denn gradezu nach seinem Sohn . › Ist er nicht zu Hause ? ‹ fügte ich hinzu . › Ich habe ja noch nichts von ihm gesehen . ‹ Da brach ' s hervor ; mit der geballten Faust drohte er nach dem Schulhause hinüber : › Der Haselant mit seinen hergelaufenen Faxen ! ‹ rief er . Und nun klagte er mir seine Not , während zwischendurch immer Flüche auf den armen Schulmeister fielen . › Der hätte die Prügel haben sollen , die der Junge gekriegt hat ; denn bei dem hat ' s nichts geholfen . ‹ › Was macht Euer Sohn denn jetzt ? ‹ fragte ich . Der Alte schob die Pudelmütze übers Ohr . › Das ist ein wunderlich Spiel ‹ , versetzte er , › seit er die Dummheit da begangen , ist er mir wie ausgewechselt . Als ich ihn gefragt habe : » Was willst du denn nun eigentlich , Paul ? « hat er geantwortet : » Was Ihr wollt , Vater , mir gilt ' s gleich ! « Aber gesprochen hat er kein Wort , und nach dem Abendbrote geht er auf seine Kammer ; ob er dort schläft oder wacht , ich weiß es nicht . Seht – dies Wesen will mir ebensowenig gefallen . Was meint Ihr , wenn Ihr einmal ein vernünftig Wort mit ihm zu reden suchtet ? Ihr könntet mir einen rechten Dienst erweisen ; ich selbst verstehe die Worte nicht so zu setzen . ‹ Der Mann sah erwartungsvoll zu mir auf ; die Sorge um sein Kind stand leserlich in seinen harten Zügen . › Aber ‹ , erwiderte ich , › wenn er nun wieder von seiner Malerei beginnt ? ‹ › Solch dummes Zeug müßt Ihr ihm eben auszureden suchen ! ‹ › Aber weshalb denn sollte er nicht Maler werden ? ‹ › Weshalb ? – Er hat eine volle Hufe ; er braucht brotlose Künste nicht zu treiben . ‹ Ich wagte einen kühnen Schritt . Als ich meine Wohnung verließ , hatte ich in dem Gedanken , sofort in die weite Welt zu laufen , meine paar Kassenscheine in mein Taschenbuch gesteckt . Jetzt zog ich es hervor und schlug es vor dem Alten auf . › Was soll ' s ? ‹ sagte er , › das ist ein Päckchen Funfzigtalerscheine . ‹ › Das ‹ , erwiderte ich , › ist mit der brotlosen Kunst verdient . ‹ › Wie meint Ihr das ? ‹ › Ich meine , daß diese dreihundert Taler der halbe Preis meines letzten Bildes sind ; denn ich bin eben auch nur ein Maler . ‹ Der Alte sah mich fast erschrocken an . › Ihr ? ‹ sagte er ; › da wäre ich ja an den Rechten gekommen ! Im übrigen ‹ , setzte er hinzu indem er mich mitleidig von oben bis unten musterte , › ist das ein ander Ding ; mein Junge hat gesunde Gliedmaßen . ‹ › Nun , gute Nacht , Nachbar ! ‹ sagte ich und machte Miene fortzugehen . Aber er rief mich zurück . › Auf ein Wort noch , Herr Brunken ‹ , begann er wieder , › dreihundert Taler , sagtet Ihr ? Und nur die Hälfte ? Wie lange macht Ihr denn an solch einem Bild ? – Wird wohl langsame Arbeit sein ? ‹ Als ich ihn über dieses Bedenken beruhigt hatte , stützte er erst den Kopf in die Hand ; dann zog er seine Pfeife aus der Tasche , schlug Feuer und rauchte eine ganze Weile eifrig , aber schweigsam fort . Hierauf folgte eine lange Auseinandersetzung zwischen uns ; der Alte meinte , der Junge sei für den Acker da , und ich meinte , der Acker sei für den Jungen da ; endlich , als ich ihm auch noch die pausbackige Nachkommenschaft seiner im Dorf verheirateten Tochter zu Gutserben designiert hatte , erhielt ich die Erlaubnis , nach meinem Guthalten mit seinem Sohne zu sprechen . › Nun macht ' s , wie Ihr könnt ‹ , schloß der Alte diese Verhandlung ; › und damit hopp und holla ! Ich führ ' selbst in die Grube , wenn ich dem Jungen sein tot Gesicht noch länger ansehen sollte . ‹ Eine Stunde später , während welcher die Arbeiter vom Felde zurückgekehrt waren , stand ich vor dem Schulhause und blickte nach des Nachbars Garten hinüber , wo trotz des Johannisabends noch eine Nachtigall in den Holunderbüschen schlug . Da verstummte mit einemmal der Vogelgesang ; statt dessen hörte ich Kinderstimmen , und bald sah ich auch ein paar Knaben und ein kleines Mädchen durch die Gartenpforte auf den Weg hinausrennen . Draußen blieben sie stehen und wiesen mit den Fingern auf kleine Papierblättchen , von denen jedes mehrere in Händen hatte ; dann gingen sie wieder eine Strecke fort und setzten sich unweit unter einen Zaun am Wege , wo es an ein neues Zeigen und Beschauen ging . Ich konnte den Zusammenhang dieses Vorganges leicht erraten ; und richtig , als ich zu ihnen gegangen , sah ich , daß es lauter bunte Bilderchen waren . › Wer hat euch die geschenkt ? ‹ fragte ich . Sie glotzten mich scheu von der Seite an ; nur das kleine Mädchen antwortete endlich auf meine wiederholte Frage : › Paul Werner ! ‹ Ich sah mir die Sachen an . Es war ungeschicktes Zeug aus allen vier Naturreichen ; eine Kuh , die mit dem Schwanze sich die Bremsen wegpeitscht ; ein alter Felsblock ; ein Bienenstand mit einem Hund davor und dergleichen mehr ; aber aus allem blickte in kleinen Zügen , was ich selber nie so ganz besessen , jenes instinktive Verständnis der Natur ; es war alles , so unbehülflich es auch war , dennoch , ich möchte sagen , über das Zufällige hinausgehoben . Du weißt , der Mensch ist nun einmal eine Kanaille ; –