es nicht ! « » So scheine ich deine Hanneh besser zu kennen als du . Sie will nicht , wie andere Frauen des Orientes , nur die willenlose Spielpuppe ihres Mannes sein , die er vor andern Leuten nicht sehen läßt ! « » Spielpuppe ! Sonderbar ! Ganz genau dasselbe sagte sie auch ! Sie fragte mich , ob sie nur mein Dschidschi25 oder meine Kukla26 sei , die kein Mensch sehen dürfe als ich allein . Ja , denke dir , sie drohte mir , nach unserer Rückkehr ein Männerzelt , ein männliches Harem zu bauen und mich da einzusperren , damit mich keine andere Frau betrachten dürfe . Dann sprach sie sogar von einer ganz armseligen Haremswirtschaft , welche eine große und ganz unverzeihliche Beleidigung aller Frauen sei ! « » Da hat sie recht ! « » Recht ? Sihdi , willst du haben , daß Hanneh eine Revolution gegen mich unternimmt ? « » Nein ; ich gebe ihr nur recht ; was sie macht , das ist ihre Sache . « » Ich wollte das , was sie eine Beleidigung aller Frauen nannte , nicht einsehen ; da erklärte sie es mir . « » Und dann begriffst du es ? « » Du scheinst wieder einmal alles vorherzuwissen , ehe ich es dir sage ! Und es ist ja auch wahr : Hanneh , die schönste Blume im Garten meiner Glückseligkeit , hat eine ganz eigene , eine ganz besondere Weise des Erklärens ; sie bringt nämlich keine anderen Gründe , als solche , denen man nicht widerstehen kann . So brachte sie mir auch jetzt zwei Beispiele , mit denen sie mich so überwältigte , daß ich wirklich nicht wußte , was ich weiter sagen sollte . « » Darf ich erfahren , was für Beispiele das waren ? « » Es war die Rose und die Retschina fena27 ; denke dir ! « Ich mußte über diesen kräftigen Vergleich der guten Hanneh unwillkürlich lachen ; da fiel er schnell ein : » Warum lachst du da ? Etwa über mich ? Ich kann doch nicht dafür , daß Hanneh , die Wonne meiner Augen , grad auf diese stinkende Retschina fena gekommen ist ! Sie fragte mich , ob man jemandem eine Rose zeigen dürfe , und ich mußte dies natürlich bejahen . Hierauf wollte sie wissen , ob es die Höflichkeit gestatte , jemandem ein Stück Retschina fena vor die Nase zu halten , und ich verneinte es . Kaum hatte ich das gethan , so warf sie mir vor , daß sie von mir nicht wie eine duftende Rose sondern wie stinkende Retschina fena behandelt werde . Sie behauptete , die Frauen des Orientes würden von ihren Männern genau so eingewickelt , wie man die Retschina fena einwickelt , damit keine Nase von ihr beleidigt werde ; das sei die größte Kränkung , die es geben könne ; das müsse anders werden , denn so eine Entwürdigung des weiblichen Geschlechtes könne unmöglich länger geduldet werden ! Ich sage dir , sie verlangte in ihrem Zorne auch Eisenbahnen und auch Lokomotiven hierher zu uns ; sie wolle sich nicht länger als Retschina fena behandeln lassen sondern auch im Wagen sitzen wie die Frauen des Abendlandes , die keine Puppen sondern Herrinnen seien und ganz dieselben Rechte wie ihre Männer hätten ! Denke dir , Rechte ! Meine Hanneh , die schönste , die ruhigste , die sanfteste , die geduldigste , die liebenswürdigste aller Liebenswürdigkeiten , sprach von Rechten , von denselben Rechten , wie die Männer haben ! Ist das nicht unerhört ? « » Nein . « » Nicht ? Wie denn ? « » Ich halte es für selbstverständlich , nicht für unerhört . « » Aber was soll daraus werden , wenn die Frauen nicht mehr so zurückgehalten werden , wie es jetzt geschieht ? « » Zurückhalten ? Meinst du vielleicht , daß sie dann wie wilde Tiere über uns herfallen , um uns zu verschlingen ? « » Nein ; du mußt nicht gleich das Allerschlimmste sagen . Ich war aber der Ansicht , daß man ihnen sehr enge Grenzen ziehen muß . « » Welche Grenzen zum Beispiel ? « » Es muß ihnen verboten sein , auszugehen , sobald es dunkel ist ! « » Gut ; weiter ! « » Sie müssen es vermeiden , mit einem Manne , der nicht ihr Mann ist , allein zu sein . « » Das verlangst du im vollen Ernste ? « » Jawohl ! In dieser Beziehung verstehe ich keinen Spaß . Gegen eine Frau , welche diese Gesetze übertritt , muß man sich genau so wie der Padischah gegen seinen Harem verhalten ! « » Wie ? « » Er läßt solche Frauen in einen Sack binden und in das tiefste Wasser werfen . « » Wirklich ? « » Ja , das thut er , und ich sage , daß dies ganz richtig von ihm ist ! « » Lieber Halef , hast du vielleicht einen Sack mit ? « » Ja , mehrere , für die Pferdedatteln . « » Sind sie groß genug , eine Frau hineinzustecken ? « » Nein . « » Schade , jammerschade ! « » Warum ? « » Wir hätten deine Hanneh in einen solchen Sack gesteckt und in das erste Wasser geworfen , welches wir antreffen . « » Meine Hanneh ? Die allernotwendigste Notwendigkeit zum Glücke meines Erdenlebens ? « fragte er erstaunt . » Leider ! « nickte ich sehr ernst . » Sie in einen Sack stecken ? « » Ja . « » Und in das Wasser werfen ? « » In die tiefste Stelle sogar ! « » Warum ? Sag schnell , warum ? « » Weil sie gegen die beiden Gesetze gehandelt hat , welche du vorhin aufstelltest . « » Du scherzest , Effendi , du scherzest ! « » Nein . Ich