: » Und Sie wissen doch , Freund , die Lehrer sollen ein gutes Beispiel geben . Der Liegnitzer Schulrat paßt auf , und da steht man im schwarzen Buch , man weiß nicht wie : Reputation , Wonneberger ! Immer aufpassen und nie vergessen , daß man Vorgesetzte hat und daß man dem Staat dient und daß man mitzählt . Alles andere gilt nicht , und wenn es gelten will , ist es Hochmut und Unsinn . Und der Frau Rätin , wenn ich ihr oben im Gebirge begegne , vielleicht mit dem Kowalski , werd ich ein Kompliment bestellen , ein Kompliment von ihrem neuen Ritter Wonneberger , Ritter und Schulmeister , der hoch von ihr denkt . Na , ich nicht . Ich wollte sie schon ziehen . Spät is es , aber besser spät als gar nicht ... Und nun Gott befohlen , Wonneberger . Und nehmen Sie sich in acht , wenn Sie weiter hin übers Wasser müssen ; die Brücke ist weggeschwemmt , und die Steine sind glatt , und Sie sind nicht mehr ganz fest auf den Beinen . Adieu , Wonneberger . Sie sind eigentlich ein guter Kerl , eine gute Schulmeisterseele . Kommen Sie her , Sie sollen noch einen Kuß haben . « Und nun schieden sie wirklich , und während der Lehrer höher bergan stieg , stieg Opitz einen Abhang nieder , der ihn unten , an einem Waldsaume hin , auf die Wolfshauer Gemarkung führte . Freundliche Häuser waren über einen weiten Wiesengrund hin ausgebreitet , durch den die Lomnitz schoß , an deren diesseitigem Ufer das Forsthaus , mit dem Hirschgeweih am Giebel , aufragte . Opitz , der jeden Steg kannte , nahm seinen Weg über eine hoch in Blumen und Gräsern stehende Wiese hin , und eh er noch bis auf hundert Schritt an seine Gartenpforte heran war , schlug der große Kettenhund an , und die bis dahin stumm hinter ihm hertrollende Diana antwortete mit einem kurzen Blaff . Und wenige Minuten später überschritt Opitz die Schwelle seines Hauses . Frau Opitz , eine hagere Frau mit tiefliegenden dunklen Augen , die mal schön und lachend gewesen sein mochten , jetzt aber nur noch geängstigt in die Welt blickten , empfing ihren Mann und fragte , ob sie decken und das Mittagbrot auftragen solle . So geängstigt die Worte klangen , so klang doch auch was von Vorwurf und Anklage heraus , was Opitzen , trotz seiner Umnebeltheit , nicht entging . » Ach was , Bärbel . Mittagbrot . Was soll das wieder ? Wenn ich nicht da bin , bin ich nicht da . Du sollst nicht auf mich warten , ein für allemal . Alles bloß Eigensinn , und mir zum Tort wird das Essen beiseite gestellt und schmort in der Schüssel , daß es wie Leder aussieht und wie Leder schmeckt . Ich will Ordnung und Stunde halten , so soll ' s sein , und wenn ich die Stunde nicht halte , weil ich sie mal nicht halten will , nun dann will ich sie nicht halten und will nicht dran erinnert sein , am wenigsten durch deinen Schmorbraten und dein Jammergesicht , in dem immer so was liegt , was mich ärgert und was ich nicht leiden kann . « Diana , müde von dem weiten Marsche , war auf den Großvaterstuhl gesprungen und wollte sich ' s eben bequem machen . Aber das paßte Opitzen schlecht . » Ist denn alle Welt verrückt geworden ? « Und den Hund beim Fell packend , warf er ihn auf die Erde und gab ihm einen Fußtritt . Dann ging er auf einen Schrank zu , nahm eine mit Rohr umflochtene Flasche heraus und trank . Es war Kirschwasser , zu dem er , mit oder ohne Grund , das Vertrauen hatte , daß es » niederschlage « . Dann hing er den Staatsrock an den Riegel , machte die Krawatte weiter und warf sich , einen Stuhl heranschiebend , aufs Bett . Und keine halbe Minute mehr , so hörte man nur noch sein Atmen und Schnarchen . Diana kroch unter den Stuhl , und die Frau Försterin verließ leise die Stube , draußen in der Küche aber setzte sie sich zwischen Wand und Herd und ließ sich von Christine , die seit etwa zwei Jahren in ihrem Dienste stand , die Kaffeemühle geben und begann sofort ein allerintimstes Gespräch . Denn in einem ihr eigentümlichen Klageton über Ehe zu sprechen war ihr so ziemlich das Liebste vom Leben , auf das sie nicht verzichten mochte , trotzdem sie wohl wußte , daß Christine durchaus abweichender Meinung war . » Es war ihm wieder nicht recht , Christine . Und wenn ich es nicht warm stelle , ist es auch nicht recht . Er redet immer von Ordnung , aber jeden Tag hat er eine andere . Heb ich was auf , weil er zu spät kommt , dann ist zwölf Uhr Ordnung und darf nichts aufgehoben werden , und heb ich nichts auf , dann ist es Ordnung , daß eine Frau was aufhebt . Und immer grob und bullrig . Ich sage dir , Christine , heirate nicht ! Du steckst so mit dem Lehnert zusammen , aber glaube mir , einer ist wie der andere . « » Nein , Frau Försterin , Lehnert ist doch ganz anders . « » Ja , das sagt ihr , das sagt jede ; jede denkt , ihrer ist besser und ihr wird der Kuchen apart gebacken . Aber dem ist nicht so . Freilich hat er nicht solchen kurzen Hals wie Opitz , und die Kurzhalsigen sind immer die Schlimmsten , das ist wahr und kann ich nicht bestreiten , aber es bleibt doch dabei , sie sind sich gleich oder wenigstens sehr ähnlich , und einer ist eigentlich wie der andere . Sie quälen uns bloß , heute mit Eifersucht und morgen mit Liebe . « »