? Weil sie sich nie aufdrängt , sich niemals ein Recht anmaßt . Ihr gegenüber gibt es keine Pflicht , nur Gnade und Wohltat . Und welche edle Frauenseele würde nicht endlich gerührt von ... Genug ! ... « unterbrach er sich , » sonst verrate ich noch , daß diese Uneigennützigkeit nichts ist als der größte Egoismus - der Egoismus , Sie glücklich zu sehen . « Mit beiden Händen zog er ihre Hand an seine Lippen , an seine Brust . Maria fühlte das ungestüme Pochen seines Herzens , auf seinem Angesicht jedoch , das sich über das ihre neigte , lag Frieden , und es erschien ihr wie verklärt von tiefster Seligkeit . Der schweigsame Mann wurde beredt ; er fand für seine Empfindung den Ausdruck , der gewinnt , für seine Gedanken das überzeugende Wort . Maria hörte ihm zu und sagte sich : Er ist wahr und warm . - Und vielleicht war es das , wonach sie sich sehnte von Kindheit an : Wahrheit und Wärme . Wohl hatte man sie vergöttert und verwöhnt ; aber wieviel Falschheit war bei dieser Vergötterung , die servile Leute ihr erwiesen , wieviel - wenigstens äußere - Kälte bei der Verwöhnung , die sie von ihrem Vater und nun erst von Tante Dolph erfuhr . » Der Ernst auf Ihrer Stirn « , sprach Hermann , » der hat mich bezaubert ; er ist , was ich zuerst an Ihnen geliebt habe , und jetzt wird es mein heißes Bestreben sein , ihn allmählich zu zerstreuen . Sie sollen gefeit durchs Leben wandeln , eingehüllt in meine Liebe ... Ich bin zu glücklich « , brach er aus - » ich verdien es nicht - was müßte der sein , der Sie verdiente , Maria ! Maria ! « Sie trat einen Schritt zurück , sie vermied den Blick voll leidenschaftlicher Andacht , der den ihren suchte , und sprach : » Nein , nicht so - Sie sind ja besser als ich ... haben Sie Geduld mit mir . « 4 Sie wurden ein stilles und feierliches Brautpaar . Maria blieb kühl und gemessen . Dornach bekämpfte immer siegreich jede Regung seines überströmenden Gefühls . In der Gesellschaft erhoben sich Streitigkeiten , weil die einen behaupteten , er sei ihr , und die anderen wissen wollten , sie sei ihm gleichgültiger . Dennoch erging sich alle Welt in so überzeugten und gerührten Glückwünschen , als ob Romeo und Julia aus ihren Gräbern auferstanden und im Begriffe gewesen wären , sich häuslich einzurichten . Unter den vielen Oberflächlichen , deren hohles Geschwätz geduldet und für deren als Teilnahme verkleidete Neugier gedankt werden mußte , gab es aber doch auch einige wohlwollende , treue Menschen , gab es vor allem Fürstin Alma Tessin . Maria liebte sie , verehrte ihre grenzenlose Herzensgüte und war voll Mitleid mit ihrer Befangenheit , die von Jahr zu Jahr zunahm . Die Fürstin fragte Maria um Rat , küßte ihre Hände , hatte in ihrer Gegenwart etwas Demütiges und Beschämtes , das dem jungen Mädchen ein Übergewicht über die Frau , die beinahe ihre Mutter hätte sein können , förmlich aufzwang . Eines Vormittags kam Fürstin Tessin zu Tante Dolph und fand dort das Brautpaar . Maria schritt ihr entgegen , Hermann erhob sich . Alma sah ihn zum ersten Male seit seiner Verlobung , und es geschah unerwartet . Auf ihrem zarten Angesichte wechselten die Farben . » Graf Dornach « , sprach sie , » ich habe noch nicht Gelegenheit gehabt , Ihnen meinen innigen , meinen freudigen ... « sie hielt inne , von unüberwindlicher Verwirrung ergriffen , und blickte beschwörend zu ihm empor : Erbarme dich , schien sie zu sagen , sieh , was ich leide , und erbarme dich . Ihre stumme Bitte blieb unerfüllt . Er verbeugte sich , murmelte ein paar höfliche Redensarten und nahm ihre Hand nicht , die sie ihm zitternd hatte reichen wollen und nun mit einer Gebärde der Trostlosigkeit niedergleiten ließ . Hermann nahm Abschied und ging . Das Herz Marias schwoll vor Unzufriedenheit mit ihm . Was berechtigte ihn zu diesem ablehnenden Benehmen gegen ein Wesen , das ihr teuer war ? - Almas Verwandtschaft mit Tessin , flog es ihr durch den Kopf . Aber nein ! Weder Dornach noch irgend jemand konnte eine Ahnung von dem flüchtigen Interesse haben , das jener Mensch ihr eingeflößt . Tessin war scheinbar nicht mehr um sie bemüht gewesen als zwanzig andere . Daß sie ihm den Vorzug gegeben , blieb ihr sogar gegen ihn selbst streng bewahrtes Geheimnis . Aber die Eifersucht sieht scharf - der arglose Hermann verdankt ihr vielleicht einen Seherblick . Als er am Abend wiederkam und den wunderschönen Blumenstrauß brachte , der täglich aus den Gewächshäusern von Dornach für die künftige Herrin anlangte , wies Maria die Gabe zurück : » Vorher will ich wissen , was haben Sie gegen Alma ? « Er zögerte mit der Antwort : » Sie ist mir ... Aufrichtigkeit über alles , nicht wahr ? - Nun denn - sie ist mir unangenehm . « » Unangenehm ? Verzeihen Sie , das begreife ich nicht - ausgenommen , Sie hätten die Kunst entdeckt , die Schönheit zu hassen und die Güte « , rief sie herb , und er erwiderte mit seiner gewohnten bescheidenen Gelassenheit : » Ich habe nicht von Haß gegen Fürstin Tessin gesprochen , ich bewundere ihre Schönheit ... « » Sie sieht eben aus , wie sie ist « , fiel Maria lebhaft ein ; » so blond , so weiß , so duftig , von so überirdischer Anmut umflossen habe ich mir in meiner Kindheit die Engel vorgestellt . « Seltsam war der Eindruck , den diese Worte auf ihn hervorbrachten ; ein Schatten von Verlegenheit flog über sein Gesicht , und zugleich malte sich darin die tiefste und liebevollste Rührung . » Ich will Sie heilen von Ihrer Abneigung « , fuhr Maria fort