, so bin ich überzeugt , wird dieser liebliche Abendstern jener Glanzsonne das Gleichgewicht halten . « » Na , Raden , Sie sind ein Beobachter wie wenige , « versetzte der Professor mit einem Seufzer der Erleichterung , » und es ist mir eine Beruhigung , Sie in dem geselligen Treiben in seiner Nähe zu wissen ; denn da hört meine Tätigkeit auf . Ich war auch einmal jung , lebte aber da in so bescheidenen Verhältnissen , daß das , was ich von Gesellschaft sah , etwas ganz anderes war und nicht zu vergleichen ist mit dem glanzvollen Leben hier . Und selbst als ich daheim meinen Platz an der Universität errungen und dann , durch das Vertrauen der Fürstin-Mutter , zum Lehrer dieses ihres Lieblingssohnes gewählt wurde , blieb ich dem eigentlichen Hof- und Gesellschaftsleben fern . Ich verstehe mich nicht auf diese Ansprache und wünsche nur das eine , daß keine unnütze leidenschaftliche Erregung das schöne Resultat wissenschaftlicher und künstlerischer Bildung störe , das ich von dieser Reise für ihn erhoffte . « Die Herzogin von Santomara hatte recht gehabt : Rosa , die Improvisatrice , war geradezu Mode geworden . Diese vergnügungssüchtige römische Gesellschaft von damals , die aber doch den Reiz von Bildung und Poesie zu schätzen wußte , wenn er dem Vergnügen zu Hilfe kam , war wie bezaubert durch die seltene Gabe des jungen Mädchens , die durch die Grundlage einer sorgfältigen Erziehung und die Anmut der Erscheinung noch unterstützt wurde . Es gab keine Vereinigung , zu der sie nicht eingeladen worden wäre , die geselligen Abende der Arkadia waren gar nicht mehr denkbar ohne eine Improvisation von ihr , und die sonderbare Protektion , deren der geistvolle Kardinal Palombi sie würdigte , bannte auch den ganzen Kreis der vornehmen Prälaten , die einen Hauptteil der Gesellschaft bildeten , in ihren Zauberkreis . Eine minder edle und reine Natur wie die ihre würde unausbleiblich der Eitelkeit und der Koketterie anheimgefallen sein , denn es fehlte auch nicht an bloß persönlichen Huldigungen , die ihrem Liebreiz zuteil wurden , aber sie schwebte , beinahe wie in einer höheren Atmosphäre lebend , über dem allen . Und es war auch so , es war ein unbekanntes Etwas über sie gekommen , das sie sich selbst nicht erklären konnte , das sie aber mit Glück erfüllte und in ihrer Poesie ausströmte . Sie hatte niemanden , der ihr nahestand , dem sie die tiefsten Erregungen ihrer Seele hätte mitteilen können , denn die Amadei war ihr innerlich völlig fremd , ja sie litt oft unter der Vulgarität dieser Natur , aber sie mußte sie dulden , denn sie konnte nach italienischer Sitte bei ihrer Jugend nicht allein bleiben und sie überließ ihr die Besorgung ihrer materiellen Verhältnisse , der nicht unbedeutenden Einnahmen , die ihr mit ihrem wachsenden Ruhme reichlich zuflossen , die sie beinahe wie etwas Unedles , Beschämendes bedrückten , von der Amadei aber mit Eifer empfangen und verwaltet wurden . Durch die Erziehung ihres Vaters war sie an einsames Studium gewöhnt und ihr wissensdurstiger Geist trieb sie fortwährend , für sich zu arbeiten und ihre Bildung zu vervollständigen , somit auch , durch das immer vielseitiger werdende Wissen ihren Improvisationen reicheren Inhalt zu sichern . Aber nach liebevoller Teilnahme und natürlichem Verständnis des Gefühlslebens hatte sie oft tiefe Sehnsucht und es war ganz erklärlich , daß sich nach und nach ein herzliches Verhältnis zwischen ihr und einer Frau bildete , die nicht in ihren Lebenskreis gehörte , aber jenen Instinkt des Herzens besaß , der so oft in den einfachsten Naturen reichlich ersetzt , was höhere Lebensstellung und äußere Vorzüge ihnen versagten . Es war dies jene Vittoria , der wir zu Anfang dieser Erzählung begegneten , eine einfache Frau aus dem Volke , die einen Gemüse- und Fruchtladen unten in demselben Haus , in dem Rosa wohnte , besaß , dem sie allein vorstand , da sie Witwe und kinderlos war . Ihr Laden war , wie sie noch heute häufig sind und damals allgemein waren , ein nach der Straße zu offener kellerartiger Raum , an dessen Eingang die Umrahmung durch das geschmackvolle , fast künstlerische Aufhängen von Gemüsen , Früchten usw. einen überaus anmutigen Straßenschmuck bildet . Rosa kaufte die kleinen Bedürfnisse ihres Haushaltes bei der Witwe unten und diese ließ es sich nicht nehmen , die holde Dichterin mit schönen Blumen zu erfreuen . Sie hatte auch mehrmals Rosa kleine Dienstleistungen und Gefälligkeiten erwiesen und diese hatte Gelegenheit gehabt , den ehrenwerten Charakter der Witwe und ihr allem Schönen zugängliches Gemüt kennenzulernen , so daß sich nach und nach ein beinahe freundschaftliches Verhältnis zwischen ihnen gebildet hatte , das der Amadei oft Anlaß zu spöttischen Bemerkungen gab . Aber Rosa , mutterlos und ohne ein Herz , an das sie sich vertrauend hätte legen können , fand in der einfachen Frau aus dem Volke ein so herzliches Verstehen , wie es oft in den reinen , nicht durch Fremdenverkehr verdorbenen Naturen des italienischen Volkes vorkommt , und so wie schon ihr Äußeres , ihr echt römischer ernster , schöner Typus , sie zur sympathischen Erscheinung machte , so war sie auch gerade für Rosa doppelt anziehend durch das lebendige spontane Empfinden für Poesie , was bei dem Volk in Italien nicht selten ist . Sie hatte mehrere Male Gelegenheit gehabt durch Rosas Vermittlung , diese improvisieren zu hören und empfand eine Begeisterung für das junge Mädchen , die sie zu jedem Opfer bereit gemacht hätte . Mit Stolz sah sie , wie Rosa geehrt und gefeiert wurde und nichts schien ihr zu gut für das vergötterte Wesen . Aber ihre größte Seligkeit bestand darin , daß Rosa ihr erlaubte , ein Abendstündchen bei ihr zuzubringen , wenn sie zu Hause geblieben war , während die Amadei , immer gierig nach Zerstreuungen und Vergnügen haschend , allein in irgendein vulgäres Theater oder zu ähnlicher Unterhaltung gegangen war , und Rosa fühlte sich tausendmal wohler in der Gesellschaft dieser