Anblick im Leben nicht vergessen . Sie komme von den Ufern des Paktols , fuhr die Mutter nach einer Weile fort , aus einem einsamen Tale des Tmolus , wohin ihr Vater , ein Verwandter der Notara , aus Verdruß über sein Volk sich von Smyrna zurückgezogen hätte , und ihre Mutter , ehmals die Krone von Ionien , seie seit einem Jahre tot . Der junge Notara trat itzt auch noch zu uns , grüßte mich freundlich , und fragte , ob ich immer noch zürne , er wisse nicht einmal seine Schuld genau , die Mutter ließ ihn aber nicht weiterreden , zog ihn auf die Seite , und flüsterte ihm , herzlich zu mir herüberlächelnd , einige Worte zu , daß ich fast etwas Freudiges vermuten mußte . - Ich bat Notara , mir zu verzeihen . Staunen . Mein Geist verzehrte sich über der frohen Mühe , den ganzen Reichtum zu fassen , der vor ihm sich auftat . - Es fiel mir lange nicht ein , ein Wort zu sprechen , und , da es mir einfiel , ließ es meine Verwirrung nicht zu . Man sprach endlich auch von so manchen Wundern griechischer Freundschaft , von Achill und Patroklus , von der Kohorte der Thebaner , von der Phalanx der Sparter , von Dion und Plato , von all den Liebenden und Geliebten , die auf- und untergingen in der Welt , unzertrennlich , wie die brüderlichen Gestirne . Da wacht ich auf . Solche Herrlichkeit zernichtet uns Arme ! rief ich ; freilich waren es goldne Tage , wo man die Waffen tauschte und sich liebte bis zum Tode , wo man unsterbliche Kinder zeugte in der Begeisterung der Liebe , Taten und Gesänge und ewige Gedanken , ach ! wo der ägyptische Priester dem Solon noch vorwarf , ihr Griechen seid allzeit Jünglinge ! wir sind nun doch Greise bei all unsrem leichten Sinne ! - Es ist alles so anders geworden . Man lebt bequem , und hat daran genug . Der Mensch bedarf des Menschen nicht mehr ; er braucht nur Hände und Arme , zu seinem Dienste . So spricht mein Vater auch , versetzte Diotima , und ihr Auge verweilte ernster an mir . Nun kann ichs ihm nicht länger vorenthalten ! rief die Mutter ; spricht dein Vater auch so , Diotima ? Ich glaub es wohl . Wißt ihr auch , ihr guten Kinder , daß ihr aus einer Quelle geschöpft habt ? Der fremde Mann , Hyperion , mit dem ich so oft dich lustwandeln sah , und dich an so manches Steinchen stoßen , weil du kein Auge von ihm wandtest , dem du so oft nachweintest am Meere draußen , als er fort war , wie du mir selbst gestandst , der ist Diotimas Vater . Tausend Herzensgrüße von ihm ! rief Diotima freudig - ich hab auch etwas mitgebracht ; die böse Mutter hätt es wohl eher sagen können , setzte sie lächelnd hinzu , und eilte hinein ins Haus . O ihr Lieben ! rief ich außer mir vor Freude , und faßte die Hände Notaras und seiner Mutter . Nun seh ich erst , wie herzlich gut du dem Manne bist , versetzte die Mutter . Ja wohl bin ich ihm herzlich gut , erwidert ich etwas betroffen , denn ich fühlte wohl , daß meine Freude nicht ihm allein galt . Itzt kam Diotima zurück , und brachte mir zwei goldne Münzen . Auf einer stand Minerva mit der Aegide , und warf die Lanze , und eine Palme sproßte zu ihren Füßen ; die andre mit dem Apollonskopfe gab mir Diotima mit dem Zusatze , ich möchte dabei an Delos und den Cynthus denken . Sie erzählte mir noch viel von ihrem Vater , und wie er oft von mir gesprochen habe ; wir sprachen auch noch manches im allgemeinen . Wie ich sie da verstand ! und wie sie das freute ! wie ein zufällig Wörtchen von ihr eine Welt von Gedanken in mir hervorrief ! sie war wirklich ein Triumph des jugendlichen Geistes , die stille Vereinigung unsers Denkens und Dichtens , und ich erfuhr zum ersten Male ganz , wie die Freude begeistern kann . Kinder ! es wird spät ! fiel endlich die Mutter ein , und Hyperion kann uns immer Dank sagen für diesen Abend . Leer ist er nicht ausgegangen . Sie gingen hinein . Ich stürzte fort in rasender Freude , schalt und lachte über den Kleinmut meines Herzens in den vergangnen Tagen , und der stolze Knabe konnte gar nicht begreifen , wie es möglich gewesen wäre , so ein ärmlich Wesen zu sein . Wunderbar war mirs zu Mut , als ich in mein Zimmer trat . Es war mir alles so fremd geworden . Jedes Geräte schien mir etwas Trauriges an sich zu haben , und ich war doch so selig . Auch ihr mußtet es entgelten , ihr Armen ! sagt ich vor mich hin in meines Herzens Trunkenheit , als ich vor die offnen Fenster trat , und meine verwilderten und halbverwelkten Blumen sah , nahm das Wassergefäß und begoß sie lächelnd . Ich brachte die Nacht unter dem Fenster zu . Es waren zauberische Stunden . Aus goldnen Träumen , wo an ein Wörtchen von ihr meine ganze Seele sich hing , um es hundertfach zu deuten , und über ihrem Bilde mir jedes Dasein schwand , weckte mich das Wehen der Nachtluft um meine glühende Wange ; die stille Natur schien mir das Fest meines Herzens mitzufeiern ; die Sterne blickten freundlicher durch die Zweige ; lieblicher duftete der Othem der Blüten . Ich schlummert endlich stehend ein , süßberauscht , wie von holden Melodien eingewiegt . - Bald spielte , wie eines Freundes warme Hand , das kommende Tageslicht um meine Stirne , und ich lächelt empor . Es war ein seliger Morgengruß , den itzt mein Herz dem Himmel und der schönen