der Fürsten Lutowiski , der letzte Graf Trachenberg , unter – die Buchmacher und läßt sich Honorar zahlen ! « Liane umschlang in leidenschaftlichem Schmerze die schmalen Schultern ihres Bruders , der sichtlich mit sich kämpfte , um angesichts dieser Schmähungen die äußere Ruhe zu bewahren . » Mama , wie kannst du es über das Herz bringen , Magnus so zu beleidigen ? « zürnte das junge Mädchen . » Feig nennst du ihn ? – Er hat mich vor sieben Jahren unter eigener Lebensgefahr drüben aus dem See gezogen . Ja , er hat sich entschieden geweigert , Soldat zu werden , aber nur , weil sein mildes , weiches Herz das Blutvergießen verabscheut ... Zum Diplomaten fehlt ihm der Geist , ihm , dem unermüdlichen , tiefen Denker ? O Mama , wie grausam und ungerecht bist du ! Er haßt nur das Doppelzüngige und will seinen edlen , wahrhaftigen Geist nicht durch die Schachzüge der Diplomatenkünste entweihen ... Ich bin auch stolz , sehr stolz auf unser altberühmtes Geschlecht ; aber ich werde nie begreifen , weshalb der Edelmann nur mit dem Schwert oder der glatten Diplomatenzunge ein Edelmann sein soll – « » Und dann frage ich , « fiel Ulrike mit ernsthaftem Nachdruck ein – sie war hinausgetreten und hatte das mißhandelte aufgenommen – » was ist ehrenvoller für den Namen Trachenberg : daß er einer wohlgelungenen Geistesthat voransteht , oder – daß er in der Reihe der Ueberschuldeten zu finden ist ? « » O du , du – « zischte die Gräfin fast wortlos vor innerem Grimm , » du Geisel meines Lebens ! « Sie fuhr einigemal wie rasend im Salon auf und ab . » Uebrigens sehe ich nicht ein , was mich zwingt , ferner mit dir zu leben , « sagte sie , plötzlich stehenbleibend , unheimlich ruhig . » Du bist längst über die Zeit hinaus , wo das Küchlein von Anstands wegen unter die Flügel der Mutter gehört . Ich habe dich lange genug ertragen und gebe dir Urlaub , unbeschränkten Urlaub . Mache meinetwegen eine langjährige Besuchsreise durch die ganze Sippe – gehe wohin du willst , nur spute dich , daß mein Haus rein wird von deiner Gegenwart ! « Graf Magnus ergriff die Hand der verstoßenen Schwester . Die drei Geschwister standen innig vereint der herzlosen Frau gegenüber . » Mama , du zwingst mich , zum erstenmal mein Recht als Erbherr von Rudisdorf zu betonen , « sagte der stille , sanfte Gelehrte mit vor Aufregung tiefgerötetem Gesicht . » Den Gläubigern gegenüber habe nur i c h Anspruch auf eine Wohnung im Schlosse und auf das Einkommen , das sie verwilligt ... Die Heimat kannst du Ulrike nicht nehmen – sie bleibt bei mir . « Die Gräfin wandte ihm dem Rücken und schritt nach der Thür , durch die sie gekommen . Der Sohn war so vollkommen in seinem Rechte , daß sich auch nicht ein Wort gegen seine ernste Erklärung finden ließ . Sie legte die Hand auf den kreischenden Drücker , drehte sich aber noch einmal um . » Daß du dich nicht unterstehst , auch nur einen Groschen von dem Judasgelde unter die Haushaltskasse zu mischen ! « befahl sie Ulrike und zeigte nach dem auf dem Sofa liegenden fünfhundert Thalern . » Ich verhungere lieber , ehe ich einen Bissen anrühre , der mit dem Gelde bezahlt ist ... Den Wein löse ich aus . Gott sei Dank , ich habe noch Silberzeug genug aus dem Schiffbruch gerettet ! Mag man das Gerät , von welchem meine Vorfahren speisten , einschmelzen – den Schmerz darüber wiegt das Bewußtsein auf , daß ich meine Gäste auf echt fürstliche Weise , und nicht mittels eines Arbeiterhonorars bewirte ... Dich aber wird die Strafe schon ereilen , « wandte sie sich an Liane , » und zwar dafür , daß auch du Front gegen deine Mutter machst ! Komme du nur nach Schönwerth ! Raoul , noch mehr aber der alte Onkel Mainau werden dir deinen Sentimentalitäts- und Gelehrtenkram schon austreiben . « Sie rauschte hinaus und warf die Thür so hart ins Schloß , daß der Schall noch an der Steinwölbung der fernsten Korridore schütternd hinlief . 4. Seit diesem Auftritt im Schloß Rudisdorf waren fünf Wochen verstrichen . Man machte Vorbereitungen zur Hochzeit . Vor sechs Jahren noch wäre das prächtige Schloß bei einer solchen Veranlassung ein wimmelnder Ameisenhaufen gewesen , denn die Frau Gräfin hatte es verstanden , so viel bedienende Hände um sich her in Thätigkeit zu versetzen , wie kaum ein indischer Radscha . Vor sechs Jahren noch hätten blendende Märchenpracht , licht- und lufttrunkene Wogen berauschender Feste dem Freier eine blonde Fee zugetragen – heute holte er die Braut aus verlassenen Gärten , die der Wildnis entgegenwucherten , aus dem statuengeschmückten Steinkoloß , wo die Schemen verrauschter Freuden , hinter Marmorsäulen hockend , sich von den Spinnen mit schmutzigen Schleiern verhängen ließen ... Im großen Saal hatte der Gutspächter Getreide aufgeschüttet ; auf allen Fenstern lagen die weißen Läden , und wo ein Lichtstrahl eindrang , da fiel er auf ungefegtes Parkett und vollkommen leere Wände . Es war gut , daß die erlauchten Herren , im Eisenhut und Panzerhemd , oder auch das federgeschmückte Barett auf den rothaarigen Köpfen , zwischen den glänzenden Marmorplatten der Ahnengalerie eingefügt , an den Wänden stillstehen mußten , daß ihre stolzblickenden Frauen und Töchter in Stuartkragen und starrer Goldstoffschleppe nicht hinunterrauschen konnten in den Gartensalon – sie hätten sicher den blinkenden Pfauenwedel oder die steifblättrige Rose aus den bleichen Händen fallen lassen und sie über dem Kopfe zusammengeschlagen ; denn da kniete Ulrike – die echte Trachenberg , wie die Gräfin immer sagte – sie hatte die mottenzerfressenen Bezüge von den Sofas und Lehnstühlen gerissen und schlug mit eigenen gräflichen Händen die Nägel in den großblumigen Zitz , der neuglänzend die Polster deckte . Die alte Lene aber rieb und bohrte das wurmstichige Holz der Möbel