Kopf , daß ich mich verschluckte und großen Lärm verursachte . Und trotzdem diese Situation mir selber lästig war , trotzdem ich mich auf alle mögliche Weise anstrengte , ernst zu sein , kam das Lachen stoßweise immer wieder und behielt völlig die Herrschaft über mich . Mein Vater , gleichsam um mein Benehmen zu verdecken , fragte mit seiner breiten gedämpften Stimme : » Ist Mathilde krank ? « Der Großvater lächelte in seiner Art und antwortete dann mit einem Satze , auf den ich , mit mir selber beschäftigt , nicht achtgab und der etwa lautete : Nein , sie wünscht nur , Christinen nicht zu begegnen . Ich sah es also auch nicht als die Wirkung dieser Worte an , daß mein Nachbar , der braune Major , sich erhob und , mit einer undeutlich gemurmelten Entschuldigung und einer Verbeugung gegen den Grafen hin , den Saal verließ . Es fiel mir nur auf , daß er sich hinter dem Rücken des Hausherrn in der Tür nochmals umdrehte und dem kleinen Erik und zu meinem größten Erstaunen plötzlich auch mit winkende und nickende Zeichen machte , als forderte er uns auf , ihm zu folgen . Ich war so überrascht , daß mein Lachen aufhörte , mich zu bedrängen . Im übrigen schenkte ich dem Major weiter keine Aufmerksamkeit ; er war mir unangenehm , und ich bemerkte auch , daß der kleine Erik ihn nicht beachtete . Die Mahlzeit schleppte sich weiter wie immer , und man war gerade beim Nachtisch angelangt , als meine Blicke von einer Bewegung ergriffen und mitgenommen wurden , die im Hintergrund des Saales , im Halbdunkel , vor sich ging . Dort war nach und nach eine , wie ich meinte , stets verschlossene Türe , von welcher man mir gesagt hatte , daß sie in das Zwischengeschoß führe , aufgegangen , und jetzt , während ich mit einem mir ganz neuen Gefühl von Neugier und Bestürzung hinsah , trat in das Dunkel der Türöffnung eine schlanke , hellgekleidete Dame und kam langsam auf uns zu . Ich weiß nicht , ob ich eine Bewegung machte oder einen Laut von mir gab , der Lärm eines umstürzenden Stuhles zwang mich , meine Blicke von der merkwürdigen Gestalt abzureißen , und ich sah meinen Vater , der aufgesprungen war und nun , totenbleich im Gesicht , mit herabhängenden geballten Händen , auf die Dame zuging . Sie bewegte sich indessen , von dieser Szene ganz unberührt , auf uns zu , Schritt für Schritt , und sie war schon nicht mehr weit von dem Platze des Grafen , als dieser sich mit einem Ruck erhob , meinen Vater beim Arme faßte , ihn an den Tisch zurückzog und festhielt , während die fremde Dame , langsam und teilnahmlos , durch den nun freigewordenen Baum vorüberging , Schritt für Schritt , durch unbeschreibliche Stille , in der nur irgendwo ein Glas zitternd klirrte , und in einer Tür der gegenüberliegenden Wand des Saales verschwand . In diesem Augenblick bemerkte ich , daß es der kleine Erik war , der mit einer tiefen Verbeugung diese Türe hinter der Fremden schloß . Ich war der einzige , der am Tische sitzengeblieben war ; ich hatte mich so schwer gemacht in meinem Sessel , mir schien , ich könnte allein nie wieder auf . Eine Weile sah ich , ohne zu sehen . Dann fiel mir mein Vater ein , und ich gewahrte , daß der Alte ihn noch immer am Arme festhielt . Das Gesicht meines Vaters war jetzt zornig , voller Blut , aber der Großvater , dessen Finger wie eine weiße Kralle meines Vaters Arm umklammerten , lächelte sein maskenhaftes Lächeln . Ich hörte dann , wie er etwas sagte , Silbe für Silbe , ohne daß ich den Sinn seiner Worte verstehen konnte . Dennoch fielen sie mir tief ins Gehör , denn vor etwa zwei Jahren fand ich sie eines Tages unten in meiner Erinnerung , und seither weiß ich sie . Er sagte : » Du bist heftig , Kammerherr , und unhöflich . Was läßt du die Leute nicht an ihre Beschäftigungen gehn ? « » Wer ist das ? « schrie mein Vater dazwischen . » Jemand , der wohl das Recht hat , hier zu sein . Keine Fremde . Christine Brahe . « - Da entstand wieder jene merkwürdig dünne Stille , und wieder fing das Glas an zu zittern . Dann aber riß sich mein Vater mit einer Bewegung los und stürzte aus dem Saale . Ich hörte ihn die ganze Nacht in seinem Zimmer auf und ab gehen ; denn auch ich konnte nicht schlafen . Aber plötzlich gegen Morgen erwachte ich doch aus irgend etwas Schlafähnlichem und sah mit einem Entsetzen , das mich bis ins Herz hinein lähmte , etwas Weißes , das an meinem Bette saß . Meine Verzweiflung gab mir schließlich die Kraft , den Kopf unter die Decke zu stecken , und dort begann ich aus Angst und Hülflosigkeit zu weinen . Plötzlich wurde es kühl und hell über meinen weinenden Augen ; ich drückte sie , um nichts sehen zu müssen , über den Tränen zu . Aber die Stimme , die nun von ganz nahe auf mich einsprach , kam lau und süßlich an mein Gesicht , und ich erkannte sie : es war Fräulein Mathildes Stimme . Ich beruhigte mich sofort und ließ mich trotzdem , auch als ich schon ganz ruhig war , immer noch weiter trösten ; ich fühlte zwar , daß diese Güte zu weichlich sei , aber ich genoß sie dennoch und meinte sie irgendwie verdient zu haben . » Tante « , sagte ich schließlich und versuchte in ihrem zerflossenen Gesicht die Züge meiner Mutter zusammenzufassen : » Tante , wer war die Dame ? « » Ach « , antwortete das Fräulein Brahe mit einem Seufzer , der mir komisch vorkam , » eine Unglückliche , mein Kind ,