und war einen Moment unschlüssig , ob er nicht lieber umkehren sollte , nicht des Samtrockes wegen , nein , nur um die Mutter nicht zu betrüben . » Aber vielleicht komme ich doch heil hindurch , « so tröstete er sich und begann weiter zu laufen . Der Boden wogte unter seinen Füßen , und bei jedem Schritte ertönte ein quatschender Laut , wie wenn man den Schlegel aus dem Butterfasse zieht . Dann kam er an ein schwarzes Brachwasser , an dessen Rande weißhaarige Küchenschellen blühten und auf dem , wie Grünspan glitzernd , eine Lösung von Eisen herumschwamm . Er ging ihm vorsichtig aus dem Wege , geriet zwar vollends in den Morast , kam aber schließlich doch wieder ins Trockene . Die Stiefel waren zwar zuschanden , aber vielleicht ließen sie sich an der Pumpe heimlich abwaschen . Er schritt weiter . Die Lust zum Pfeifen war ihm vergangen , und je größer das » weiße Haus « aus den Gebüschen in die Höhe stieg , desto beklommener wurde ihm zumute . Schon konnte er eine Art von Wall unterscheiden , der die Bäume umgab , und durch eine Lücke im Laubwerk sah er ein langes , niedriges Gebäude , das er aus der Ferne nie bemerkt hatte . Dahinter noch eins , und in einer schwarzen Höhle eine hohe Flamme , die hin und her züngelte . Das mußte eine Schmiede sein - aber sollte die selbst am Sonntage arbeiten ? Eine unerklärliche Lust zu weinen ergriff ihn , und während er blindlings weiterlief , stürzten ihm die Tränen aus den Augen . Plötzlich sah er einen breiten Graben vor sich , bis zum Rande mit Wasser gefüllt . Er wußte wohl , daß er nicht hinüberkommen würde , aber der Trotz zwang ihn , zum Sprunge auszuholen , und im nächsten Augenblick schlug das dicke , schmutzige Wasser über ihn zusammen . Bis auf die Knochen durchnäßt , mit einer Schicht von Morast und Algen umgeben , kam er wieder ans Land zurück . Er versuchte die Kleider trocknen zu lassen , setzte sich auf den Rasen und schaute nach dem » weißen Hause « hinüber . Er war ganz mutlos geworden , und als ihn gar sehr zu frieren begann , ging er traurig und langsam nach Hause zurück . 4 Der Sommer , der nun folgte , brachte dem Hause Meyhöfers eitel Kummer und Not . - Der frühere Besitzer hatte seine Hypothek gekündigt , und es war keine Aussicht vorhanden , daß irgend jemand die nötige Summe leihen würde . Meyhöfer fuhr wöchentlich wohl drei- , viermal in die Stadt und kam am späten Abend betrunken nach Hause . Manchmal blieb er auch die Nacht über fort . Frau Elsbeth saß derweilen aufrecht in ihrem Bette und starrte in die Dunkelheit . Paul erwachte oft , wenn er ihr leises Schluchzen hörte . Dann lag er eine Weile mäuschenstill , denn er mochte es nicht merken lassen , daß er wach war , aber schließlich fing auch er zu weinen an . Dann wurde wieder die Mutter still , und wenn er gar nicht aufhören wollte , stand sie auf , küßte ihn und streichelte seine Wange , oder sie sagte : » Komm zu mir , mein Junge . « Alsdann sprang er auf , schlüpfte in ihr Bett , und an ihrem Halse schlief er wieder ein . Der Vater prügelte ihn oft . Er wußte selten , warum ? aber er nahm die Schläge hin , als etwas , das sich von selbst verstand . Eines Tages hörte er , wie der Vater die Mutter schalt . » Weine nicht , du Tränensack , « sagte er , » du bist bloß dazu da , um mir mein Elend noch größer zu machen . « » Aber Max , « antwortete sie leise , » willst du den Deinen verwehren , dein Unglück mit dir zu tragen ? Müssen wir nicht um so enger zusammenhalten , wenn es uns schlecht geht ? « Da wurde er weich , nannte sie sein braves Weib und belegte sich selber mit bösen Schimpfnamen . Frau Elsbeth suchte ihn zu beruhigen , bat ihn , Vertrauen zu ihr zu haben und tapfer zu sein . » Ja , tapfer sein - tapfer sein ! « schrie er , aufs neue in Ärger geratend , » ihr Weiber habt klug reden , ihr sitzt zu Hause und breitet demütig die Schürze aus , damit euch Glück oder Unglück in den Schoß falle , wie ' s der liebe Himmel beschert ; wir Männer aber müssen hinaus ins feindliche Leben , müssen kämpfen und streben und uns mit allerhand Gesindel herumschlagen . - Geht mir mit euren Mahnungen ! Tapfer sein , ja , ja - tapfer sein ! « Darauf schritt er dröhnenden Schrittes zum Zimmer hinaus und ließ den Wagen anspannen , um seine gewöhnliche Wanderfahrt anzutreten . Als er wiedergekommen war und seinen Rausch ausgeschlafen hatte , sagte er : » So - jetzt ist auch die letzte Hoffnung dahin . Der verfl ... Jude , der mir das Geld zu fünfundzwanzig Prozent vorschießen wollte , erklärt , er wolle nichts mehr mit mir zu tun haben . - Na , dann läßt er ' s bleiben ... Ich hust ' auf ihn ... Und zu Michaelis können wir richtig betteln gehn , denn diesmal bleibt uns nicht so viel wie das Schwarze unterm Nagel . Aber das sag ' ich dir - diesmal überleb ' ich den Schlag nicht - ein Kerl von Ehre muß auf sich halten , und wenn ihr mich eines schönen Morgens oben am Sparren baumeln seht , dann wundert euch nicht . « Die Mutter stieß einen entsetzlichen Schrei aus und klammerte die Arme um seinen Hals . » Na , na , na , « beruhigte er sie , » es war so schlimm nicht gemeint . Ihr Weiber seid doch allzu klägliche Geschöpfe