ist noch launenhafter als die Damen . Ja , meine Damen , als die Damen . Denn die Launenhaftigkeit , ich lebe selbst in einer glücklichen Ehe , ist das Vorrecht und der Zauber ihres Geschlechts . Der Fürst hat Glück gehabt , aber gerade weil er es gehabt hat ... « » ... wird er sich hüten , es zu versuchen « , schloß mit ironischer Emphase der Legationsrat . » Aber , wenn er es dennoch täte ? He ? Der Fürst hat Glück gehabt , versichert uns unser Freund Reiff mit polizeirätlich unschuldiger Miene . Glück gehabt ! Allerdings . Und zwar kein einfaches und gewöhnliches , sondern ein stupendes , ein nie dagewesenes Glück . Eines , das in seiner kolossalen Größe den Mann selber wegfrißt und verschlingt . Und sowenig ich geneigt bin , ihm dies Glück zu mißgönnen , ich kenne keine Mißgunst , so reizt es mich doch , einen Heroenkultus an dieses Glück geknüpft zu sehen . Er wird überschätzt , sag ich . Glauben Sie mir , er hat etwas Plagiatorisches . Es mögen sich Erklärungen finden lassen , meinetwegen auch Entschuldigungen , eines aber bleibt : er wird überschätzt . Ja , meine Freunde , den Heroenkultus haben wir , und den Götterkultus werden wir haben . Bildsäulen und Denkmäler sind bereits da , und die Tempel werden kommen . Und in einem dieser Tempel wird sein Bildnis sein , und Göttin Fortuna ihm zu Füßen . Aber man wird es nicht den Fortunatempel nennen , sondern den Glückstempel . Ja , den Glückstempel , denn es wird darin gespielt , und unser vorsichtiger Freund Reiff hat es mit seinem six-le-va , das über kurz oder lang kommen wird , besser getroffen , als er weiß . Alles Spiel und Glück , sag ich , und daneben ein unendlicher Mangel an Erleuchtung , an Gedanken und vor allem an großen schöpferischen Ideen . « » Aber lieber Legationsrat « , unterbrach hier van der Straaten , » es liegen doch einige Kleinigkeiten vor : Exmittierung Österreichs , Aufbau des Deutschen Reichs ... « » ... Ekrasierung Frankreichs und Dethronisierung des Papstes ! Pah , van der Straaten , ich kenne die ganze Litanei . Wem aber haben wir dafür zu danken , wenn überhaupt dafür zu danken ist ? Wem ? Einer ihm feindlichen Partei , feindlich ihm und mir , einer Partei , der er ihren Schlachtruf genommen hat . Er hat etwas Plagiatorisches , sag ich , er hat sich die Gedanken anderer einfach angeeignet , gute und schlechte , und sie mit Hilfe reichlich vorhandener Mittel in Taten umgesetzt . Das konnte schließlich jeder , jeder von uns : Gabler , Elimar , du , ich , Reiff ... « » Ich möchte doch bitten ... « » In Taten umgesetzt « , wiederholte Duquede . » Ein Umsatz und Wechselgeschäft , das ich hasse , solange nicht der selbsteigne Gedanke dahintersteht . Aber Taten mit gar keiner oder mit erheuchelter oder mit erborgter Idee haben etwas Rohes und Brutales , etwas Dschingiskhanartiges . Und ich wiederhole , ich hasse solche Taten . Am meisten aber haß ich sie , wenn sie die Begriffe verwirren und die Gegensätze mengen und wenn wir es erleben müssen , daß sich hinter den altehrwürdigen Formen unseres staatserhaltenden Prinzips , hinter der Maske des Konservatismus , ein revolutionärer Radikalismus birgt . Ich sage dir , van der Straaten , er segelt unter falscher Flagge . Und eines seiner einschlägigsten Mittel ist der beständige Flaggenwechsel . Aber ich hab ihn erkannt und weiß , was seine eigentliche Flagge ist ... « » Nennen ... « » Die schwarze . « » Die Piratenflagge ? « » Ja . Und Sie werden dessen über kurz oder lang alle gewahr werden . Ich sage dir , van der Straaten , und Ihnen , Elimar , und Ihnen , Reiff , der Sie ' s morgen in Ihr schwarzes Buch eintragen können , meinetwegen , denn ich bin ein altmärkischer Edelmann und habe den Dienst dieses mir widerstrebenden Eigennützlings längst quittiert , ich sag es jedem , alt oder jung : sehen Sie sich vor . Ich warne Sie vor Täuschung , vor allem aber vor Überschätzung dieses falschen Ritters , dieses Glücks-Tempelherrn , an den die blöde Menge glaubt , weil er die Jesuiten aus dem Lande geschafft hat . Aber wie steht es damit ? Die Bösen sind wir los , der Böse ist geblieben . « Gryczinski hatte mit vornehmem Lächeln zugehört , van der Straaten indes , der , trotzdem er eigentlich ein Bismarck-Schwärmer war , in seiner Eigenschaft als kritiksüchtiger Berliner nichts Reizenderes kannte als Größen-Niedermetzelung und Generalnivellierung , immer vorausgesetzt , daß er selber als einsam überragender Bergkegel übrigblieb , grüßte zu Duquede hinüber und rief einem der Diener zu , dem Legationsrat , der sich geopfert habe , noch einmal von der letzten Schüssel zu präsentieren . » Eine spanische Zwiebel , Duquede . Nimm . Das ist etwas für dich . Scharf , scharf . Ich mache mir nicht viel aus Spanien , aber um zweierlei beneid ich es : um seine Zwiebeln und um seinen Murillo . « » Überrascht mich « , sagte Gabler . » Und am meisten überrascht mich die dir entschlüpfte Murillo- , will also sagen Madonnen-Bewundrung . « » Nicht entschlüpft , Arnold , nicht entschlüpft . Ich unterscheide nämlich , wie du wissen solltest , kalte und warme Madonnen . Die kalten sind mir allerdings verhaßt , aber die warmen hab ich desto lieber . A la bonne heure , die berauschen mich , und ich fühl es in allen Fingerspitzen , als ob es elfer Rheinwein wäre . Und zu diesen glühenden und sprühenden zahl ich all diese spanischen Immaculatas und Concepciones , wo die Mutter Gottes auf einer Mondsichel steht , und um ihr dunkles Gewand her leuchten goldene Wolken und Engelsköpfe . Ja , Reiff , dergleichen