sind Leut da , die nicht hergehören . « Das junge Ehepaar ging auch davon , ohne Abschied zu nehmen , sie liefen hinüber in die stille große Stube . Die blendend weißen Vorhänge waren niedergelassen , der Tisch war weiß gedeckt , und ein bunter Strauß stand neben dem Nachtlicht . Die hochaufgebauschten Betten glänzten , so weiß und fein war das Leinenzeug , das die Waschfrauen der Lene zur Aussteuer geschenkt hatten . Mit einem leichten Seufzer schaute sich das junge Weib in dem friedlichen Gemache um . - Auch der Leopold blickte in alle Winkel , überall nickten ihm Erinnerungen entgegen . Es ist doch etwas wert , so ein altes , liebes Heim zu haben , dachte er , setzte sich nieder , zog seine schöne bräutliche Frau auf den Schoß und sagte : » Weißt , Lene , so sind wir gesessen , wie ich heimkommen bin . « Bis in den hellichten Tag hinein tanzten die Nachbarn , und noch in den Schlummer des jungen Paares schlichen sich die schmeichelnden Töne des Walzers , den sie zuletzt miteinander getanzt hatten . Am Himmel stand die blasse Mondsichel . Ein böses Wort verfolgte die junge Frau bis in ihre Träume , scheuchte sie auf , und mit Grauen sah sie beim blassen Schein des Nachtlichtes , daß der Traum Wirklichkeit wurde . Seit jenem fröhlichen Hochzeitsfeste waren nun wieder zwei Jahre um . Die Lene saß in der großen Stube auf dem Fensterbrett und musterte aufmerksam die kostbar gestickten Sommerkleider und Röcke , die draußen im Hof an der Waschleine hingen . Ein Kind lag in ihrem Arme , das sog und sog und schmatzte mit den Lippen . Die Lene strich sich die Scheitel glatt , zog die schweren Flechten tiefer ins Genick , betrachtete aufmerksam ihre schlanke Hand , schaute auf die atlasweiße Haut ihres Busens , hob dann das Kind ein wenig und knöpfte ihr Kleid bis an den Hals hinauf zu . Gleichmäßig wie eine Maschine schaukelte sie den Kleinen hin und her und sang leise . » Grüß dich Gott , Lene , wie geht ' s mit dem Buben jetzt ? « » Na , es geht halt wie immer . « » Du lieber kleiner Kerl , du ! « sagte die Hanne lachend und beugte ihren schmalen Körper zum Fenster hinein , küßte das Kind und setzte sich von außen der Lene gegenüber auf das Fensterbrett . » Kommst aus der Stadt ? « » Ja , ich war die Handschuhe abliefern . Ich bin alleweil froh , wenn ich wieder daheraußen bin , die vielen Leut , die Wagen , der Lärm ! Ganz dumm komm ich mir vor , wenn ich außer unserem Haus bin . « Die Lene nickte und schaute nachsinnend auf das dunkle Kleid der Hanne . Es war auch ein gar schlichtes Gewand , zugeschnitten wie für eine Nonne , ohne jeden Aufputz , und als die Augen des schönen Weibes hinaufrückten bis zu dem Kopf der andern , da lächelte sie bedauernd . Wer wird sich die Haare so glatt hinter die Ohren streichen ; wie das Mädel aussieht ! dachte die Lene . Eigentlich war die Hanne nur größer geworden und sah geordneter aus , sonst war alles gleichgeblieben an ihr , dasselbe still-freundliche Kindergesicht , die anspruchslose schmale Gestalt , das verschüchterte Gebaren , die weiche , sich gleichsam in sich selbst verbergende Art. » Dein Mann ist mir auch begegnet « , hub die Hanne mit unsicherer Stimme an , » hast du Verdruß mit ihm gehabt ? « » Warum ? « fragte die Frau gähnend . » Weißt , weil er halt so wild dreingeschaut hat . Seine Straßenkehrer hat er auch zusammengeschimpft ; so ist er meistens , wenn es zu Hause ... wenn du ... « » Ich ? « » Ja weißt , du sollst halt freundlicher mit ihm sein , er tut ja alles , was er dir von den Augen absieht « , erwiderte das Mädchen kleinlaut . » Jetzt ist der Bub fast sechs Monat alt , und die ganze Zeit hat er Tag und Nacht geschrien , soll ich da vielleicht alleweil lachen ? « » Aber dafür kann doch dein Mann nichts ! So ist es deiner Mutter und meiner und allen Weibern gegangen . Kleine Kinder machen halt Verdruß und Sorgen « , klagte sie kleinlaut und frauenhaft . Die Hanne hatte ja ihre jüngeren Geschwister aufziehen helfen , sie wußte ein Lied davon zu singen . » Verdruß und Sorgen genug ! « greinte die Lene . » Der Bub nimmt mir die schönste Zeit weg , immer muß ich da hocken , er macht mich um zehn Jahre früher alt und vor der Zeit häßlich , das weiß ich . « » Aber Lene , das ist ja eine schwarze Sünd , so zu reden ... Tag und Nacht plagt sich dein Mann für dich ! Er kann doch nicht auch Kinder warten ? Denk doch nur nach darüber . Du hättest keinen besseren Mann kriegen können . « Die Hanne hatte sich atemlos geredet , sie schwieg plötzlich erschrocken , das Kind weinte auch wieder , und die Lene , die keine Antwort zu geben wußte , brütete vor sich hin . Sie schüttelte das Kind mehr , als sie es wiegte , mit einmal aber fragte sie hochfahrend : » Bin ich vielleicht nicht mehr wert als die andern Weiber ? Bin ich nicht schöner ? « Das war nun freilich für alle Bewohner der Blauen Gans ein überzeugender Grund . Die Schönheit des jungen Weibes wurde wie etwas Kostbares , Wertvolles anerkannt und von ihr selbst als solches hingestellt . Fremde konnten über dieses naive Selbstgefühl lächeln , die Nachbarn aber nickten beifällig , wenn die Lene von ihrer eigenen Schönheit sprach . Sie war nie auf Widerspruch oder Neid in ihrem Kreise gestoßen , sie hatte nie die böswilligen Nörgeleien