. Ich möchte auch lieber eine Lampe , die nicht raucht , und einen Grog ohne Fusel und - und - « , er errötete . Der Mut seines Angriffes stieg ihm zu Kopfe - » und ' ne vornehme Dame . « » Bravo , Gröv ! « rief Werner . » Marri , noch ein Glas . Ihr Lehrer ist ein Mann . Sie wollen gleichmäßige Verteilung der Sünden ? Recht haben Sie , Mann . « » Das wird auch noch kommen « , prophezeite Gröv . » Gott geb ' s « , betete Sahlit verständnislos . Werner stützte den Kopf in die Hand und wurde nachdenklich . » Arme Racker ! « sagte er vor sich hin . » Müßt nachts hier hinaus kriechen , um bißchen hochmütig zu sein , um bißchen Sozialdemokrat zu sein , um zu sehen , ob Marri Zeit hat . Und dann morgen nichts - vorüber . « Er schaute auf , betrachtete nachdenklich die beiden wunderlichen Gesichter seiner Kameraden : » Nun , - wißt ihr - , euch wird viel vergeben werden , weil - weil ihr so furchtbar häßlich seid . « » Amen « , murmelte Sahlit . Eine dumpfe Müdigkeit , die ihn traurig machte , legte sich auf Werner . Die Luft war dick von dem Qualm der Lampe , dem Dampf des Grogs . Sahlit weinte jetzt . Grövs Stolz wurde gespenstischer , dabei warf er verliebte Blicke dem Mädchen am Ofen zu . Und dieses Mädchen , das Werner mit den runden , bleichen Augen stetig ansah , mit dem großen , weißen Gesichte , den nackten Armen , dem weichen Quellen des Busens , mit all dem weißen , lasterhaften Fleisch , es erregte Ekel in Werner , um so stärker , weil es in seinem Blute doch ein Brennen entzündete , das ihm unendlich zuwider war . Er stand auf . » Jetzt fahren wir . Und die Herren kommen mit mir . « » Danke , danke « , lallte Sahlit . Im Schlitten befahl Werner dein Krüger , die Decke fest zuzuknöpfen - » sonst verliere ich meine Gäste . Nur festhalten - es geht los « . Er trieb den Schecken an . Der Wind wühlte noch in den Föhrenwipfeln . Durch die Wolken schien auf Augenblicke der Mond , ein Licht , das kam und ging , als liefe jemand mit einer Kerze eine lange Fensterreihe entlang . Und alle Schatten unten kamen in Aufregung , fuhren zwischen den hohen Stämmen hin und her . » Gott sei uns gnädig « , betete Sahlit . » Hü - hü « - rief Werner . Dieses Blasen und Wehen badete ihn wieder rein . » Hü « - Sie flogen die kleinen Waldwege entlang . Das leichtgefrorene Moos knisterte unter den Hufen des Pferdes . » Haltet euch , Kinder « , kommandierte Werner . Der Scheck stutzte , aber Werner ließ die Peitsche sausen . » Vorwärts ! « - ein Ruck , und sie waren an der Galgenbrücke . Über eine tiefe Schlucht , einst vielleicht ein Steinbruch , in der Steine in einem schwarzen Wasser schliefen , war eine rohe Brücke geschlagen worden , einige Bretter auf einigen hohen Pfosten . Alles war jetzt morsch und faul , das Geländer fortgebrochen . Längst wagte keiner mehr diese Brücke zu befahren oder auch nur zu betreten . Der Rübensimon , der Säufer , hatte sich mitten auf der Brücke erhängt , die Beine über dem Abgrund , und als der Strick gerissen war , war der Rübensimon in das Wasser gefallen , und man hatte seine Leiche nie finden können , ein so tiefes Loch mußte dort unten in dem schwarzen Wasser sein ; so erzählten sich die Leute . » Herr Pastor ! « sagte Gröv heiser . » Gnade ! « wimmerte Sahlit . Aber der Scheck jagte hin . Er führte eine Art Tanz auf , um über die morschen Bretter hinüberzukommen . Hier war eine glatte Stelle , dort brach der Huf ihm in das faule Holz ein - , dort war ein Spalt . Hoch über dem Wasser glitt der Schlitten hin . Etwas Mondlicht fiel in die Tiefe . Werner lehnte sich in den Schlitten zurück . Eine starke Spannung straffte jeden Nerv in ihm an , eine atemlose Erwartung - , jeden Augenblick kann es kommen , das Neue , das Nieerlebte . Ein Rausch war es , der ihn wiegte , dazwischen darin ein ruhiger , beobachtender Gedanke : Also so ist ' s , wenn wir davor stehen , so ist ' s , wenn wir ' s erleben . Sahlit winselte leise vor sich hin wie ein Hund , der an einer geschlossenen Tür steht und hinaus will . Jetzt noch ein Ruck und der Schecke hatte festen Boden unter den Füßen . » So ! « sagte Werner und tat einen tiefen Atemzug . Er ließ die Leinen los . Der Schecke fand den Heimweg schon allein . Eine Ermüdung wie nach einer starken Anstrengung legte sich über Werner . Er sah seine Genossen an . Er fühlte eine Art Zärtlichkeit für sie . Der Küster hielt die Augen noch geschlossen und wimmerte . » Mann - , es ist vorüber ! « schrie Werner ihn an und schüttelte ihn . Sahlit öffnete die Augen , schaute um sich wie einer , der aus schwerem Traum erwacht . » Danke , danke , Herr Pastor « , stammelte er . Der Mond beschien einen Augenblick das Gesicht des Lehrers , ein geisterbleiches Gesicht . Über die spitzen Backenknochen mit den roten Flecken flossen Tränen , die ganz blank im Mondlicht wurden . » Sie weinen ja , Gröv ? « sagte Werner . » So ? « erwiderte er . » Ich weiß nicht . « Das tränenüberströmte Gesicht blieb regungslos und starr . » Sie haben sich gut gehalten , Gröv «