, verlange nicht von einem schwachen Menschenkinde , daß es sein süßes , seliges Glück für ein Geflüster ohne Unterschrift dahintausche . « Die strenge Antwort kam : » Ich gewähre weder Pfand noch Zeichen . Willst du mir dienen , so diene mir blindgläubig bis ans Ende ! « » So vergönne mir wenigstens deutlichen Befehl . Befiehl entsage ! , so entsage ich . Nur befiehl deutlich und erlöse mich vom Zweifel . « Die strenge Antwort kam : » Ich weigere den Befehl . Dein ist der Zweifel , dein ist die Wahl ! denn am Scheideweg des Schicksals richtig wählen , ist die Beglaubigung der Größe ; doch wäg es wohl , denn wählst du falsch , lohnt dir mein Fluch ! « Zur Linken die Reue , zur Rechten der Fluch ! Bekümmert starrte mein Zweifel auf das Zünglein der schlimmen Waage . Da keimte es in den Tiefen meiner bangen Seele , und in die Not der Gegenwart herüber wuchs die Erinnerung an die weihevolle Stunde , da ich zum ersten Male der Strengen Herrin Flüsterhauch vernahm und die inhaltschweren Bilder ihrer überirdischen Sage schaute : die Forderung der kranken Kreatur , als Löwe durch die Felsenkluft dem Erdental entsteigend , das Himmelsvolk erschreckend und den Schöpfer aus den stolzen Hallen seines herrlichen Palastes scheuchend - und was sich alles sonst im Himmelreiche mit dem Löwen außerdem begeben . Diese Stunde schaute ich wieder , und Sehnsucht stärkte meinen Glauben . » Wohlan , es sei ! So nimm denn auch dies letzte , größte Opfer . Ein Bettler , steh ich dann auf Erden ; ist nichts mein eigen als du und deines Odems flüsternde Verheißung . « Ich riefs und lud mit gramerfülltem Mut den Willen zum entsagenden Entschluß . Da tat mein Herz einen letzten verzweifelten Ansprung : » Und sie selber , die auf dich hofft und wartet ? Willst du sie gleichfalls opfern ? Darf , kann das deine Menschlichkeit ? Erlaubt das dein Gewissen ? « Kleinmütig spannte ich den Willen wieder ab . Das Herz aber fuhr eifrig fort : » Was wird sie fühlen ? was muß sie von dir denken ? welch ein Urteil über dich fällen , wenn du sie verschmähst ? Sie wird dich für einen zaudernden Schwächling halten , zugleich für einen albernen Toren , unfähig , ihren Wert zu erkennen . Das muß sie von dir denken ; und also denkend , wird sie dich verachten . « Unerträgliche Vorstellung ! Das Opfer konnt ich leisten , nicht aber die schimpfliche Mißdeutung des Opfers ertragen , nicht ihre Verachtung auf mich laden . Nun wußte ich nicht mehr aus und ein , denn erschöpft versagte mein müder Geist den schlichtenden Gedanken . Da geschah mir die Erscheinung . Sie selbst erschien mir , Theuda , ihre Seele . Ähnlich wie sie mir einst leiblich in der Parusie erschienen war , nur reifer , ernster , mit tiefsinnigen Augen , so wie sie aus dem neuen Bilde blickte . Aus der Finsternis des Speisezimmers trat sie , von dorther , wo die Turteltauben gurrten , blieb auf der Schwelle stehen und sah mich mit traurigen Augen vorwurfsvoll an : » Warum unterschätzest du mich ? « sprach sie . » Ich ! dich unterschätzen « - schrie ich - » oh , wenn du wüßtest ! « » Doch , du unterschätzest mich « - sagte sie . » Indem du mir eine so kleinliche Gesinnung zutraust , ich wäre fähig , als Hindernis zwischen dich und deinen erhabenen Beruf treten zu wollen . Ja , meinst du denn , nur du allein könnest groß fühlen ? Nur du wärest edel genug , um deines Herzens Opfer zu bringen ? Glaubst du , ich spüre nicht ebensogut wie du den Odem deiner Strengen Frau ? ich vermöchte nicht die stolze Auszeichnung zu würdigen , von ihrem auserwählten Hauptmann zum Sinnbild erhöht zu werden ? ich begriffe und fehlte nicht , daß es unendlich ehrenvoller und beglückender ist , deine gläubige Begleiterin auf der kühnen Bergstraße des Ruhmes zu sein , als deine geschäftige Gattin und Kinderfrau ? Komm , laß uns gemeinsam unsere Herzenswünsche zu den Füßen der Strengen Frau niederlegen , einen edleren Bund vor ihrem Antlitz schließend als den gemeinen Geschlechterbund vor dem Altar der Menschen , den Bund der Schönheit mit der Größe ! Ich will dein Glaube , deine Liebe und dein Trost sein , und du sollst mein Stolz und mein Ruhm sein , der mich erbärmliches vergängliches Geschöpf zum Symbol verklärt , in die Unsterblichkeit hinüberrettet . « - So sprach sie , und voll jubelnden Dankes grüßte ich den Adel ihrer Größe . Darauf taten wir wie beschlossen . Wir legten unsere Herzenswünsche zu unsern Füßen nieder , dann nahm ich den Brautkranz von ihrem Haupt , hernach streifte sie den Ring von meinem Finger , und wir legten es zu dem übrigen . Und als wir nun leer und kahl dastanden , wie zwei Bäume , die sich selbst entblättert hatten , ohne einen anderen Schmuck als die Hoheit der Seele , da rief ich : » Herrin meines Lebens , du meine Strenge Frau ; es ist geschehen ! Schau her , das Opfer , das du heischest , ist vollzogen . « Ihr Odem erschien , und vor dem Schauer ihres Schattens sank meine Geliebte auf die Knie und vergrub zagend ihr Gesicht in meinen Händen . » Wohl dir « , begann die Strenge Frau , » o mein getreuer Hauptmann , daß du recht entschieden ; nimm drum zum Lohne meinen Segen . Dies ist mein Segen : Mit Pathos bist du nun geprägt und mit Größe gestempelt ; ausgezeichnet vor allen , die ohne das schwarze Siegel meiner Berufung ihre Tage dahinstümpern . Ich befehle dir ein Selbstgefühl , das dich in Irrtum und Narrheit , in Schimpf und Mißachtung nicht verläßt , und ich verbiete dir , jemals