Hopp , wie meine Gedanken sprangen , wie mein Gehirn in rasend fallender Kurve die große Schleifenbahn des Lebens nahm ! Nun saß ich also hier und fühlte , daß der Äquator tatsächlich ein glühender Reifen ist , der durch die Eingeweide hindurchgeht . Ich muß gestehen , ich saß mit einer leisen , satten Verliebtheit da . War es sonderbar , mein Verhältnis zu dieser Umgebung hatte einen erotischen Beigeschmack . In den ersten zwei Tagen war es eine Leidenschaft gewesen . Ich ahnte die Tiefe , ich suchte sie . Das mütterlich Nährsame der Landschaft , dämonisch an Urerinnerungen rührend , hatte den stechenden Zauber einer begehrten Frau , der goldene Tore vor himmelblauen Schicksalen aufspringen läßt . Die Natur war hier erkenntlich an dem Reiz der Gebärerin , in der ein Mann die ersten Anfänge und letzten Bedeutungen des Ichs sucht . Erotik , wie sie von den klügsten und tiefsten Geistern einer Kultur , der das altruistische Empfinden eigentlicher Liebe verloren gegangen war , geübt wurde , war und wird noch lange ein Suchen des Ichs im andern sein . Was ist die moderne Liebe , wo sie am prächtigsten ist , die Liebe ohne und wider das Geschlecht ? Ein ungeheurer , widernatürlicher , aber in seinem Verfall noch sittlicher und schöpferischer Eitelkeitsakt ! Der Kraftaufwand gilt nicht dem Problem , wie zwei zusammen leben , sondern wie der eine durch das andere in den Genuß eines höheren und raffinierteren Bewußtseins gelangen könnte . Ist es statthaft ? Es ist statthaft . Es ist vor allem besser als das Nichts , es ist , als Durchschnitt , besser als die Vereinzelung wirklich altruistischer Liebe . Je mehr man sich dieses goldhaltigen , seltenen , feiertäglichen Falles für fähig halten mag , desto begehrlicher wächst das Bestreben , die erotische Mappe zu füllen und die Mission zu Ende zu führen . Jener Fall ist so erhaben , er ist so sehr über jedes gewöhnliche Maß hinaus , daß er uninteressant ist ; er ist der Gegenstand von Idyllen , die heute nicht mehr geschrieben werden und erst wieder auf eine heroische und absolute Zeit warten . Er ist vollständig , er ist erledigt , er benötigt keine Berichterstattung irgendwelcher Art , er benötigt weder Geständnisse noch Missionen . Aber die kleinen , die unvollkommenen Fälle sind es , die dem Menschengeschlechte die Mission hinterlassen haben , sie zu komplettieren , damit es sich wieder dem großen , uninteressanten Ernstfalle zuwenden kann . In diesem Sinne habe auch ich eine erotische Mission auf mich genommen , ich bin bereit , zum Wohle der Allgemeinheit ein gut Teil ihrer Inferiorität zu tragen , sie zu erleben , zu erfühlen , vor allem aber , sie zu schildern und an ihrer Hand Lehren zu geben . Ich bin überzeugt , daß ich den Menschen mit schrankenloser Aufrichtigkeit über alles , was uns betrifft , einen wesentlichen Dienst leiste , und ich will mit meiner erotischen Naturgeschichte nicht zurückhalten ; indes vermag ich mir auch vorzustellen , daß man in späteren Zeiten diese selbe Erotik , die uns heute noch so gründlich beschäftigt , vorsintflutlich finden wird . Einen solchen lehrreichen Fall habe ich vor mir . Ich habe Beziehungen zu einer Natur , die ganz Weib ist . Geschlechtliches schwebt über den Wassern und Blutgesänge mische ich in einen Chor . Der Wald ist das große Herz , und das braune Wasser des Stromes ist mein heiligstes Herzblut . Liebe entsteht , wenn es fließt , eine Liebe , an der ich beteiligt bin ; aber es ist nicht das große geistliche altruistische Gefühl , es ist eine rasende , eine wilde und begehrliche Liebe , es ist eine mondäne und grausame Liebe , niedrig , interessant und höchst lehrreich . Es ergeben sich in ihrem Umkreise , soweit ein Urwald , ein Strom und eine Sonne Herren sind , Zwischenfälle der schamlosesten Art , wie ich mir denken kann . Trübe Geheimnisse tauchen aus der Seele eines Mannes auf , und ich ahne Demütigendes , Verwirrendes , Sinnloses , poetische Kräfte , die demoralisieren , Leidenschaften , die Selbstachtung mit schärferen Zähnen stumpf machen , spüre im Schwanken schon jetzt Erstreckungen voraus , die nicht in Raum und Zeit , und was der Mensch der Städte davon weiß , gegeben sind . Ich atme , fiebernd , Welten , unsagbar wo hinter der meinen , links , rechts , oben , unten ? ... und stürze in Existenzen hinab , die sich vor Urzeiten ereigneten . Das große Geschlecht der ursprünglichen Natur , Mutter und Hure zugleich , fordert meine Mannbarkeit heraus : ich enthülle mich , zeuge und reise . Ich halte meine Selbstgespräche geflissentlich , weil sie über die Beschaffenheit meiner erotischen Art Anhaltspunkte geben . Diese könnten später einmal tauglich erscheinen . Denn in dieser Geschichte handelt es sich , wie bei allen richtigen Geschichten , um ein Weib . Ich denke dabei nicht einmal an Zana , in der vielleicht erst all dieses zur Auslösung kam ; ich denke an den Wald , den Urwald , an die Sinnlichkeit dieser Natur , ihre Roheit , ihren ursprünglichen Elan , ihren schrecklichen , verwirrenden Trieb , ich denke an den Trieb , die Tropen im Gemüt des weißen Mannes . Die Frau nämlich ist ihrerseits nie aus den Tropen herausgekommen ; und so gewiß der weiße Mann ein gänzlich verändertes System im Verhältnis zu seiner Urwaldherkunft darstellt , so gewiß ist es , daß Zana sich von keiner Boulevarddame wesentlich unterschieden hat . So gewiß ist es aber auch , daß die weibliche Natur der Tropen in jener weiblichen einer modernen Großstadt wiederkehrt , und , daß der Schritt vom europäischesten Europa mitten in den Djungle hinein nicht so abenteuerlich ausfällt , als man es sich erwartet hat . Denn was immer man erlebt , es ist stets dasselbe Abenteuer , es ist gleichgültig , ob man unter einen Panter oder einen Autobus gerät ,