und Füße . - Mit Recht galt Rudolf Dotzky als einer der hübschesten Männer des an schönen Männererscheinungen nicht armen österreichischen Hochadels . So ungefähr hatte auch der junge Husar ausgesehen , der das Herz der siebzehnjährigen Martha Althaus im Fluge erobert hatte . Die Züge waren jedenfalls ähnlich , jedoch viel durchgeistigter . Und in Sprache und Tonfall hatte Rudolf vieles von seinem Stiefvater angenommen , so waren ihm manche seiner Bewegungen , seine Art zu lachen und ein paar norddeutsch anklingende Redewendungen hängen geblieben . » Ich wollte mit Dir über zwei wichtige Dinge sprechen , Rudolf . « » Auch ich will Dir eine Mitteilung machen . Doch nachher ... Zuerst Du ... « » Also , erstens : Delnitzky hat um Sylvias Hand angehalten . « » Habe mir ' s gedacht . « » Sie liebt ihn und ist entschlossen , ihn zu nehmen . Zwar habe ich mir meinen künftigen Schwiegersohn anders geträumt - was ist Deine Ansicht ? « » Mein Gott , ich kenne den Toni nur wenig ... Ich könnte nichts Übles von ihm sagen , habe auch nie Übles über ihn gehört ... Und wenn sie ihn gern hat - « » Ich halte ihn für oberflächlich , für unfähig , auf die Ideen und Gesinnungen einzugehen , die meine Kinder hegen . « » Vielleicht wird Sylvia ihn beeinflussen - « » Das dacht ' ich im ersten Augenblick auch ... Daß sie für einander schwärmten , bemerkte ich schon lang - besonders seit jenem Jungen-Herren-Ball ... Und Delnitzky ist ja ein lieber , guter Mensch , ein Gentleman ...... Aber seit die Entscheidung gefallen , steigen mir die Zweifel auf ... Meines unvergleichlichen Friedrich Kind ... das gönne ich keinem , der nicht so ist wie er gewesen . ... Aber gibt es einen solchen ? ... Und verlieren werden wir sie ... « » Ich glaube nicht , daß unsere Sylvia sich uns entfremden wird . Wir drei sind mit zu vielen Herzens-und Geistesfasern mit einander verwachsen , als daß uns etwas auseinander reißen könnte . Auch die Ehe nicht ... Sieh mich , zum Beispiel ... « » Ja Du , mein Rudolf ! ... Reden wir jetzt von Dir . Das ist der zweite Gegenstand , den ich auf dem Herzen hatte . Du hast gestern , beim Tauffest , Worte gesprochen , die tiefen Eindruck auf mich gemacht haben - die klangen wie eine geliebte , längstverstummte Stimme - « » Und darum brachst Du in Tränen aus ? ... Was sagte ich ? Ich erinnere mich nicht - « » Desto genauer erinnere ich mich - jedes Wort hat sich mir eingeprägt ... So lange wir uns an die Vergangenheit klammern , werden wir Wilde bleiben - sagtest Du - Aber schon stehen wir an der Pforte einer neuen Zeit - die Blicke sind nach vorwärts gerichtet , alles drängt mächtig zu anderer , zu höherer Gestaltung - schon dämmert die Erkenntnis , daß die Gerechtigkeit als Grundlage alles sozialen Lebens dienen soll und aus dieser Erkenntnis wird die Menschlichkeit erblühen - die Edelmenschlichkeit ... Aber , Rudolf , die Zukunft wird nur eine andere , wenn die Gegenwart zu vorbereitender Handlung ausgenützt wird . Willst Du nicht handeln ? « » Ja , ich will . Das war es eben , was ich Dir mitzuteilen hatte . Was ich vor mir sehe , ist dies : ein Sitz im Abgeordnetenhause . Die Schaffung - vielleicht die Führerschaft einer neuen Partei . Daneben publizistische Tätigkeit ... In Bressers Blatt wird mir allwöchentlich eine Spalte offen stehen - « » Und da wirst Du die Friedens- und Abrüstungsidee vertreten ? Wie mich das beglückt ! Du weißt ja , daß sich eine interparlamentarische Union gebildet hat - da könntest Du im österreichischen Parlament auch eine Gruppe zu bilden trachten - « » Ich habe ein umfassenderes Programm im Sinn . Damit eine große Wandlung angebahnt werden könne , müssen zehn andere große Wandlungen gleichzeitig angestrebt werden . « Martha schüttelte den Kopf . » Gewiß , « sagte sie , » jede Wandlung ist von anderen bedingt , und zieht andere mit sich - ob aber ein Mensch zugleich nach allen verzweigten Richtungen streben soll ? Wo bleibt da die Arbeitsteilung ? « » Es gibt Dinge , die sich nicht teilen lassen , die ein großes Ganzes sind - z.B. eine Weltanschauung . Je mehr ich mich umsehe im ganzen öffentlichen Leben , je deutlicher erkenne ich , daß das , was not tut , eben dies ist : eine neue Weltanschauung - eine neue Orientierung . Nicht Schrauben und Masten sind an dem Schiffe zu ändern , auf daß es besser segele - der Kurs muß ein anderer werden . Denn in seiner jetzigen Richtung gleitet es nach einem Maelstrom , der es in die Tiefe ziehen wird - « » Und Du allein , mein Sohn , willst der Lotse sein , der solche Kurswendung erreicht ? Dein Ehrgeiz ist hoch . « » Ehrgeiz ? « - Rudolf machte eine wegwerfende Handbewegung - » Nein , den hab ' ich nicht . Ich weiß ganz gut , daß das , was man unter Ehren und Würden versteht , nicht auf Pfaden zu holen ist , die man erst aushauen muß - « » Und aus welchem Anlaß hast Du Dich gerade jetzt zum Handeln entschlossen ? « » Mein dreißigstes Jahr ist vollendet - die Lehrlingszeit ist vorüber - und dann , vielleicht auch die gestrige Feier ... Als ich es aussprach , daß wir uns der Söhne und Enkel würdig zeigen müssen , da mahnte mich das Gewissen , daß ich selber noch nichts dazu getan . Wie soll ich hoffen , daß mein Sohn einst meine Arbeit fortsetzt , wenn ich die Aufgabe nicht erfüllt hätte , die ich von meinem Vater übernommen - « » Von Deinem Vater ? - « » Ach , verzeih - meinen