Dem großen Gelehrten treten Wuttränen ins Auge . Er stöhnt laut - erschrickt dann und spricht zu sich selbst - leise - mit knirschenden Zähnen : » Jetzt werden sie kommen und mich höhnen ! Der Mond ist hell - er steht hinter mir - hinter den Bäumen und lacht ! Bei Allah ! Ich verstehs nicht ! Ich versteh nichts ! Wir können - garnichts ! Nur die Esel bilden sich ein , was zu können ! Wenn ich nur Etwas vollbracht hätte - nur Etwas ! Aber - mir ward es versagt ! Ich habe gearbeitet wie ein Steinträger und nichts dafür errungen - nichts ! Ich bin nur einsam geworden . Kein Freund tröstet mich - kein Freund ! Ich hab allein meine Qual zu tragen - allein ! « Und er stöhnt wieder und atmet hastig - mit der Linken fährt er sich über die nassen Augen . Er blickt nach rechts - er wartet auf seine Barke . Doch die Barke kommt nicht . » Heute kommt garnichts « , murmelt er Zähne knirschend . Seine schwarzen Sklaven stehen mit Pechfackeln am Strande . Das Schilf wird grell beleuchtet . Von der Seite , von der Battanys Barke kommen soll , kommt nichts . Aber auf der andren Seite werden nun vier grüne Lampen sichtbar - es nahen sehr rasch vier große Boote , auf denen sehr laut gelärmt wird . Battany horcht und will zum Ufer zurück - er kennt die Stimmen , die da in den vier Booten lärmen . Die Tofailys nahen . Doch Battany besinnt sich und bleibt trotzig stehen . Die Tofailys sind tolles Volk - sie bilden Bagdads berüchtigte Prassergilde . Schlemmer sind die Tofailys . Aber sie schlemmen nicht auf eigene Kosten - sie lassen sich immer einladen . Geld besitzen die Tofailys fast niemals - aber betrunken sind die Tofailys fast immer - auch jetzt . Battany stampft zornig mit dem Fuß auf , daß der Brettersteg poltert und wackelt , denn am Ufer erscheinen grade seine sieben Freunde - Kodama und Abu Maschar an der Spitze . Ein Zusammenstoß mit den Tofailys ist unvermeidlich . Auf dem größten der vier Boote steht der alte bucklige Dichter Al Rumy - der hat den Al Battany schon gesehen , ruft ihm gleich höhnisch zu : » Mondprophet ! Die Halbmonde wollen ja nicht so , wie Du willst ! Laß den Glanz Deiner Goldstücke heller strahlen , dann werden die Halbmonde sich eher verdunkeln lassen ! Halbmondprophet ! Du Lichtfeind ! « Da - im Handumdrehen - blitzt Battanys krummer Säbel drohend über seiner indischen Mütze . Und - wie natürlich - blitzen auf den Booten der Tofailys sofort ebenfalls die Säbel . Der bucklige Al Rumy holt sein grades Schwert langsam und lachend hervor und deutet mit der Spitze des graden Schwertes tückisch auf den Astronomen . Die Tofailys sind nur noch wenige Schritte vom Brettersteg entfernt . Die Zahl der auf den vier Booten aufleuchtenden Klingen ist nicht allzu groß ; die meisten Tofailys haben ihre Säbel in den Weinkneipen der Stadt als Pfand hinterlassen - versetzt - was in Bagdad sehr häufig vorzukommen pflegt . Indeß - Battany ist fast allein . Die schwarzen Sklaven mit ihren Pechfackeln schreien nur , sind nicht sehr tapfer . Battanys Freunde sind gleichfalls ihrer Tapferkeit wegen nicht berühmt - nur Safur läuft auf den Steg , zieht seinen langen Dolch und hält diesen wie einen kleinen Speer wurfbereit . Der Kampf erscheint unvermeidlich . Doch da - plötzlich - spritzt das Wasser am Ufer hoch auf . Unverständliche Flüche schallen durch die Luft - und zwei schnaubende schwarze Hengste schäumen in den Tigris hinein . Auf den Hengsten sitzen die beiden Mongolen ; wild funkeln ihre Augen . Die Spitzen der langen Lanzen blitzen im grellen Fackellicht - ganz hoch in der Luft . Und im selben Nu verschwinden die Säbel der Tofailys . Die betrunkenen Prasser springen danach lachend , als wenn garnichts los wäre , aus den Booten raus , patschen durchs Wasser zum Ufer - oder klettern auf den Brettersteg . Torkelnd und johlend ziehen die Betrunknen die Kähne ans Land . Die Mongolen senken die Lanzen und sehen zu - reiten dann gemächlich an den Strand zurück . Die Tofailys sind nicht Bagdads Dummköpfe - im Gegenteil - Gelehrte und Dichter sinds zumeist . Der junge Geograph Hamadany ist zum Beispiel ein sehr gescheiter Mann - und dennoch hat er wieder viel zuviel getrunken ; bewußtlos liegt er in dem einen Kahn , sein Kopf hängt laut schnarchend hintenüber . Die Schiffer haben große Mühe , die schlaffen Glieder des Trunkenbolds ans Land zu schleppen . Die Weinschläuche der Tofailys sind fast sämtlich leer . Ein paar jüngere Weinhändler zanken sich deshalb - denn sie wollen voneinander erfahren , wer von ihnen die fernerhin noch für die Gesellschaft nötigen Schläuche beschaffen wird . Ein derartiger Zank dauert immer sehr lange . Währenddem höhnt ein Krämer den Safur , meint so leichthin : » Na , Freundchen ! Hat Dir auch Deine Tarub , Bagdads berühmte Köchin , wieder ein paar Pasteten in die Tasche gesteckt ? Gib mir was ab ! Ich hab Hunger ! « Safur dreht sich um - nach der andren Seite . Battanys Barke ist endlich angekommen . Osman und Kodama sind die Ersten , die in den schönen langen Kahn steigen . Jakuby und Suleiman folgen gleich dem Beispiel der Dicken - sind aber nicht so sicher wie diese in den Arm- und Beinbewegungen . Abu Hischam und Abu Maschar sprechen so eifrig , daß sie erst von Safur zum Einsteigen aufgefordert werden müssen . Wie diese letzten Drei im Kahne Platz gefunden , überreichen die schwarzen Sklaven die Fackeln den Ruderern , heben den Battany sehr gewandt auch ins Boot und stoßen das Fahrzeug in den Strom hinein . Die Tofailys lärmen wieder lauter . Der Dichter Buchtury rennt jetzt mit einem halben Dutzend verrufener Tänzerinnen auf den