er das Ziel seines Späherweges erreichen konnte , stieg hinter den östlichen Bergzinnen der schöne Tag herauf . Über dem Hängmoos lag die erste Morgensonne . Das Gras der trockengelegten Weideflächen hatte einen Goldton in seinem Grün , und die frische Luft war zart erfüllt vom süßen Wohlgeruch der Kohlröschen . In der mild erwachenden Wärme begannen die Wasserflächen des nahen Sumpfes zu dunsten , und um die Mooskissen des Bruchbodens , um ihre besonnten Vergißmeinnichtbüschel und Dotterblumen gaukelten graubraune Schmetterlinge in so reicher Zahl , daß ihre Menge manchmal anzusehen war wie ein dunkelwehender Schleier . Die Kalben , Ochsen und Kühe weideten mit leis tönendem Schellenklang , und aus der Rauchscharte des Käsers stiegen blauquirlende Wölklein in die Sonne hinauf . Der Brunnen murmelte und goß den blitzenden Wasserstrahl in den Spiegel des Troges . Auf der höchsten Stelle des Almfeldes zog vertraut ein Rudel Gemsen gegen das Latschendickicht . Hoch in der Sonne kreiste ein Weihenpaar . Und als möchte auch das Leben der Tiefe einen Gruß hinaufsenden in diesen schönen , heiligen Frieden der Bergfrühe , so klangen , mild und kaum noch hörbar , aus weiter Ferne her die raschen Laute einer rufenden Kirchenglocke . Im aufziehenden Sonnenwinde fingen die nahen Wälder sanft zu rauschen an . Was der Morgen an Hirtenwerk verlangte , war getan . Jedes Rind hatte Salz bekommen , die Kühe waren gemolken , die Milch war aufgestellt in hölzernen Schalen . Ein leuchtender Streifen der Sonne fiel durch die offene Tür in das Zwielicht des Hüttenraumes . Neben dem Feuer saßen Jula und ihr Bruder Jakob in der Herdmulde und aßen die Morgensuppe . Dann beteten die beiden mit geneigten Gesichtern . Jula erhob sich , warf die schweren Zöpfe zurück , die ihr auf die Brust gehangen , und sprach mit der Hand . Jakob nickte . Und während Jula die abgerahmte Milch des verwichenen Tages in den kupfernen Sudkessel schüttete und ihn mit dem Balken , an dem er hing , über die Herdflamme zog , verließ ihr Bruder die Hütte . Neben dem Brunnen setzte er sich in die Sonne und begann an der fliegenden Schwalbe zu schnitzen , die sich schon bald aus dem Holze lösen wollte . In der Hütte sang Jula mit halber Stimme . Ich weiß ein ' Buben hübsch und fein , Hüt du dich ! Der kann so falsch wie freundlich sein , Hut du dich ! Er hat zwei Augen , die sind braun , Hüt du dich ! Die gucken allweil durch den Zaun , Hüt du dich ! Er hat ein lichtbraunfarbnes Haar , Hüt du dich ! Und was er redt , das ist nit wahr , Hüt du dich ! In der Tiefe des Almfeldes rasselten viele Schellen wirr durcheinander . Jula , beim Klang ihrer Stimme und beim Geprassel des neugeschürten Herdfeuers , achtete dieses Lärmes nicht . Und Jakob konnte ihn nicht hören . Doch als er einmal von seinem Schnitzwerk aufblickte , sah er da drunten die flüchtenden Rinder und sah , daß am Waldsaum ein Reiter , der aus dem Sattel gestiegen war , seinen Gaul an eine Lärche band . Jakob erhob sich , säbelte aufgeregt in die Hütte , lallte einen schweren Laut und sprach mit den Händen . Betroffen sah Jula den Bruder an . Eine leichte Röte glitt über ihr strenges , sonnverbranntes Gesicht . Dann lachte sie ein bißchen und steckte rasch die hängenden Zöpfe hinauf . Sie trat aus der Hütte . Doch als sie den dunkelbärtigen Spießknecht über das Ahnfeld heraufkommen sah , machte sie verwunderte Augen , schüttelte den Kopf , redete mit den Händen zu ihrem Bruder und kehrte wieder an den Herd zurück . Es dauerte eine Weile , dann fiel ein schwarzer Schatten über die sonnige Türschwelle . Mit freundlichem Gruße trat Marimpfel in die Hütte . Er sah nur die Hirtin . Jakob , um seine Mißgestalt zu verbergen , hatte sich hinter dem Sudkessel in den Herdwinkel gedrückt . Jula erwiderte den Gruß des Spießknechtes . Der Anblick dieses Gastes war ihr keine Freude . Sie wußte : Hofleut sind wildes Volk , vor dem man sich hüten muß . Doch ruhig fragte sie : » Woher des Wegs ? « » Bei einem Grenzstein hab ich nachschauen müssen . « Marimpfel ließ sich auf die Bank nieder , wobei das Eisenwerk seiner Rüstung klirrte . Er guckte in der Hütte herum . » Ein schöner Herd ! Ein feiner Käser ! Wann ist denn der gebaut worden ? « » Das weiß ich nit . « Jula begann mit langer Holzspachtel den dampfenden Inhalt des Kessels aufzurühren . » Willst du Zehrung haben ? « Marimpfel lachte , und seine schwarzen Funkelaugen musterten die Gestalt der Hirtin . » Vergelts deinem Gutwillen ! Aber Bauernkäs ist saurer Fraß . « Jula furchte die Brauen . » Ich kann dir auch süßen geben , wenn du so schleckig bist . « » Viel süßen Käs wirst du nit aufstellen können von den vierzehn Kühen , die ich gesehen hab . Oder hast noch mehr ? « » Siebzehn hab ich . « » Und wieviel Ochsen ? « » Dreiundvierzig hab ich aufgetrieben . Und zwanzig Kalben dazu . Gottlob , es ist mir heuer noch kein Stückl im Bruchboden versunken . Hab einen friedsamen Sommer heuer , Gott soll ihn segnen . « Marimpfel erhob sich . » Zwanzig Kalben ? So ? « Unter kurzem Lachen faßte er mit flinker Faust den Arm der Hirtin . » Und dazu noch ein Geißlein , mit dem gut bocken wär ! Was meinst ? « Was Jula meinte , brauchte sie nicht zu sagen . Marimpfel las es in ihren zornblickenden Augen . Und plötzlich fühlte er an seinem Handgelenk einen groben Schlag . Jakob , das Gesicht verzerrt , stand zwischen der Schwester und dem Spießknecht , mit dem Schnitzmesser in der kleinen , zitternden Faust . Marimpfel