sie dich damals in dem Felsenloch auf die Schultern genommen und hergebracht hat , wie sie dich in ihr eigenes Himmelbett gelegt und gewartet hat und gepflegt , wie sie die vielen Tage und Nächte bei dir gewacht hat und dein hitziges Fieber gekühlt und dich besänftigt hat , wenn du in deinen unsinnigen Träumen gerungen hast mit einem andern und getobt und geheult ; wenn du das alles gespürt hättest , sag ich , du könntest dich nicht fürchten vor ihr ! « Staunend vernahm ich alles dies und fragte : » Wie lange bin ich denn schon hier ? « » Gewißlich schon an die vier Wochen oder fünf ! « erwiderte sie und kühlte mir die heiße Stirn mit einem nassen Tuch und gab mir zu trinken . » Wir wissen nicht « , fuhr sie darnach fort ; » woher du kommst , und auch nicht , wer du bist , und niemand in der Gegend hat bis heut nach dir gefragt . Du bist ohne Sinnen und ganz ohnmächtig dagelegen bis gestern und wirst wohl noch eine Weil stillhalten müssen , bis du wieder richtig bist . Aber das ist einmal gewiß : Die Mutter macht dich wieder gesund . Und du sollst dich nicht mehr vor ihr fürchten ! « Sie strich mir über die Wangen ; da sagte ich : » Wenn du sagst , daß sie so gut ist , dann fürcht ich mich nimmer . « » Wie heißt du denn ? « fragte sie wieder ; » und wie konnte dir das Unglück so ankommen ? « Da sagte ich ihr , daß ich der Weidhoferbalg sei und Mathias Bichler heiße . Auch von meiner Wallfahrt berichtete ich und von meinem Kampf mit dem langen Ambros ; doch tat ich es nur stockend und fühlte eine Schwäche beim Reden . Da meinte sie : » Schweig nur wieder still und denk nicht mehr daran ! Ich bleib schon bei dir ! « Dessen war ich von Herzen froh und tat von da ab alles , was sie mir zu meiner Gesundung empfahl , und war auch gegen meine alte Pflegerin dankbar und zutraulich . Und als sie meiner Ziehmutter , der alten Weidhoferin , zu wissen machte , daß ich bei ihr sei , und da diese voller Schreck den Hausl zur Irscherin sandte mit der Botschaft , sie hätte das Bett schon aufgedeckt für mich und ich bräuchte mich bloß hineinzulegen , da sagte ich zu dem Buben : » Sag der Mutter , daß es mir bei der Irscherin ganz gut geht , und daß auch auf dem Stroh von der Waldhex gut schlafen ist , und ich glaube , daß sie gar keine ist . « Da ließ sie mich noch liegen und schickte nur ab und zu einen Boten , daß er ihr einen Ausspruch brächte , wie es mit mir stand ; denn um keinen Preis hätte sie , die fromme Meßmerin , es über sich gebracht , das Haus der verschrienen Alten zu betreten ; es wäre denn ein Pfarrer vor ihr hergegangen und hätte den Teufel mit Weihrauch und Benediktion gebannt und verscheucht . Ich selber spürte nun allerdings nichts von dem unholden Wesen , das man der alten Irschermutter nachsagte ; sie pflegte mich Tag für Tag mit einer gleichmäßigen Freundlichkeit , riet mir dies und gab mir das , und noch ehe ein Monat um war seit dem Tag , da ich zum erstenmal wieder klaren Verstand gezeigt hatte , konnte ich schon mit ihr am Waldrand entlang hinken oder hinter dem Haus auf dem Anger in der Sonne liegen und die Geißen hüten . Auch lernte ich allmählich das Haus der alten Mutter , das Stüblein der Jungfer Kathrein und noch allerhand kennen ; auch wußte ich nun , daß die Alte eine große Kunst kannte , Leut und Vieh von Krankheiten und Gebresten zu heilen , Menschen auf kommendes Unheil vorzubereiten oder selbiges von ihnen abzuwenden , wenn sie sich ihr freundlich erzeigten . Sie konnte sympathische Tränke mischen und denen helfen , die durch unholde Zauberei liebeskrank , unglücklich oder arm geworden waren . Auch bereitete sie auf eine geheimnisvolle Weise Glücksmännlein oder Mandragoren . Da las sie erst eifrig in ihrem alten Handbuch , schrieb mit der Kreide allerhand geheime Zeichen an die Stubentür und blickte jeden Abend aufmerksam zu den Sternen . Endlich hatten diese eine glückliche Stellung zum Monde , und nun ging sie mit einem Tuch hinaus an den Saum des Waldes . Dort grub sie etliche seltsam geformte Wurzeln aus , die sie Hundswurz oder auch Alraunen nannte , und trug sie in dem Tuche heim . Nun beschnitt sie alle Ausläufe der Wurzeln , holte aus einer alten Truhe ein Leichentuch , in das , wie mir die Jungfer Kathrein berichtete , einst ein heiliger Mönch des Zisterzienserordens gehüllt gewesen , und trug sie so verwahrt nach dem Friedhof . Hier steckte sie die Wurzeln in die Grabhügel verstorbener reicher Leute und ging darnach heim . Am andern Morgen durchsuchte sie den Dachboden nach Fledermäusen , fing drei derselben und ertränkte sie in den Molken der Kuhmilch ; darauf begann sie laut zu beten und heilige Sprüche herzusagen und goß die Milch in ein kupfernes Weihbrunngefäß . Jeden Morgen vor Sonnenaufgang ging sie nun laut betend ums Haus , nahm darnach etwas von den Molken und begab sich zum Friedhof , die Wurzeln mit dieser Milch zu begießen . Hierauf ging sie in den Wald und sammelte Farren- oder Natternkraut , sowie auch Eisenkraut , dörrte es und legte es darnach in die Truhe . Nach etlicher Zeit , es mochte wohl eine Woche oder zwei vergangen sein , grub sie die Wurzeln wieder aus , trug sie im Leichentuch wieder nach Hause , heizte den Ofen mit dem gedörrten Kraut und trocknete die Alraunen an diesem Feuer . Dann schnitt sie von dem Leichentuch kleine Stücklein ab und wickelte die Wurzeln