? « » Oh heaven , und mein Mann ! « ächzte Mistress Trotzendorff ; doch da zuckte die Doktorin Andres nur die Achseln und meinte ablehnend : » Die Hauptsache ist jetzt Hartleben mit seiner Drohung für dich , Agathe . « » Der Grobian ! Der unverschämte Mensch ! « wimmerte die Exmillionärin vom New-Yorker Breiten Weg . » O wenn doch mein Mann hier wäre ! « » Nun , nun « , meinte Veltens Mutter , » der würde uns wohl nicht viel helfen . Jawohl , grob war er , der gute Nachbar , und recht hätte er eigentlich wohl , Ernst zu machen und dich mit deinem armen Würmchen auf die Gasse zu setzen . Velten , Velten , was habt ihr angerichtet ! « » Puh « , rief aber jetzt Andres der Jüngere , die umwickelten Hände erhebend und wie ein kranker Affe grinsend , » da ist doch mein Vater noch ! « » Dein Vater , dein armer seliger Vater ? « stammelte Frau Amalie . » Hat der etwa nicht dem Nachbar Hartleben und seiner Frau und seiner Schwiegermutter ein halb dutzendmal das Leben gerettet ? Hat er ihn nicht wieder zurechtgebracht , als das Wagenrad über ihn weggegangen war ? Und hat Hartleben dir nicht geschworen , Mutter , du solltest nicht bloß deinetwegen , sondern auch wegen meines Vaters zu jeder Stunde bei Tage und bei Nacht bei ihm anklopfen , wenn du was von ihm brauchtest ? Und hat er dir nicht zugeschworen , wenn er dich nötig hätte , käme er auch zu dir , und du solltest immer das letzte und beste Wort bei ihm haben und dafür bedankt sein ? « » Man muß die Güte der Menschen aber auch nicht zu sehr in Anspruch nehmen , Kind « , lächelte die Nachbarin Andres trotz aller Aufregung und Sorge des Tages . » Soll das etwa wieder ein Stich auf mich sein , Amalie ? « fragte die Nachbarin Trotzendorff , ihr Taschentuch in Bereitschaft setzend und im Begriff , ihren fragbedenklichen Lebensjammer der Schlechtigkeit und Bosheit der Welt überhaupt und also auch der Mutter Veltens aufzuladen . » Da kommt Herr Hartleben und bringt Lenchen ! « Ich war ' s , der vom Fenster her dieses erlösende Wort in diese » Gesellschaft am Krankenlager « warf , und es war der Kranke , der aufsprang und gegen die Tür lief , und zwar mit den Worten : » Was schreit es denn so ? ... Wenn Herr Hartleben ihm - « Er kam nicht zum Schluß seiner Rede . Hartleben hatte » ihm « , das heißt dieser anderen jungen Sünderin nicht ihren Lohn dahin aufgezahlt , wohin er von Rechts wegen gehörte , er zog nur die » widerborstige Range « am Arm hinter sich her durch den Garten und trat mit ihr jetzt ins Haus und in die Stube und sagte , ohne sich um seine Madam Trotzendorff im geringsten zu kümmern : » Sehen Sie doch mal nach , Frau Doktern . Ich meine , sie hat auch eine häßliche Brandwunde am Ellbogen . Ich habe sie oben am Osterberge mit dem Gesicht im Grase und mit dem Arm im feuchten , kühlen Erdboden und Moose begraben gefunden . Ich war wegen einer Holzabfuhr da oben und bin dem verbissenen Geschluchze seitwärts in den Busch nachgegangen . Ist das eine Komödie ! Ist das eine Schwefelbande ! Na , nu fangen Sie nur nicht auch an zu schluchzen , Madam - Mistress Trotzendorff . Lieber Gott , Frau Doktern , und nun fangen auch Sie noch an , den alten Hartleben wehleidig anzusehen ! Ja , das ist recht , sehen Sie erst nach dem Kinde . Nicht wahr , eine arge Brandblase . Und damit in den Wald laufen , so weit als möglich von den Menschen weg . Je ärger der Schmerz , desto dickköpfiger die Verstockung , der Trotz und Eigensinn . Na , na , die beiden passen zusammen , Frau Doktern , Ihr Junge und dies kuriose Geschöpfe , unser Lenchen Trotzendorff . Ich sage nichts , aber wenn diese zwei sich durch die Jahre und in der Nachbarschaft noch näher aneinander heranspielen , so gibt das mal ' nen Haushalt mit Mord und Totschlag . « » Ich bin nicht trotzig ! Ich bin nicht eigensinnig ! Ich ging nur auf den Osterberg hinauf , weil Velten wieder alles allein für sich haben wollte und den Großartigen spielen . Mir tat es so weh , mir tat es weher als wie ihm . Karlchen weiß es , wie er ist , und ich will mich nicht von euch allen eine Heultrine schimpfen lassen ! « weinte , schluchzte unter wahrem Tränenstrome Helene Trotzendorff jetzt unter den Händen der beiden Mütter . Das heißt , eigentlich nur unter den Händen der Nachbarin Andres ; denn die Nachbarin Trotzendorff konnte Verwundungen nicht gut ansehen , geschweige denn hülfebringend fest und kräftig anrühren . Das Kind stand große Schmerzen aus ; aber es behielt während des Verbandes den Unheilskameraden im Auge und rief , mit dem Fuße aufstampfend : » Ja , gucke nur . Bilde dir nur nichts drauf ein , dummer Junge , daß du ein Junge bist . Und wenn uns Herr Hartleben jetzt deiner Dummheit wegen aus dem Hause wirft , so will ich auch allein schuld daran sein und gehe wieder in die Welt und nach Amerika und suche meinen Papa . Nicht wahr , Ma , und wenn wir den gefunden haben , dann können wir wieder auf den Vogelsang aus unserer eigenen Kutsche heruntersehen ? « » Nun höre einer ! Höre sie einer ! « brummte Hartleben . » Und was schwatzt der kleine Racker von mir und dem , was ich tun werde oder nicht ? Aber da sie denn einmal die Rede auf die Sache gebracht hat , so wollen wir auch bei ihr bleiben