wie es scheint , offen auf dem Tisch gefunden und war so indiskret , etwas darin zu lesen . - Ja , Sie sind entschieden ein wundervoller Mensch . Chamotte hat mich hereingelassen - sicher hat er es auch gelesen , denn er ist beunruhigt um Sie und beklagt sich , daß Sie in der letzten Zeit so sonderbar wären . Ich habe es auch gemerkt und fange an , es zu begreifen . Aber - du wirst mit deinem Singen - doch nicht zum Himmel dringen . Gehen Sie deshalb lieber nicht wieder zum Jour , sondern kommen Sie morgen mit mir auf die ElendenKirchweih . ( Das ist ein Fest . ) Tout-Wahnmoching wird sicher auch dort sein . Halt - ich kann mich im Moment nicht besinnen , ob Sie einen Schnurrbart haben - ich glaube , nein , er paßt entschieden nicht zu Ihrer Biographie . Aber wenn ja , so lassen Sie ihn vorher beseitigen - er geht nicht zum Kostüm . Also 7 Uhr abends im Eckhaus ( Chamotte weiß den Weg ) . Dreimal klingeln . Susanna Ach , diese Frau - es ist wirklich nicht ganz diskret , in meinen Sachen zu stöbern , wenn ich nicht zu Hause bin , und mir da mitten hineinzuschreiben . Ich bin so ordentlich , daß es an Pedanterie grenzt , und so etwas stört mich . Ich habe Chamotte zur Rede gestellt - Chamotte ist mein kleiner Diener . Susanna hat ihn so getauft , weil sie seinen Namen nicht behalten konnte und fand , er sähe aus , als ob er Chamotte hieße . Er fühlte sich dadurch geehrt , er schwärmt für Susanna und verteidigt sie - na , es ist eine Schande - aber er macht mir alles nach , und wenn mir etwas nicht paßt , behauptet er einfach , er wäre dazu verurteilt gewesen , es so zu machen . Aber der Bengel ist erst sechzehn Jahre alt und wird dabei nie unverschämt . Und mir tut es manchmal wohl , so eine Art zweites Ich zu haben , das intelligent und bescheiden auf das erste reagiert - und das man hinausschicken kann , wenn man will . Chamotte spricht jetzt auch von unserer Biographie und findet , wir müssen unbedingt zu dem Fest gehen , ich soll ihn als meinen Sklaven mitnehmen - das hat Susanna ihm heute früh in den Kopf gesetzt . 5 10. Januar Ich werde wohl doch anfangen einen Roman zu schreiben . Als erstes Kapitel könnte ich gleich den gestrigen Abend nehmen . Der junge Mann im Pelzmantel ist Herr Dame . Etwas müde und nachdenklich geht er durch die Straßen . Chamotte , sein Diener , folgt ihm , mit Maskenkostümen beladen . Er ist verurteilt , heute abend auf ein Fest zu gehen - eine Frau hat ihn dazu verurteilt . Große Schneeflocken fallen vom Himmel - der heimliche Traum seines Lebens ist , nur einmal der Frau zu begegnen , die ihn - ach Gott , wie soll man das sagen - die ihn mit Liebe und zur Liebe verurteilt - gütig und doch ... Nein , das geht nicht , das muß noch anders gesagt werden . Sie kommen in eine Nebenstraße , an der Ecke steht ein altes Haus mit großem grünem Tor und einer altmodischen Glocke . Chamotte zieht die Glocke - dreimal - , denn nur auf dieses Zeichen wird man eingelassen . Man geht durch einen Laubengang und über einen gepflasterten Hof - wieder eine Tür und wieder dasselbe Glockenzeichen . Die Tür wird von innen aufgerissen . Der Herr im Pelzmantel fährt zurück , Chamotte schreit laut auf , vor ihnen im Schein einer trüben Laterne steht ein Henkersknecht aus dem Mittelalter - oder Gott weiß woher . Er trägt ein eisernes Schuppenhemd , eine verrostete Sturmhaube , unter der die Augen unheimlich hervorblicken , im Ledergürtel steckt ein langes , handbreites Dolchmesser , baumelt geraubtes Altargerät . Quer über die Stirn läuft eine blutrote Narbe . Die unheimliche Gestalt verbeugt sich in tiefem Ernst ; » von Orlonsky . « » Dame - Dame - ja , ich heiße so . « » Freut mich sehr , Susanne wartet schon . « Der Henker mit seiner Laterne geht voran , durch einen dunklen Flur , eine Treppe hinauf , in einen großen hellerleuchteten Raum , eine Art Küche , wie man sie in Bauernhäusern findet . In der einen Ecke ist der Herd , in der anderen ein gewaltiger Tisch mit ledergepolsterten Bänken und Stühlen - an den Wänden altes Kupferzeug und Fayencegeschirr , ein ganzes Museum . Susanna steht am Tisch in einem weißen Gewand und schminkt einen untersetzten jungen Herrn , der mit runden schwarzen Augen gefühlvoll zu ihr aufblickt . Ein zweiter , mit dem Zwicker auf der Nase , hält die Lampe , spricht und gestikuliert aufs lebhafteste . Dazwischen läuft ein fünf- bis sechsjähriges Kind herum . Begrüßung - Vorstellung - der Fremde , in dieser Umgebung wieder völlig Fremde , küßt ihr die Hand . Der Henker stürzt an den Herd und rührt in einem Gericht , das anzubrennen droht - Chamotte reißt Augen und Mund auf und steht wie verzückt . » Wir haben Eile , Eile « , sagt Susanna - » Haben Sie Ihr Kostüm ? - Chamotte , mach das Paket auf - und Ihr Schnurrbart ? « Sie sieht mir ins Gesicht ... Anmerkung Herr Dame geht manchmal unvermittelt in die erste Person über - aber falls er seinen Roman wirklich jemals geschrieben hätte , würde er es sicher korrigiert haben . » Ach Susanna , ich habe nie einen Schnurrbart getragen . « Der Herr mit dem Zwicker fixiert erst mich und dann Susanna . Damit ist die Frage vorläufig erledigt . » Also rasch , ziehen Sie sich an , Herr Dame . « » Hier ? « Ich sehe mich hilflos um . » Aber Susja « , ruft