Etwas Schwillendes ist in ihm , etwas , das sich nur mit diesem unsagbaren Gefühle unterm Katheder vergleichen läßt . Und er hütet das Geheimnis dieses Schwillens mit demselben Gefühle von Scham , wie das Geheimnis seines Abenteuers mit Josephine . Vielleicht sind diese beiden Geheimnisse nur eines ? Vielleicht ist es nur der Biß in den verbotenen Apfel der Erkenntnis ? Aber er hat an diesem Apfel doch fürs erste nur geleckt , wenn auch zugegeben werden muß , daß er eine unbestimmte Lust empfindet , nun auch hineinzubeißen . Nein , man kann nicht sagen daß Josephine und die Verse ein und dasselbe sind . Es sind zwei Offenbarungen auf einmal , von denen die eine die andre mit sich gebracht hat , und sie sind , obwohl sie scheinbar dieselben Erscheinungen zur Folge haben , doch verschieden von einander . Daß sie einander auch feindlich sein können , wird gerade dieses Leben Stilpes beweisen . Der Teufel zieht gerne Unterröcke an . Das wissen wir aus der Geschichte mancher heiligen Männer . Manchmal hat er aber auch ein » hölzin Röcklin « an und » liegt beim Wirt im Keller « . Es giebt ein paar lehrreiche Seiten der Literaturgeschichte , wo sich Belege dafür finden . Heilige und Dichter haben mehr mit dem Teufel zu thun , als gute Christen und schwärmerische junge Mädchen glauben . Wer nicht mit allerhand Teufeln den Tanz bestanden hat , kann weder ein Gloriole noch den Lorbeerkranz erhalten . Und die Teufel , die allerhand Teufel , - es ist erstaunlich , was sie tanzen können . Zu Anfang wissen sie so sanfte zu walzen , und es geht lieblich dahin mit ihnen , aber auf einmal ist der Wirbel da , der in den Höllentrichter fegt . Guter Gott , ich schreibe doch keine Dämonologie ! Aber mein Held will ( oh Willibald ! ) Dichter werden . Der kleine Willibald schied sich jetzt von seinen Kameraden noch mehr ab , als früher . Einesteils fühlte er sich hoch erhaben über sie , und andernteils hatte er Furcht vor ihnen . Er empfand , daß es keinen unter ihnen gäbe , dem er seine Geheimnisse verraten dürfte , ohne furchtbar ausgelacht zu werden , und er hätte auch keinen für würdig gehalten , sein Mitwisser zu sein . Auch war er viel zu sehr mit sich beschäftigt , als daß er Lust hätte haben können , sich an sie anzuschließen . Er fing an , mit sich zu phantasieren . In den Schul-und Arbeitsstunden sowohl wie in der freien Zeit ließ er seine Gedanken nach unbekannten Dingen fliegen und machte groteske Ungetüme von Versen daraus . Nebstbei fing er auch an , auf alles Gedruckte zu fahnden , was kein Schulbuch war . Der Hauptinhalt all seiner Phantasien war aber Buschkleppers Josephine . Er trug die Wärme von ihr , die er unterm Katheder gefühlt hatte , mit sich herum , und zuweilen war es ihm , wie wenn er in einer lauen Wolke ginge . Manchmal mußte er die Augen zumachen , so stark überkam es ihn . Wenn er sie nur einmal sehen könnte , ihr ein Zeichen geben , dachte er sich . Aber es schien , als ob sie gar nicht mehr da wäre . Jede Minute , die er allein sein konnte , verwandte er darauf , ihr aufzulauern . Es war im Herbst , und so durfte er hoffen , sie einmal im Lehrergarten zu sehen , der , in verschiedene Parzellen geteilt , für jeden Lehrer ein Sondergärtchen enthielt . Aber immer war es nur der alte Buschklepper in seinem grauen Ziegenbarte , den er botanisierend dort wandeln sah , oder die Frau Buschklepperin , von der unter den Jungen die Rede ging , sie prügele ihren Mann jede Woche mindestens einmal . Das machte sie unter den Jungens zwar sehr beliebt , aber für Willibalds Zwecke genügte es doch nicht . Etwa vier Wochen lang lauerte Willibald auf Josephine , da kam wieder so ein Selektanerabend , der mit des Direktors Kegelvergnügen zusammenfiel . Diesmal waren Alkohol und Nikotin in den Hintergrund gedrängt durch ein großes und heroisches Unternehmen . Einer von den Großen hatte sich den Schlüssel zur Küche verschafft , neben der ein Keller voll Äpfel lag . Und es war die Losung verteilt worden , daß jeder Selektaner seinen Reisekoffer bereit halten sollte zu einem Raubzuge auf diese Äpfel . Nur ein paar Strunks waren ausgewählt , Postendienste zu leisten . Es war ein Beweis für das Vertrauen , das man Willibald entgegenbrachte , daß auch er der Vorpostenkette eingereiht wurde . Der Postenkommandant aber war Fliczek . Er hatte sich zwar dagegen gewehrt und das verantwortungsvolle Amt durchaus nicht annehmen wollen , aber die übrigen Großen hatten ihn beim Ehrenpunkte gefaßt und erklärt , er , als der Schlaueste , müsse unbedingt die Posten leiten , wenn er nicht für einen elenden Feigling gehalten sein wollte . So rückten die Posten , Fliczek an der Spitze , aus . Leise , auf den Zehenspitzen , obwohl dies eigentlich nicht nötig war , schlich man durch die langen dunkeln Corridore , dann ging es eine enge Treppe hinunter in das Souterrain , und von hier aus sollte der Küchenbau umstellt und eine Spähspitze bis vor an das Direktorhaus gesandt werden . Fliczek verteilte die Posten , Willibald behielt er zurück . - Du mußt bis ans Direktorhaus , Stilpe . Ich gehe an Buschkleppern seins . Wenn alles ruhig ist , pfeifst Du , daß Rille in die Classe läuft und die Andern ruft . Wenn der Direktor kommt , klatschst Du und reißt aus . - Was willst Du denn an Buschkleppern sei ' m Haus ? Da kommt doch niemand her ! ? Halt ' n Rand und mach , was ich Dir gesagt habe . Willibald ging über den Hof geradeaus und hörte , wie sich Fliczek nach links entfernte . Was wollte der zum