einigen Respekt , die übrigen neckte er , wußte aber auch jedem etwas Angenehmes zu sagen und jeden in das Gespräch zu ziehen . Nur eine Person in dem Kreise sah er nicht , bemerkte er nicht - die ansehnlichste und auffallendste von allen : Bozena . Und die war plötzlich verstummt . Sie hatte den Kopf an die Wand zurückgelehnt und die Augen halb geschlossen . Von ihren Schläfen herab , die Wangen entlang zog sich ein weißer Streifen - das Erbleichen sehr rot gefärbter Menschen . Verstohlen warf der Jäger manchmal einen Blick nach ihr hin , und je gequälter ihm der Ausdruck ihres Gesichtes erschien , desto lustiger wurde er , desto übermütiger seine Laune . Mansuet Weberlein kämpfte mit einem nervösen Zucken im Arme , verdrehte die Beine so , daß seine einwärts gebogenen Fußspitzen einander auf dem vorspringenden Mauersockel begegneten , und schoß gegen Bernhard den Pfau eine bissige Bemerkung nach der andern ab . Endlich rief er giftig : » Schad um Sie ! Indessen Sie uns hier Späße vormachen , tanzt Ihnen ein Tölpelpeter oder ein Lümmelhans Ihre Gräfin weg ! « Der Jäger wollte antworten , aber ein stämmiger Bursche kam ihm zuvor : » Seine Gräfin ? « spöttelte er , » dem Büchsenspanner seine ? ... Warum nicht gar ? « Ein hochmütiges Lächeln kräuselte Bernhards Lippen : » Oho , du Gescheiter , nicht mehr lange Büchsenspanner . Im Herbst gibt mir mein Graf ein Revier « , sprach er . » Die Bäuerin schiert sich was um dein Revier « , entgegnete der Bursche ; und zu einem der Mädchen gewendet fügte er rasch hinzu : » Wollen wir sie fragen , Toni ? « - Und Toni antwortete eiligst » Ja « , und dem sich entfernenden Pärchen folgten andere Tanzlustige nach , und bald war die ganze Versammlung auseinandergestoben . Auch der Jäger empfahl sich jetzt auf das höflichste bei Weberlein , nach einigen Schritten aber blieb er , als besänne er sich plötzlich , stehen , wandte sich gegen Bozena und fragte wie jemand , der innerlich widerstrebend eine Pflicht der Artigkeit erfüllt : » Kommen Sie nicht auch ? « Dann eilte er den übrigen nach mit großen Schritten und schlecht verhehlter Besorgnis , daß sie sich ihm vielleicht anschließen könnte . » Prosit ! « zischelte der Kommis zwischen den Zähnen , » sonst haben Sie keine Schmerzen ? « Aber wie ward ihm , als Bozena nun vor ihm stand und mit gepreßtem Tone und niedergeschlagenen Augen sagte : » Alsdann adje , Herr Weberlein . « Nein ! das kann nicht sein ... Das ist ja die bare Unmöglichkeit ! - In Scharen waren sie oft gekommen , die allerbesten Tänzer der Stadt und des Dorfes , und hatten gesagt : » Erweisen Sie mir die Ehre « , und : » Machen Sie mir die Freude ... « Und sie hatte geantwortet : » Ich geh zu keinem Tanz . « Und jetzt warf ihr ein Laffe , ein Geck von oben herab eine Aufforderung hin , so leer , so gnädig , so gar nichts sagend als höchstens : Ein ganzer Bengel will ich doch nicht sein : und sie lachte ihm nicht ins Gesicht , sie schwieg - sie folgte ihm , dem Laffen , dem Gecken , demütig wie ein Hund seinem Herrn ? ! Donner und Wetter ! Wenn der liebe Gott vom Himmel gestiegen wäre und es dem Kommis Weberlein erzählt hätte , dieser würde geantwortet haben : » Verzeih mir ' s - Gott ! aber das kann ich nicht glauben . « ... Und nun sah er ' s , nun mußte er es sehen mit seinen eigenen Augen und konnte seine eigenen Finger legen in die Wunden , die dem Stolze Bozenas geschlagen worden . Er blickte völlig verstört zu ihr empor und brachte nur ein Wort heraus , nur das einzige Wort : » Was ? « Sie schien ein Weilchen zu zögern , dann sprach sie mühsam und mit trockenen Lippen : » Ich muß wissen , wie es steht mit ihm und der Eva « , und wandte sich , und von weitem , in wohlberechneter Entfernung , folgte sie dem Jäger . Herr Weberlein nahm eine boshafte und wegwerfende Miene an , mit abscheulich menschenfeindlichen Blicken stierte er auf den Platz hinaus und kehrte ihm und dem Treiben da draußen endlich ganz und gar den Rücken . Wie ein Alräunchen hockte er in seiner Nische und zog in kurzen , raschen Zügen den Rauch aus seiner Pfeife . Er schmauchte nicht mehr , er tobakelte und umgab sich mit kleinen dichten Wolken , die ihn dräuend und unheilverkündend , als Zeichen seiner großen inneren Erregtheit , umflogen . 4 Beim » Grünen Baum « hatte die Unterhaltung schon begonnen , aber noch war wenig Wein getrunken worden , noch gab es keine ausgelassene Lustigkeit , noch hatte kein Streit stattgefunden . Die Paare drehten sich langsam und mit bewunderungswürdiger Ausdauer . Von Zeit zu Zeit ertönte ein lauter Jubelruf , ein Bursche klatschte in die Hände , hob seine Tänzerin hoch empor , ließ sie dann sich ein Weilchen allein neben ihm herschwenken , umfaßte sie von neuem , und ruhig tanzten sie weiter mit denselben schläfrigen Gesichtern , mit denen sie ihre Fronarbeit verrichteten . Bernhard trat oft in die Mitte der Stube , sah mit Wohlgefallen , wie viele Mädchenaugen sich erwartungsvoll auf ihn richteten , winkte jedoch keine der Anwesenden nach Bauernsitte zu sich herbei . Eva war für diesen Walzer versagt , und mit einer Geringeren trat er nicht in den Reigen . Bozena stand , alle Frauen und die meisten Männer , die sie umgaben , überragend , finster und grollend in einer Ecke und wies alle Aufforderungen , sich an dem Tanze zu beteiligen , kurz ab . Sie sei nur gekommen , ein wenig zuzusehen , müsse gleich wieder heim .