, fertig bin , so wend ich mich zu meiner Nachbarin zur Rechten , also zu Frau Baronin Dörr ... « Die Dörr schlug vor Entzücken mit der Hand aufs Knie , daß es einen lauten Puff gab ... » Zu Frau Baronin Dörr also . Und spreche nun worüber ? Nun , sagen wir über Morcheln . « » Aber mein Gott , Morcheln . Über Morcheln , Herr Baron , das geht doch nicht . « » O warum nicht , warum soll es nicht gehen , liebe Frau Dörr ? Das ist ein sehr ernstes und lehrreiches Gespräch und hat für manche mehr Bedeutung , als Sie glauben . Ich besuchte mal einen Freund in Polen , Regiments- und Kriegskameraden , der ein großes Schloß bewohnte , rot und mit zwei dicken Türmen , und so furchtbar alt , wie ' s eigentlich gar nicht mehr vorkommt . Und das letzte Zimmer war sein Wohnzimmer ; denn er war unverheiratet , weil er ein Weiberfeind war ... « » Ist es möglich ? « » Und überall waren morsche , durchgetretene Dielen , und immer , wo ein paar Dielen fehlten , da war ein Morchelbeet , und an all den Morchelbeeten ging ich vorbei , bis ich zuletzt in sein Zimmer kam . « » Ist es möglich ? « wiederholte die Dörr und setzte hinzu : » Morcheln . Aber man kann doch nicht immer von Morcheln sprechen . « » Nein , nicht immer . Aber oft oder wenigstens manchmal , und eigentlich ist es ganz gleich , wovon man spricht . Wenn es nicht Morcheln sind , sind es Champignons , und wenn es nicht das rote polnische Schloß ist , dann ist es Schlößchen Tegel oder Saatwinkel oder Valentinswerder . Oder Italien oder Paris oder die Stadtbahn , oder ob die Panke zugeschüttet werden soll . Es ist alles ganz gleich . Über jedes kann man ja was sagen und ob ' s einem gefällt oder nicht . Und ja ist geradesoviel wie nein . « » Aber « , sagte Lene , » wenn es alles so redensartlich ist , da wundert es mich , daß ihr solche Gesellschaften mitmacht . « » O man sieht doch schöne Damen und Toiletten und mitunter auch Blicke , die , wenn man gut aufpaßt , einem eine ganze Geschichte verraten . Und jedenfalls dauert es nicht lange , so daß man immer noch Zeit hat , im Club alles nachzuholen . Und im Club ist es wirklich reizend , da hören die Redensarten auf , und die Wirklichkeiten fangen an . Ich habe gestern Pitt seine Graditzer Rappstute abgenommen . « » Wer ist Pitt ? « » Ach , das sind so Namen , die wir nebenher führen , und wir nennen uns so , wenn wir unter uns sind . Der Kronprinz sagt auch Vicky , wenn er Victoria meint . Es ist ein wahres Glück , daß es solche Liebes- und Zärtlichkeitsnamen gibt . Aber horch , eben fängt drüben das Konzert an . Können wir nicht die Fenster aufmachen , daß wir ' s besser hören ? Du wippst ja schon mit der Fußspitze hin und her . Wie wär es , wenn wir anträten und einen Contre versuchten oder eine Française ? Wir sind drei Paare : Vater Dörr und meine gute Frau Nimptsch und dann Frau Dörr und ich ( ich bitte um die Ehre ) , und dann kommt Lene mit Hans . « Frau Dörr war sofort einverstanden , Dörr und Frau Nimptsch aber lehnten ab , diese , weil sie zu alt sei , jener , weil er so was Feines nicht kenne . » Gut , Vater Dörr . Aber dann müssen Sie den Takt schlagen ; Lene , gib ihm das Kaffeebrett und einen Löffel . Und nun antreten , meine Damen . Frau Dörr , Ihren Arm . Und nun Hans , aufwachen , flink , flink . « Und wirklich , beide Paare stellten sich auf , und Frau Dörr wuchs ordentlich noch an Stattlichkeit , als ihr Partner in einem feierlichen Tanzmeister-Französisch anhob : » En avant deux , pas de basque . « Der sommersprossige , leider noch immer verschlafene Gärtnerjunge sah sich maschinenmäßig und ganz nach Art einer Puppe hin und her geschoben , die drei andern aber tanzten wie Leute , die ' s verstehen , und entzückten den alten Dörr derart , daß er sich von seinem Schemel erhob und statt mit dem Löffel mit seinem Knöchel an das Kaffeebrett schlug . Auch der alten Frau Nimptsch kam die Lust früherer Tage wieder , und weil sie nichts Besseres tun konnte , wühlte sie mit dem Feuerhaken so lang in der Kohlenglut umher , bis die Flamme hoch aufschlug . So ging es , bis die Musik drüben schwieg ; Botho führte Frau Dörr wieder an ihren Platz , und nur Lene stand noch da , weil der ungeschickte Gärtnerjunge nicht wußte , was er mit ihr machen sollte . Das aber paßte Botho gerade , der , als die Musik drüben wieder anhob , mit Lene zu walzen und ihr zuzuflüstern begann , wie reizend sie sei , reizender denn je . Sie waren alle warm geworden , am meisten die gerade jetzt am offenen Fenster stehende Frau Dörr . » Jott , mir schuddert so « , sagte sie mit einem Male , weshalb Botho verbindlich aufsprang , um die Fenster zu schließen . Aber Frau Dörr wollte davon nichts wissen und behauptete : » Was die feinen Leute wären , die wären alle für frische Luft , und manche wären so fürs Frische , daß ihnen im Winter das Deckbett an den Mund fröre . Denn Atem wäre dasselbe wie Wrasen , grade wie der , der aus der Tülle käm . Also die Fenster müßten aufbleiben , davon ließe sie nicht . Aber wenn Lenechen so fürs Innerliche was hätte ,