den Meister und das Mägdlein wollt ich nicht ins Verderben stürzen , wie es doch damit geschehen wäre . Was soll ich da Worte machen , wo mein Herr Burkhard sich aus seiner Jugend erinnert , wie behend der Böse in solchen Fällen sein Netz auswirft und zuzieht ! Eines Tages wurden der Meister und ich auf ein etliche Meilen von London gelegenes Schloß gerufen , um einem normännischen Herrn die Waffenkammer einzurichten . Es wird ein verabredetes Spiel gewesen sein . Wir wurden unter allerlei Vorwand dort aufgehalten , und als wir nach London heimkehrten , war Jung Hilde verschwunden – gewaltsam entführt nach der Aussage der Nachbarn , die nächtlicherweile Pferdegetrappel und eine jammernde Stimme gehört hatten , willig folgend , wie die feigen Gesellen und furchtsamen Mägde logen , da sie der Meister zur Rede stellte . Ich warf meinen Verdacht auf Gui Malherbe – was sage ich ? die Sache war mir gewiß und so riet ich meinem Meister , dem Kanzler knieend den Weg zu verlegen , wenn er an unserer Werkstatt vorüberritte nach dem festen Turme von London , zu dessen Kastellan der König ihn erhoben hatte , und nicht zu weichen bis er ihm Gehör gebe und seinen normännischen Knecht zur Rechenschaft ziehe . So geschah es eines Tages . Mein armer Meister warf sich vor dem prächtig geschirrten Zelter des Kanzlers in den Staub und heischte , seinen grauen Bart raufend , mit erstickter Stimme und mit tränenbedeckten Wangen Gerechtigkeit gegen den Räuber seines Kindes , der mit trotziger Miene , aber unruhigen Augen in der dritten Reihe hinter seinem prunkenden Gebieter herritt . Ich kann es nie vergessen und sehe es jetzt noch , wie dieser gelassen und unbewegt , ohne eine Miene zu verziehen , den Geängstigten kaum mit einem dunkeln Blicke aus seinen halbgeschlossenen Augen streifte , das Pferd langsam an ihm vorüberlenkend . Als dann der verzweifelnde Sachse auf die Füße sprang , die geballten Fäuste gegen ihn schüttelte und ihm nachschrie : › Schade , Pfaffe , daß du kein Kind hast , das dir ein Normanne verderben kann ! ‹ da berührte Thomas Becket , wie von einem lästigen Insekt umschwärmt , leise sein arabisches Roß , um es in etwas raschere Gangart zu setzen . Ich aber drängte den alten Mann in sein Haus zurück und entzog ihn den höhnenden Blicken und verächtlichen Scherzreden der den Kanzler geleitenden Reiterschar . Nun folgten jammervolle Tage , an die ich noch heute nur mit Bitterkeit zurückdenke ; damals glaubte ich sie kaum zu überstehn . Es wurde nichts besser , als eines Tages die arme Hilde unversehens , da es dunkelte , in der verlassenen Werkstatt saß , den Vater erwartend , von dem sie wußte , daß er bei einbrechender Nacht mit eigenen Händen Laden und Türe verriegelte . Ich habe nie erfahren , ob der Normanne Malherbe seine Gefangene freiwillig zurückgab , weil er ihrer müde geworden , oder ob der Kanzler in seiner verborgenen Weise einen Druck auf ihn ausgeübt hatte . Eines dagegen sah ich deutlich : der Meister trieb mich in treuer Absicht aus dem Hause . Er war gesonnen , sein zertretenes und scheu gewordenes Kind einem Angelsachsen aus seiner Verwandtschaft , der in der Werkstatt arbeitete und Trustan Grimm hieß , einem ungeschlachten Rotkopf , zum Weibe zu geben . Dabei wollte er mich nicht zusehen lassen . So lag er mir täglich an , eine bessere Stellung zu suchen , und da ich in jener Zeit , um Groll und Gram zu verwinden , eine Armbrust erfand , die weiter trug und sich leichter spannen ließ als alle damaligen – ein braves Werk , wenn ich es auch später abermals übertroffen habe – so redete er mir zu , meine Erfindung König Heinrich , der ein Förderer und Pfleger der edeln Wurf- und Schießkunst war , persönlich zu überbringen und zu empfehlen . Ich sah , er meinte es gut mit mir , und ich befolgte seinen Rat . IV IV Als ich auf Schloß Windsor zum ersten Male vor den König von Engelland trat , zitterte mir das Herz im Leibe , denn er war von gewaltigem Wuchs und herrischer Gebärde und seine blauen unbeschatteten Augen brannten wie zwei Flammen . Er blickte mich zuerst ungnädig an , begriff aber sogleich , warum es sich handelte , mehr aus der dargebotenen Armbrust als aus meinen stockenden Worten , nahm , spannte sie , legte den Pfeil , trat an das geöffnete Fenster und schoß nach einer Krähe , welche sich auf die , da es windstill war , bewegungslose Fahne des Schloßturms gesetzt hatte ; und ein helles Lachen ging über sein Antlitz , wie sich die Fahne drehte und das Tier flatternd in die Dachrinne stürzte . Noch einmal prüfte er mit dem Finger Senne und Drücker , dann warf er mir einen befriedigten Blick zu . › Das ist mit Kunst gemacht , mein Junge ‹ , lobte er mein Werk . › Da , trag es in meine Rüstkammer und melde dich beim Waffenmeister als meinen Dienstmann ; denn du bleibst um mich , Deutscher , und magst mir die Armbrust auf die Birsch nachtragen . ‹ Da war keine Widerrede , auch wenn mein eigenes Herz nicht danach gelüstet hätte , den Königsdienst zu versuchen als das Höchste im Weltspiel . Während Herr Heinrich noch zu mir sprach , kam sein dritter , der halbwüchsige Herr Richard , hereingesprungen mit dem Jubelrufe : › Vater , die normännischen Hengste sind da ! Prächtiges Blut ! ‹ und Herr Heinrich ließ sich von seinem Lieblinge fortziehen . Jetzt erhob sich aus einer tiefen Nische , wo er , ohne von mir erblickt zu werden , vor einem mit Schriftstücken belegten Marmortisch gesessen hatte , ein vornehmer , bleicher Mann in köstlichen Gewanden und trat , diese schön und langsam bewegend , zu mir , als trüge er Verlangen , auch seinerseits über meine Erfindung sich