Geklatsch . Als aber eine halbe Woche später die Hradscheck geradeso wiederkam , wie sie gegangen war , das heißt ohne Samthut und Straußenfeder , und noch ebenso grüßte , ja womöglich noch artiger als vorher , da trat ein Umschlag ein , und man fing an , sie gelten zu lassen und sich einzureden , daß die Erbschaft sie verändert habe . » Man sieht doch gleich « , sagte die Quaas , » daß sie jetzt was haben . Sonst sollte das immer was sein , und sie logen einen grausam an , und war eigentlich nicht zum Aushalten . Aber gestern war sie anders und sagte ganz klein und bescheiden , daß es nur wenig sei . « » Wieviel mag es denn wohl sein ? « unterbrach hier die Mietzel . » Ich denke mir so tausend Taler . « » O mehr , viel mehr . Wenn es nicht mehr wäre , wäre sie nicht so ; da zierte sie sich ruhig weiter . Nein , liebe Mietzel , da hat man denn doch so seine Zeichen , und denken Sie sich , als ich sie gestern frug , › ob es ihr nicht ängstlich gewesen wäre , so ganz allein mit dem vielen Geld ‹ , da sagte sie : › Nein , es wär ihr nicht ängstlich gewesen , denn sie habe nur wenig mitgebracht , eigentlich nicht der Rede wert . Das meiste habe sie bei dem Kaufmann in Berlin gleich stehenlassen . ‹ Ich weiß ganz bestimmt , sie sagte : das meiste . So wenig kann es also nicht sein . « Unterredungen wie diese wurden ein paar Wochen lang in jedem Tschechiner Hause geführt , ohne daß man mit Hilfe derselben im geringsten weitergekommen wäre , weshalb man sich schließlich hinter den Postboten steckte . Dieser aber war entweder schweigsam oder wußte nichts , und erst Mitte November erfuhr man von ihm , daß er neuerdings einen rekommandierten Brief bei den Hradschecks abgegeben habe . » Von woher denn ? « » Aus Krakau . « Man überlegte sich ' s , ob das in irgendeiner Beziehung zur Erbschaft stehen könne , fand aber nichts . Und war auch nichts zu finden . Denn der eingeschriebene Brief lautete : » Krakau , den 9. November 1831 Herrn Abel Hradscheck in Tschechin . Oderbruch Ew . Wohlgeboren bringen wir hiermit zu ganz ergebenster Kenntnis , daß unser Reisender , Herr Szulski , wie alljährlich so auch in diesem Jahre wieder , in der letzten Novemberwoche bei Ihnen eintreffen und Ihre weitern geneigten Aufträge in Empfang nehmen wird . Zugleich aber gewärtigen wir , daß Sie , hochgeehrter Herr , bei dieser Gelegenheit Veranlassung nehmen wollen , unsre seit drei Jahren anstehende Forderung zu begleichen . Wir rechnen um so bestimmter darauf , als es uns , durch die politischen Verhältnisse des Landes und den Rückschlag derselben auf unser Geschäft , unmöglich gemacht wird , einen ferneren Kredit zu bewilligen . Genehmigen Sie die Versicherung unserer Ergebenheit . Olszewski-Goldschmidt & Sohn « Hradscheck , als er diesen Brief empfangen hatte , hatte nicht gesäumt , auch seine Frau mit dem Inhalte desselben bekannt zu machen . Diese blieb anscheinend ruhig , nur um ihre Lippen flog ein nervöses Zittern . » Wo willst du ' s hernehmen , Abel ? Und doch muß es geschafft werden . Und ihm eingehändigt werden ... Und zwar vor Zeugen . Willst du ' s borgen ? « Er schwieg . » Bei Kunicke ? « » Nein . Geht nicht . Das sieht aus nach Verlegenheit . Und die darf es nach der Erbschaftsgeschichte nicht mehr geben . Und gibt ' s auch nicht . Ich glaube , daß ich ' s schaffe . « » Gut . Aber wie ? « » Bis zum 30. hab ich noch die Feuerkassengelder . « » Die reichen nicht . « » Nein . Aber doch beinah . Und den Rest deck ich mit einem kleinen Wechsel . Ein großer geht nicht , aber ein kleiner ist gut und eigentlich besser als bar . « Sie nickte . Dann trennte man sich , ohne daß weiter ein Wort gewechselt worden wäre . Was zwischen ihnen zu sagen war , war gesagt und jedem seine Rolle zugeteilt . Nur fanden sie sich sehr verschieden hinein , wie schon die nächste Minute zeigen sollte . Hradscheck , voll Beherrschung über sich selbst , ging in den Laden , der gerade voll hübscher Bauernmädchen war , und zupfte hier der einen am Busentuch , während er der andern die Schürzenbänder aufband . Einer Alten aber gab er einen Kuß . » Einen Kuß in Ehren darf niemand wehren – nich wahr , Mutter Schickedanz ? « Mutter Schickedanz lachte . Der Frau Hradscheck aber fehlten die guten Nerven , deren ihr Gatte sich rühmen konnte . Sie ging in ihr Schlafzimmer , sah in den Garten und überschlug ihr Leben . Dabei murmelte sie halb unverständliche Worte vor sich hin und schien , den Bewegungen ihrer Hand nach , einen Rosenkranz abzubeten . Aber es half alles nichts . Ihr Atem blieb schwer , und sie riß endlich das Fenster auf , um die frische Luft einzusaugen . So vergingen Stunden . Und als Mittag kam , kamen nur Hradscheck und Ede zu Tisch . 5. Kapitel Fünftes Kapitel Es war Ende November , als an einem naßkalten Abende der von der Krakauer Firma angekündigte Reisende vor Hradschecks Gasthof vorfuhr . Er kam von Küstrin und hatte sich um ein paar Stunden verspätet , weil die vom Regen aufgeweichten Bruchwege beinah unpassierbar gewesen waren , am meisten im Dorfe selbst . Noch die letzten dreihundert Schritt von der Orthschen Windmühle her hatten ein gut Stück Zeit gekostet , weil das ermüdete Pferd mitunter stehenblieb und trotz allem Fluchen nicht weiter wollte . Jetzt aber hielt der Reisende vor der Ladentür , durch deren trübe Scheiben ein Lichtschein auf den