doch eigentlich ein Wunder , daß es noch immer so gegangen ist . « » Ja , Mutter , das ist es ja gerade ; da steckt ja gerade die Hoffnung , und ich muß beinahe sagen die Zuversicht . Wenn das Wunder gestern war , warum soll es nicht auch heute sein oder morgen oder übermorgen . « » Das klingt ganz gut , aber es ist doch nicht richtig . Sich zu Wunder und Gnade so stellen , als ob alles so sein müßte , das verdrießt den , der all die Gnade gibt , und er versagt sie zuletzt . Was Gott von uns verlangt , das ist nicht bloß so hinnehmen und dafür danken ( und oft oberflächlich genug ) , er will auch , daß wir uns die Gnadenschaft verdienen oder wenigstens uns ihrer würdig zeigen und immer im Auge haben , nicht was so vielleicht durch Wunderwege geschehen kann , sondern was nach Vernunft und Rechnung und Wahrscheinlichkeit geschehen muß . Und auf solchem Rechnen steht dann ein Segen . « » Ach , Mama , ich rechne ja immerzu . « » Ja , du rechnest immerzu , freilich , aber du rechnest nachher , statt vorher . Du rechnest , wenn es zu spät ist , wenn du bis über den Kopf drinsteckst , und dann willst du dich herausrechnen und rechnest dich bloß immer tiefer hinein . Was dir nicht paßt , das siehst du nicht , willst du nicht sehen , und was dir schmeichelt und gefällt , daraus machst du Wahrscheinlichkeiten . Die Menschen haben so viel für uns getan , auch für dich , und nun , mein ich , heißt es : Hilf dir selber . Immer bloß wir sind ja die Poggenpuhls , damit machen wir uns bloß bedrücklich , und zuletzt sind wir Querulanten , was ich doch nicht erleben möchte . « » Davon sind wir weitab , Mama . « » Nicht so weit , wie du denkst . Onkel Eberhard , der ein sehr feiner und sehr gütiger Mann ist , ich muß ihn wirklich einen echten Edelmann nennen , wird allmählich auch reserviert und ungeduldig . Er sagt es nicht geradeheraus , weil er eben gütig ist , aber es steht doch leise zwischen den Zeilen . « » Ja , der Onkel , der alte Streitpunkt . Ich bitte dich , Mama , er tut aber doch auch wirklich zu wenig und alles so bloß um Gottes willen , und er müßte doch eigentlich denken : Ich habe meine Zeit gehabt , nun sind die andern dran . Er gibt wohl dann und wann , gewiß , aber was er so auf dem Familienaltar opfert , steht in keinem rechten Verhältnis , weder zu seinen Einnahmen noch zu seinen Ermahnungen . Er könnte sich kürzer fassen und mehr geben . Hat er doch ein riesiges Glück gehabt und sitzt nun über ein Dutzend Jahre schon in der Wolle oder , wie manche sagen , in einer guten Assiette . « » Daß du nicht davon abzubringen bist und nicht wissen willst , wie ' s mit dem Onkel eigentlich liegt . Er hat die reiche Witwe geheiratet und wohnt in einem Schloß , und wenn seine Frau den Prinzen Albrecht oder einen von den Carolaths einladen will , dann ist das ein großes Wesen , und der halbe niederschlesische Adel sitzt dann mit zu Tisch , und es sieht dann aus , als gäbe Onkel Eberhard das Fest . Aber er gibt es nicht , sie gibt es ; er gibt nur den Namen dazu her und auch das kaum , denn viele , wenn sie hinter dem Rucken der Tante sprechen nennen sie noch immer bei dem Namen ihres ersten Mannes . Der war schlesisch und ein sehr vornehmer Mann , vornehmer als die Poggenpuhls ... das müßt ihr euch nun schon gefallen lassen , daß es noch Vornehmere gibt ... Ich sage dir , so gut sie ist , sie hält ihn trotzdem knapp , und er hat nicht viel mehr als seine Generalspension , von der er noch alte Schulden bezahlen muß ... « » ... Alte Schulden ! Siehst du , Mama , da sagst du ' s nun selbst . Auch der also . Und ist doch General geworden und hat nun eine reiche Frau ... « » ... Wovon er alte Schulden bezahlen muß « , wiederholte die Mama , ohne seiner Zwischenrede weiter zu achten . » Und da bleibt ihm nur ein Taschengeld . « » Aber ein gutes ... « » Vielleicht , oder sagen wir gewiß . Und wenn er trotzdem damit zu Rate hält , so liegt es wohl auch daran , daß er dir mißtraut oder , wenn nicht er , daß die Frau dir mißtraut und daß deren Einfluß ihn bestimmt . « » Das ist es ja eben , was einen ärgert , dieser unwürdige Weibereinfluß . Und dann , Mama , von mir will ich am Ende nicht reden , ich bin vielleicht enfant perdu ; meinetwegen . Aber Wendelin , dieser Musterknabe , wenn ich meinen Herrn Bruder so nennen darf , an dem müßte er doch wenigstens seine Freude haben und sogar die Frau Tante . Da liegt doch die Knauserei ganz deutlich zutage . « » Spricht Wendelin ebenso ? « » Nein . Der nicht , der braucht es auch nicht . Wendelin , der das Talent hat , bei seiner Wasserkaraffe sich Herr von ungezählten Welten zu fühlen , Wendelin macht auch so seinen Weg . Aber auch für ihn ist doch ein Unterschied . Es ist nun mal was andres , ob man seinen Weg spielend macht oder in ewiger Askese . Die mit Askese haben meistens einen Knacks weg ; - sie werden berühmt oder können es wenigstens werden , aber auch wenn sie berühmt sind , wirken sie meistens wie kleine Schulmeister . Möglich , daß Wendelin