aus ; hätte es je eine schaffende dichterische Natur gegeben , der nicht Biographien und Memoiren die liebste Lektüre gewesen wären ! – Aus dem Bibliothekzimmer tritt man in das dahinter gelegene Empfangs- und Familienzimmer . Es ist groß und geräumig und macht vor allem den Eindruck behaglichen Geborgenseins . An Bildern weist es nichts von besonderem Interesse auf , außer einer Ansicht von dem in der Nähe von Salzwedel gelegenen Schloß Tilsen , dem alten Familiensitze der Knesebecks . Die eigentliche Sehenswürdigkeit dieses Zimmers ist jener alte Eichentisch , der der Versenkung in den Planwagen glücklich entging . Und doch war dies schlichte Wirtschaftsstück das eigentlichste Wertstück des Ameublements , wenn auch damals nicht , so doch jetzt . Dieser Tisch nämlich bildete seinerzeit einen Teil der langen Tafel , an der die Sitzungen des Tabakskollegiums gehalten wurden . Es existieren solcher Tische nur noch zwei , dieser Knesebecksche in Karwe und ein Zwillingsbruder desselben in Potsdam . Eine Decke von braunem schwerem Seidenzeug verhüllt wie billig die eichene Derbheit dieses nicht salonfähigen Möbels , dessen Konstruktion ganz eigentümlicher Art ist . Die Platte besteht aus zwei abgestutzten Dreiecken und ruht auf sechs Füßen , die wiederum ihrerseits zwei Dreiecke bilden . Verbindungshölzer und Eisenkrampen halten das Ganze zusammen und stellen einen Bau her , der allen Anspruch darauf hatte , nicht beachtet zu werden , als die Trumeaux hinausgetragen wurden . Links neben dem Empfangssaale befindet sich das Arbeitszimmer des gegenwärtigen Besitzers . Es ist sehr klein , etwas geräuschvoll gelegen und selbst zur Nachtzeit ohne wünschenswerte Ruhe . Die » Dame im schwarzen Seidenkleid « nämlich , als welche der Karwer Spuk auftritt , beginnt von hier aus ihren Rundgang , und wer mag ruhig und gemütlich ein Buch lesen , wenn er fürchten muß , die schwarze Frau steht hinter ihm und liest mit , wie zwei Leute , die aus einem Gesangbuch singen . Über dem Schreibpult im selben Zimmer hängt ein sehr gutes Crayonporträt des Feldmarschalls , und auf einem Tischchen daneben steht ein porzellanenes Schreibzeug mit einer Rosengirlande , ein Geschenk vom alten Gleim , der dem Feldmarschall in seinen Halberstädter Leutnantstagen nah befreundet war . Zur Rechten des Empfangszimmers ist der Speisesaal . Hier befinden sich neben anderen Schildereien vier Familienporträts : zunächst der Ahnherr des Hauses , einem Grabsteinrelief nachgebildet , das sich in der Kirche zu Hannoversch-Wittingen bis diesen Tag erhalten hat . Unmittelbar darunter hängen die Bilder des Urgroßvaters und Großvaters des jetzigen Besitzers , von denen wir den ersteren als stattlichen und reich verheirateten Oberstleutnant bei der Garde , den andern als Vater des Junkers vom Regiment von Kalkstein bereits kennengelernt haben . Er wurde bei Kolin durch Arm und Leib geschossen und war der , auf den der alte Zieten die schon vorzitierten Worte bezog : » Gott segne dich und werde so brav wie dein Vater . « Unter diesen beiden Porträts hängt das vortrefflich ausgeführte Ölbild des Feldmarschalls von dem Knesebeck , damals ( unmittelbar nach dem Befreiungskriege ) noch Generalleutnant in der Okkupationsarmee . Das Porträt zeigt in seiner linken Ecke den Namen : » Steuben ; Paris , 1814 « , kurze Worte , die genugsam für den Wert des Bildes sprechen . Aus dem Speisesaale treten wir in das angrenzende Wohnzimmer , wo , über dem Schreibtisch der Dame vom Hause , eine Kopie des Correggioschen Christuskopfes auf dem Schweißtuche der heiligen Veronika unsere Aufmerksamkeit fesselt . Das Original bildet jetzt , wenn nicht neuerdings wiederum Änderungen stattgefunden haben , eine Zierde unseres Berliner Museums . Früher hing es im Wohnzimmer zu Karwe , an derselben Stelle , die sich jetzt mit der bloßen Kopie behelfen muß . Interessant ist es , wie das Original in den Besitz der Familie kam . Der Feldmarschall bereiste , wahrscheinlich 1819 , Italien und kam nach Rom . Kurz vor seiner Rückreise wurde ihm von einem Trödler ein Christuskopf zum Verkauf angeboten , dessen hohe Schönheit auch seinem Laienauge auf der Stelle einleuchtete . Er kaufte das Bild für eine ansehnliche Summe . Kaum aber war er im Besitz desselben , als sich das Gerücht verbreitete , eins der italienischen Klöster sei beraubt worden – der Correggiosche Christuskopf auf dem Schweißtuche der heiligen Veronika sei fort . Der nächste Tag brachte die amtliche Bestätigung , und Belohnungen wurden ausgesetzt für die Wiederbeschaffung und selbst für den Nachweis des berühmten Gemäldes . Knesebeck begriff die Gefahr und traf seine Vorkehrungen . Das Bild ward in ein Wagenkissen eingenäht , und der glückliche Besitzer , der bis dahin kaum selber gewußt haben mochte , was er besaß , nahm auf seinem neuen Schatze Platz und brachte so sein schönes Eigentum glücklich über die Alpen . Ich kann nicht sagen , wie lange das Bild in Karwe blieb , mutmaßlich nur kurze Zeit . Jedenfalls nahm das Haus Knesebeck , das zu Anfang des 18. Jahrhunderts von den Hohenzollern ein halbes Dutzend Familienporträts geschenkt erhalten hatte , zu Anfang des 19. Jahrhunderts Veranlassung , den Hohenzollern ein Gegengeschenk zu machen und warf ( in aller Loyalität sei es gesagt ) einen Correggioschen Christuskopf gegen sechs Pesnesche Kurfürsten unzweifelhaft siegreich in die Waage . Friedrich Wilhelm III. akzeptierte in Gnaden das Geschenk und willigte gern in Erfüllung des einen Wunsches , den Knesebeck bei Überreichung des Bildes geäußert hatte , » daß dasselbe nämlich unwandelbar in der königlichen Hauskapelle verbleiben möge . « Diese Zubewilligung ist indessen im Laufe der Zeit entweder vergessen oder aber aus einem Humanitätsgefühle der Hohenzollern » die nichts Schönes für sich allein haben wollen « absichtlich geändert worden . Das Bild gehört nicht mehr der Hauskapelle , sondern dem Bildermuseum an . Nur bei Gelegenheit der Taufe des jungen Prinzen Friedrich Wilhelm , dessen Geburt im Januar 1859 alle loyalen Herzen in Stadt und Land mit Freudigkeit erfüllte , kam auch der Correggio wenigstens vorübergehend wieder zu seinem zugesagten Recht und wanderte auf vierundzwanzig Stunden aus den Museumssälen in den prächtigen Kuppelbau der Schloßkapelle