« » Einigermaßen genügsam . « » Und dazu Lieb und Treue und ein Geplauder von der Heimat . « » Und wer gewährt Ihnen das ? « » Mein zweites und mein besseres Ich , meine Freundin und Dienerin zugleich . Und wenn sie nicht gleichen Alters mit mir und sehr streng und sehr tugendhaft wäre so würd ich sie Ihnen kurzweg als die Amme der italienischen Komödie vorstellen . Aber eins ist sie gewiß : in jeder Sorge mein Trost und in jeder unklaren Sache mein gutes Gewissen . « » Beneidenswert ! « » Ei , das mein ich auch ... Aber hier sind wir am Ziel , Graf Egon . « Und die Glocke ziehend und ihm dankend , stieg sie rasch die Stufen hinauf . Auf der dritten Treppe wurde sie von ihrer Dienerin empfangen und trat gleich darnach in den Vorflur , wo sie die Schneestäubchen von ihrem Mantel abschüttelte . » War niemand da , Hannah ? Nein ? Nun , desto besser , und nun bringe mir den Tee . « » Ja , darauf ist heute nicht mehr gerechnet , Schatz . Ich habe keinen Tropfen Rahm im Hause . « » Tut nichts , dann nehmen wir einen Tropfen Kirschwasser . Irgendwas wird doch dasein . Aber eile dich . Ich hab es so kalt . « Und eine Viertelstunde später saß Franziska zurückgelehnt in einem Schaukelstuhl und sah in die Kaminflamme , während Hannah ihr den Tee bot und sich neben sie setzte . » Hier , noch ein Oblatenbrot « , sagte diese ; » glücklich gerettet . Und nun erzähle . « » Ja , das ist leicht gesagt , Hannah . Erzähle ! Aber was ? Eigentlich weiß ich selber nichts , und woher sollt es auch kommen ? Eine Gräfin kann einem doch nicht gleich ihre Lebensgeschichte zum besten geben . « » Ist auch nicht nötig und will ich auch nicht wissen . Nur ein bißchen von allem oder doch von der Hauptsache . Nimm also wenigstens einen Anlauf und sage mir , wer da war und wie sie hießen . « » Nun gut . Also da war zunächst die Gräfin selbst , von der die Karte kam , und dann ihr Bruder , der alte Graf . Nun , den kennst du . Du hast ihn ja neulich selber gesehen und gesprochen und könntest mir eigentlich sagen , ob er dir gefallen hat . Was denkst du von ihm ? Was sagst du ? « » Dreierlei . « » Gut ; nenn es . « » Er ist alt und möchte gern jung sein , er spielt den Weltmann und ist eigentlich bloß ein Wiener , und drittens und letztens : er glaubt , daß sich alle Weiber um ihn reißen , und wird doch eigentlich nur genasführt . « » Er gefällt dir also nicht ? « » O doch . Er gefällt mir schon . « » Ein Geck kann einem nicht gefallen . « » Er ist auch kein Geck . Mitunter streift er daran oder steht auch schon mittendrin . Denn er hat all die Narrheiten eines alten Junggesellen und Theaterenthusiasten . Aber ganz zuletzt ist er doch wieder anders . Ich glaube , daß er ein sehr gutes und braves und sogar ein edles Herz hat . Er ist vornehmer und besser als irgendeiner der jungen und namentlich der alten Herren , die dir einen Besuch gemacht haben . « » Sieh , das freut mich , daß du das sagst . Und in seinem eigenen Hotel oder in dem seiner Schwester ist er noch viel liebenswürdiger als hier . Denn hier fühlt er die Verpflichtung , mir nach Art alter Herren den Hof zu machen , in seinem Hause dagegen fühlt er nur die Verpflichtung , artig zu sein . Und das ist für unsereins schließlich mehr . Du weißt ja , wie man gewöhnlich mit uns spricht . Und nun will ich dir auch sagen , wer die beiden anderen in der Gesellschaft waren . Der eine war ein Liguorianerpater , ein Fünfziger , groß und stattlich , und der andere , nun , der andere , das war ein junger Graf , Graf Egon , ein Neffe des alten , ich glaube , sehr hübsch und Adjutant bei Erzherzog Rainer . « » Und hat dir natürlich am besten gefallen ? « » Nein , nicht das . Er hat mir nur nicht mißfallen ; das ist alles , was ich sagen kann . Er hat etwas von dem mir unerträglichen Von oben herab , und wenn ich mich entscheiden und jedem einzelnen einen Rang in meinem Herzen anweisen sollte , so würd ich die Gräfin obenan stellen und dann den Pater . Oh , sie waren beide charmant und dabei so klug und verbindlich , wie nur vornehme Katholiken sein können . Schon ihre Stimmen ... « » Ja , sie haben eine verführerische Stimme , Fränzl ! Ich weiß davon . Aber das darfst du mir nicht antun und deinem Pastor-Vater im Grabe nicht , so lau und flau er war , daß du zu viel auf diese Stimme hörst ... Nur auf meine mußt du hören , wenigstens jetzt , in diesem Augenblick , und die mahnt dich , daß es auf Mitternacht geht und morgen um zehn Uhr Probe ist . Mach also , du mußt ausschlafen . « » Aber erst noch unsern Spaziergang , sonst schlaf ich überhaupt nicht . Und außerdem bin ich abergläubisch . « Hannah brachte Mantel und Kappe , wickelte Franziska darin ein , und nun stiegen Herrin und Dienerin eine nur wenige Stufen zählende Treppe hinauf , die vom dritten Stock aus direkt auf das Flachdach des Hauses führte . Hier standen den Sommer über allerhand Kübel und Topfgewächse , jetzt aber sah man nichts als ein paar Bretterlagen und einen Berg Schnee , den der Wind nach der einen Seite hin