Tür des einen Zimmers öffnete ; » so ein abgenutzter alter Mensch muß sehen , wie er sein bißchen Leben noch verdient . « » Die Großmutter « , sagte Arnold , als wir hineingetreten waren , » kann es nicht lasen , den Jüngeren behülflich zu sein . – Aber « , fuhr er zu dieser fort , » Ihr wißt es wohl , dem Schulzen ist es schon eine Freude , daß Ihr noch da seid und daß er und die Kinder Euch noch sehen , wenn sie von der Arbeit heimkommen . « » Freilich , Hinrich , freilich « , erwiderte die Alte ; » aber es erträgt einer doch nicht allzeit , wenn der andere so überzählig nebenher geht . « – Sie hatte währenddes zu dem Antlitz ihres Enkels emporgeblickt . » Du siehst nur schwach aus , Hinrich « , sagte sie , » das kommt von all dem Bücherlesen . – Er hätte es besser haben können « , fuhr sie dann zu uns gewendet fort ; » denn sein Vater war doch der Älteste zum Hof , und er war wieder der Älteste . Aber der Vater wurde studiert ; da muß nun auch der Sohn bei fremden Leuten herum sein Brot verdienen . « Arnold lächelte ; der Oheim sandte ihr einen beobachtenden Blick nach , als sie bei diesen Worten aus der Tür ging . Bald aber kam sie mit einigen Gläsern Buttermilch zurück , die Arnold für uns erbeten hatte . In der Stube , die nicht zum täglichen Gebrauch be stimmt schien , standen mehrere sehr große Tragkisten an den Wänden , grün oder rot gestrichen , mit blankem Messingbeschlag , die eine auch mit leidlicher Blumenmalerei versehen ; so daß