? Ihren Willen ? Aber die ließen sie aus Angst vor der bloßen Zumutung eines Unrechts schmählich im Stiche . Wie kams nur , daß eine Frau allein - Thaten sich die Damen der Frauenbefreiung deshalb auch immer in Rudeln zusammen , weil sie das Alleingehen , -Stehen , -Handeln fürchteten ? Mit Vor- und Nachtrab war es sicherer , für eine Idee zu kämpfen . Hildegard lief unter den Bäumen des Tiergartens dahin , als ihr diese Gedanken kamen . Jetzt , wo sie keinen Haushalt zu versorgen hatte , und nicht mehr das stumme Gesicht ihres Mannes vor sich sah , das so laut redete , wo keine Freundinnen ihr die Zeit zu stehlen kamen , mußte sie notwendigerweise auf allerlei Ideen kommen , die ihr früher ferne gelegen hatten . Ihre hauptsächliche Sehnsucht ging jetzt dahin , eine Gesinnungsgenossin zu finden , mit der sie zusammen wohnen konnte , um des trübseligen Alleinstehens , all der Verantwortlichkeiten enthoben zu sein , die eine für sich gehende Frau auf sich nimmt . Nun , es würde sich hoffentlich noch alles nach ihrem Wunsche fügen . War es doch bisher auch so gewesen . Viel ruhiger , als die Tage vorher , ging sie diesen Abend nach Hause . Sie wachte sogar noch , als Fräulein Schulze heimkam , und sagte ihr guten Abend . Sie hatte das Bedürfnis , auf das viele Grübeln und Denken mit einem Menschen ein paar Worte zu reden . » Das ist nett « sagte die Directrice und schüttelte ihr die Hand , » na , schon etwas gefunden ? « » Noch nicht , aber bald « meinte Hildegard . » Ja wenn Sie praktisch wären , aber - na . Sie sind jung und schön und mit der Stellung ist es Ihnen wohl nicht so bitterer Ernst ? « Hildegard fühlte heißes Rot ihre Wangen bedecken . Sie wollte ein hochfahrendes Wort erwidern , besann sich aber . Weshalb hatte sie sich mit dieser Dame in solche Vertraulichkeiten eingelassen , nun durfte sie darüber nicht erzürnen . » Was meinen Sie denn , was ich thun sollte , wenn ich praktisch wäre ? « fragte sie mit leiser Ironie . Fräulein Schulze tupfte sich etwas Puder auf ihre rötliche Nase . » Vor allem würde ich mir an Ihrer Stelle ein Unterkommen in einem großen Konfektionshause suchen . Da sieht man und wird gesehen . Da macht man Bekanntschaften , und niemand kann einen Stein auf einen werfen , denn man hat ja eine Stellung . Na - wenn Sie mich nicht verstehn , thut ' s mir leid . Ich bin praktisch . War ' s all meiner Lebtage . Ich bitte Sie , wer hilft denn einer Frau , wenn sie alt ist ? Keiner . Deshalb muß man , so lange man jung ist , zuschauen , sich etwas zurückzulegen . Ich jedenfalls bin immer fürs Praktische . « Hildegard lächelte etwas gezwungen zu diesen ihr nicht ganz klaren Auseinandersetzungen und zog sich bald zurück . Es ist ja wahr , dachte sie bei sich , eine Frau , die sich allein ernährt , verdient alle Achtung , aber ob Fräulein Schulze das wirklich that ? War sie wirklich so praktisch ? Hildegard wußte nicht recht was , aber etwas in dem grauen gutmütigen Gesichte ihrer Hauswirtin ließ sie nicht recht an deren praktischen Sinn glauben . Es lag irgendwo in ihren Zügen ein Leichtsinn versteckt , ein über vieles Hinweggleiten , das Hildegard nicht gefiel . Sie schlief gut , von dem frohen Gedanken eingewiegt , daß in zwei Tagen Sonnabend war , an dem sie mit angenehmen Menschen zusammenkommen würde . 5 Obwohl Hildegard sehr sparsam lebte und unnötige Geldausgaben scheute , entdeckte sie doch bald eine bedenkliche Ebbe in ihrer Börse . Das Essen in den Restaurationen kostete viel , das oftmalige Pferdebahnfahren verschlang auch täglich ein Sümmchen . Ein leises Angstgefühl beschlich sie . Was thun , wenn das letzte Geldstück verausgabt war ? Ihren Mann konnte sie doch nicht mitten im Monat um Geld schreiben . War es ihr doch schon bitter genug , am Ersten wieder seine Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen . Nun , Frau von Werdern mußte um jeden Preis Rat schaffen . Sie mußte . War es doch auch ihre eigene Sache , die Hildegard vertrat . Sonnabend Abend klingelte sie nicht ohne Herzklopfen bei der Vorsitzenden an . Sie wurde in einen Salon geführt , in dem schon einige Damen anwesend waren . Frau von Werdern nahm sie freundlich an der Hand und stellte sie ihren Bekannten vor . Man war sehr liebenswürdig gegen sie . Einige Damen begannen gleichzeitig ein Gespräch mit ihr , so daß sie bald links , bald rechts antworten mußte und schließlich in Verwirrung geriet . Dann wurde Thee herumgereicht . Frau von Werdern verlas einige Briefe von auswärtigen Gesinnungsgenossinnen , die mit großem Jubel von der Gesellschaft aufgenommen wurden . Man sprach von Frau X. und Frau Y. , die Hildegard unbekannt waren . Dann begann ein allgemeines Durcheinanderreden . In Frau Wallner begann sich leise Ungeduld zu regen . Wozu war sie eigentlich hergekommen ? Die Fragen , die man vorhin an sie gerichtet hatte , waren nur Fragen der Neugierde gewesen . » Sie sind aus Konstanz ? « » Ist ' s schön in Konstanz ? « » Gefällt es Ihnen in Berlin ? « » Haben Sie eine gute Wohnung gefunden ? « und so weiter . Wirkliche Teilnahme hatte aus keiner geklungen . Und gerade ihrer bedurfte Hildegard so sehr . Aber abgesehen davon , auch ihre ganze Lage ließ keine große Wartezeit zu . Frau von Werdern war von einem Ring hastig auf sie einredender Frauen umgeben . Mit ihr war heute wohl nicht zu reden . So wandte sich Hildegard mit einer beiläufigen Frage an die neben ihr sitzende Dame . » Verzeihen Sie , gnädige Frau , « begann sie , » giebts