. Die Sache mochte ihm nun doch etwas sonderbar erscheinen , denn Kitty lachte , daß ihr die Tränen kamen . » Köstlich ! Aber wie sind Sie denn zu diesem Bild gekommen ? « » Ich machte vor einigen Tagen eine Bergpartie , und da ist mir der Alte in der Nähe einer Sennhütte in den Weg gelaufen . Er stach mir gleich in die Augen , und so bat ich ihn , mir eine Stunde zu sitzen . « » Und das hat er getan ? « » Natürlich ! Er schien riesig geschmeichelt , als ich ihn Herr Förster titulierte . Und er wußte wohl auch , daß ich es nicht umsonst verlangte . « Kitty schien von einer Ekstase heiterer Laune befallen . » Und Sie wissen nicht , wer das ist ? Wirklich nicht ? « Vor Lachen vermochte sie kaum weiterzusprechen . » Das ist doch mein Papa ! « Forbeck trat verblüfft zurück . Er begriff nicht . Wie kam dieser alte » Waldbär « - vielleicht war er doch kein gewöhnlicher Waldaufseher , wie sein Äußeres vermuten ließ , sondern wirklich ein wohlbestallter Förster - aber wie kam ein schlichter Förster zu einer solchen Tochter mit diesem zierlichen Wuchs und diesem holden Gesichtchen - und noch mehr : zu einer Tochter in so vornehm gewählter Kleidung , mit schwedischen Handschuhen und dem eleganten Schuhwerk . Dieses Kleid und was dazu gehörte - das wog den halben Jahresverdienst eines Försters auf ! Da schoß ihm der Gedanke durch den Kopf : eine Theaterprinzessin ? Er wußte nicht , warum er diesen Gedanken so unangenehm empfand , fast wie einen Schmerz . Aber nein ! Er durfte nur in diese strahlenden Augen blicken , auf diesen kindlichen Mund , um den sinnlosen Einfall wieder zu verwerfen . Dadurch wurde die Sache für ihn noch unbegreiflicher . Der alte » Waldbär « , den er dort oben gefunden - der war echt ! An dem war nicht zu zweifeln ! Das Rätsel war dieses Mädchen . Schon wollte Forbeck eine Frage stellen , da ließen sich vor der Klause hastige Schritte vernehmen . Es wurde finster in der Tür , und Gundi Kleesberg stolperte über die Schwelle . » Kitty - « Nun sah sie den jungen Maler - das Licht des Fensters fiel hell auf sein Gesicht - und Gundi Kleesberg taumelte an die Wand , erschrocken wie vor dem Anblick eines Gespenstes . Verwundert blickte Forbeck auf die ihm fremde Dame , und Kitty stellte ihr Lachen ein . » Tantchen ? Was ist dir ? « Gundi Kleesberg schien sich zu erholen . » Aber so sprich doch ! Was ist dir ? « » Nichts , nichts ! Wer ist - dieser Herr ? « » Herr Maler Forbeck ! « stammelte Kitty , während der junge Mann sich verbeugte . Um über den unbehaglichen Augenblick hinüberzukommen , faßte Kitty das Skizzenbuch . » Tante Gundi , ich muß dir was zeigen , was Herr Forbeck gezeichnet hat , du wirst Augen machen - « Die Kleesberg hatte beim Klang dieses Namens , den sie noch nie in ihrem Leben gehört , erleichtert aufgeatmet . Scheu ließ sie die Augen an dem jungen Mann emporgleiten und schüttelte den Kopf . » Tantchen , sieh doch ! « Beim Klang dieser Stimme war Gundi Kleesberg plötzlich ihrer Stimme mächtig . Mit dem Zorn einer Furie schoß sie auf Kitty zu , umklammerte ihre Hand und schüttelte sie , daß das Skizzenbuch zu Boden fiel . » Laß das ! Und komm ! Das ist kein Ort für dich ! « Über Forbecks Gesicht flog brennende Röte . Dann hob er schweigend das Buch von der Erde . » Aber Tante ? « stammelte Kitty verlegen . » Komm ! « In ungestümer Hast zog die Kleesberg das junge Mädchen zur Tür hinaus . Kitty Lippen zuckten . » Aber Tante Gundi ! Herr Forbeck - « » Komm ! « Gundi Kleesberg hielt fest und suchte so schnell als möglich aus der Nähe der Klause zu kommen . » Aber Tante , ich bitte dich ! Herr Forbeck hat mich doch gerettet ! Was muß er denken von mir ! « » Komm nur ! « Tante Gundi schlug einen bei ihrer Schwerfälligkeit überraschenden Sturmschritt an . Das Staunen machte Kitty verstummen . Seit jenem Tag , an welchem Adelgunde von Kleesberg aus dem Stift gekommen war , um sich in eine sehr weitschichtige » Tante « zu verwandeln und die Obhut über das junge mutterlose Mädchen zu übernehmen - seit jenem Tage bis zu dieser Stunde hätte Kitty niemals ahnen mögen , daß in diesem » fleischgewordenen Schaukelstuhl « - wie Graf Egge das alte Fräulein getauft hatte - eine so wieselflinke Beweglichkeit verborgen läge . Kitty meinte ein Wunder zu sehen . Halb schmollend , halb lachend , ließ sie sich von Tante Gundi weiterziehen . Einmal blickte sie wohl über die Schulter zurück , aber die Klause war schon hinter der Felswand verschwunden . Da kam auch Franzl vom Seeufer hergelaufen und rief : » Ich hab a Schiffl ! « » Gott sei Dank ! « Gundi Kleesberg verhielt den stürmischen Schritt . Ihre Kräfte waren zu Ende . 3 Langsam glitt der Nachen über den stillen See , der unter den sinkenden Schatten des Abends in tiefgrünen Farben spielte . Hinter dem Schifflein lagen die den halben See umziehenden Berge mit ihren schwarzen Fichtenwäldern , mit den grauen Wänden und den grünen Almen in der Höhe , auf denen noch helle Sonne lag . Am Ufer , dem der Nachen entgegensteuerte , sah man einen belebten Gasthof und eine Reihe weißer Villen , aus deren einer die Solfeggien einer herrlichen Altstimme und die Töne eines Flügels erklangen . Hinter den roten Dächern der Villen dehnte sich ein welliges Gelände mit den zerstreuten Häuschen und Gehöften des Dorfes . An ihre Gärten schloß sich , von einer roten