sie sterb ' n ? « » Ja , sie muaß bald sterb ' n. Aba jetzt geh zua ! Du gehst uns do im Weg um . « Der Kleine sah mit neugierigen Augen nach der Alten hin , und als er die Stube verlassen hatte , stellte er sich draußen an das Fenster und preßte das Gesicht an die Scheiben . Die Schullerin wollte in den Stall gehen ; da kam der Kooperator über den Hof , und sie blieb unter der Türe stehen . » Es ist eine kranke Person im Hause , welche des geistlichen Trostes bedarf ? « » Ja , Hochwürden , d ' Muatta is schlecht beinand . Seit Mittag kimmt s ' ganz von da Kraft . « » Wo ist sie ? « » Bitt schön . Hochwürden , da herin . « Der junge Herr trat in die Stube . Ein Blick auf die Alte zeigte ihm , daß hier nur mehr die Seele , nicht aber der Körper zu retten sei , und er ging berufsfreudig an sein Werk . » Warum habt Ihr so lange gewartet ? « fragte er die Schullerin . » Ich fürchte , sie versteht meine Worte nicht mehr . « » Es is so schnell ganga , Hochwürden . Aba sie is no beim Vastand ; sie hört no ganz guat , bloß müad is sie halt . « » Dann laßt uns jetzt allein ! « Die Bäuerin ging hinaus , und der junge Mann setzte sich vor die Kranke hin . Er zog ein dickes Gebetbuch aus der Tasche und fragte mit lauter Stimme : » Hört Ihr meine Worte ? « Zwei müde Augen schauten ihn an ; es lag darin mit dem Aufbieten der letzten Kraft der Ausdruck von Ehrerbietung , und die Alte versuchte mit zitternder Hand das Zeichen des Kreuzes zu machen . Ein minder frommer Mensch wäre gerührt worden durch diese schlichte Ergebung und hätte sich demütig gebeugt vor der Würde der sterbenden Greisin . Aber Herrn Sitzberger konnte nichts Irdisches überwältigen ; er fühlte sich nicht klein in dieser Stunde , sondern es erhob ihn der Besitz der geistlichen Gewalt über diese Seele . Und er sprach wieder so laut , daß ihn die Alte hören mußte : » Anastasia Vöst , Ihr seid nun an das Kreuz geheftet , und Ihr sehet der bitteren Todesstunde entgegen . Ihr müßt bedenken , daß der liebreichste Jesus für Euch ebenfalls Krankheiten getragen und Schmerzen auf sich geladen hat . Bittet ihn , daß er Euch wahre Geduld verleihe , und opfert ihm alle Glieder Eures Leibes auf , daß er sie strafen möge nach seinem göttlichen Wohlgefallen ! « Die Alte verstand nicht alle Worte , aber sie fühlte dunkel , daß sie die Tröstungen der Religion bildeten , in welcher sie lange und gläubig gelebt hatte . Darum hob sie mühsam den Kopf und versuchte kurze Zeit , ihre Augen offenzuhalten . Herr Sitzberger fuhr eifrig weiter . » Ihr sollt nicht mehr an dieser Welt hängen und Euch das Scheiden von derselben schwer fallen lassen . Ihr sollt im Gegenteil von einem innigen Verlangen nach den Wohnungen des Himmels erfüllt sein . Ihr sollt sagen , daß Eure Seele dürstet und seufzt nach den Vorhöfen des Herrn . Wenn auch immerhin die Furcht vor dem Gerichte die Vorstellungskraft beängstigt und der Anblick Eurer Sünden Euren Geist in tödliche Traurigkeit versenkt . « Die Kranke bewegte die Lippen , und der Kooperator fragte : » Was wollet Ihr sagen ? « Sie sprach kaum vernehmbar vor sich hin : » I hab allawei gern g ' arbet . Es is mir it leicht an Arbet z ' viel g ' wen . « Dabei hielt die Alte die mageren Hände vor sich hin , als wollte sie die Ehrenmale der Arbeit zeigen ; und ein freundliches Lächeln ging über ihr verwelktes Gesicht . Ja , wäre der liebe Gott in der Stube gesessen , dann wären ihm vielleicht die Augen naß geworden , und er hätte gesagt : » Das sind zwei ehrliche Hände , Anastasia Vöst , die du aufweisen kannst , und sie erzählen von nützlicher Arbeit . Die haben Gutes gewirkt im Leben , und mehr braucht es nicht für den Himmel . « So hätte der liebe Gott reden müssen , aber sein Stellvertreter meinte es anders . Er zeigte Ungeduld , oder größeren Eifer , und verstärkte die Stimme . » Ihr müßt Eure Gedanken gänzlich vom Irdischen abwenden , indem die sinnliche Welt Euch bald verschwunden sein wird . Und wenn Ihr in den Bedrängnissen des Todeskampfes erseufzet , müßt Ihr Gott bitten , daß er diese Seufzer als Wirkungen einer heiligen Ungeduld , zu ihm zu gelangen , aufnimmt . Versteht Ihr meine Worte ? « Anastasia Vöst verstand sie nicht , sie hielt noch immer ihre Hände vor sich ausgestreckt und schaute sie lächelnd an . Da stand Herr Sitzberger auf und zuckte die Achseln . Er sagte zur Schullerin , welche still hereintrat : » Ihr hättet mich früher rufen sollen , so lange sie noch bei vollem Verstande war . Ich fürchte sehr , sie hat meine Worte nicht mehr erfaßt . « » Sie fallt so schnell z ' samm , daß ' s gar it zum glauben is , Hochwürden . Vor an anderthalb Stunden is sie no viel frischer g ' wen . Mir wer ' n Zeit hamm , daß ma s ' no ins Bett einitragen . Und wann i bitten durft , daß Sie ' s versehg ' n , Hochwürden . « » Ich werde gleich zurückkommen , mit den heiligen Sakramenten , « sagte der Kooperator und ging schnell aus dem Hause . Der Xaverl stand noch immer am Fenster , aber er sollte doch nicht sehen , wie es ist , wenn ein Mensch stirbt . Denn die Schullerin und die Ursula trugen die Alte behutsam