, freundlichen Lebens breitete sich vor meinen Augen aus ; ein zweites Söhnlein und unlang hernach zwei Töchterlein kamen , und sie erfüllten mich mit neuen Zukunftsträumen . Im Jahre 1880 bewarb sich die bekannte Firma Hartleben in Wien um den Verlag meiner Werke , die dann nach meinem Rückkauf der Heckenastschen Rechte ihr übertragen wurden . Die in den ersten Jahren sich freundlich gestaltete Verbindung mit Hartleben mußte wegen Differenzen geschäftlicher und autorrechtlicher Natur 1893 gelöst werden . In diesem Jahre schloß ich einen Vertrag mit dem Hause L. Staackmann in Leipzig , das später auch meine Bücher aus dem Hartleben-Verlage erworben hat . So war ich auf ein ruhiges , sorgloses Geleise gekommen , und in dem wahrhaft freundschaftlichen Verhältnisse , das zwischen Staackmann und mir sich herausgebildet hat und das in den zwanzig Jahren durch keinen Hauch getrübt worden ist , habe ich meine Arbeitsfreudigkeit wieder gewonnen und meine reiferen Bücher geschrieben . In meinem äußeren Leben hat sich nicht mehr viel Neues zugetragen . Den Frieden eines behaglichen Heims wahren mir Frau und Kinder , und beleben mir zeitweilig vier muntere Enkel . Also ist aus dem Waldbauernbübel der Guckinsleben , aus diesem der Schneiderbub , aus diesem der Student , aus diesem der Schriftsteller , und aus diesem endlich der Großvater geworden . Innerlich aber ist mir beinahe ganz so wie in den fernen Jugendtagen . - - So weit ist meine Lebensgeschichte vor Jahren aufgeschrieben worden . Seither haben sie viele andere nacherzählt , und wohl mit unbefangenerem Blick und größerem Geschick als ich tun konnte . Ich selbst habe noch das Buch » Mein Weltleben « , ersten und nun auch zweiten Band , geschrieben , in dem an die Jugend anknüpfend tiefer gründende Abschnitte meines seitherigen Lebens dargestellt werden . Immer von neuem drängt mich meine Seele zur Arbeit , und immer von neuem mahnt mich mein erschöpfter Körper zur Rast . Es ist aber schwer zu ruhen , wenn man als Mensch noch so vieles zu tun , als Schriftsteller noch so Manches zu sagen hätte ! Ich ging als Schriftsteller einen Weg , der , wie sich ' s zeigte , nicht viel betreten war ; ich fühlte mich auf demselben oft vereinsamt , aber ich bin nicht umgekehrt . Mir scheint nicht alles was wahr ist wert , vom Poeten aufgeschrieben zu werden ; aber alles , was er aufschreibt , soll wahr und wahrhaftig sein . Und dann soll er noch etwas dazugeben , was versöhnt und erhebt ; denn wenn die Kunst nicht schöner ist als das Leben , so hat sie keinen Zweck . Furchen ziehen durch die Äcker der Herzen , daß Erdgeruch aufsteige , dann aber Samen hineinlegen , daß es wieder grüne und fruchtbar werde - so wollt ich ' s halten . Ich habe es mit meinen Mitmenschen ja gut gemeint . Allerdings , sie haben mich oft verdrossen . Obgleich ich das Glück hatte , zumeist mit vortrefflichen Charakteren umzugehen , so habe ich doch auch die Niederträchtigkeit kennen gelernt und gesehen , mit welcher Wollust die Menschen imstande sind , sich gegenseitig zu peinigen - Schändlichkeiten und Übeltaten stets unter einem schönen , wenn nicht gar geheiligten Deckmantel verhüllend . Ich habe Zeiten durchlebt , da ich es für die größte Narrheit hielt , den Leuten Gutes tun zu wollen . Aber , wenn ich ihr Elend sah und das Übermaß ihrer Leiden , da dauerten sie mich . Ich bin ja einer von ihnen . Ich sehe den Jammer einer jahrtausendelangen Geschichte , den sie sich selbst im blinden Ringen nach glücklicheren Zeiten gemacht haben . Aber ich sehe auch , daß wir heute lange nicht auf dem rechten Fleck stehen . Lieber nach vorwärts und ins Ungewisse hineinstürmen , als hier stehen bleiben ! Aber wenn ich sehe , wie im rasenden Flug , oder sagen wir , in der rasenden Flucht nach » vorwärts « das Gemüt zu Schaden kommt , dieses unser größtes Gut , und ich keinen Ersatz dafür zu ahnen vermag , so blase ich zur Rückkehr in die Wildnisse der Natur , zu jenen kleinen , patriarchalischen Verhältnissen , in welchen die Menschheit noch am natürlichsten gelebt hat . Und wenn das auch nicht geht , weil ' s nicht gehen kann , dann .... ! Nein doch , ich vertraue der Zukunft . Es werden Stürme kommen , wie sie die Welt noch nicht gesehen ; aber wenn wir die großen Anbilder und Tugenden der Besten unserer Vorfahren und der Wenigen von heute , die Schlichtheit , die Opferwilligkeit , den Familiensinn , den Frohsinn , die Liebe , die Treue , die Zuversicht in die Zukunft hinüberzutragen vermögen , um sie neu zu beleben und zu verbreiten , dann wird es gut werden . Ich habe mein schwaches Talent nicht vergraben . Ich habe mich nicht betören lassen von jener Lehre , daß der Poet neben dem Schönheitsprinzipe keine Absicht haben solle , und auch nicht von jener , die im Dichterwerk nur Zweck will , sei es nach dem Moralischen oder dem Materiellen hin . Ich habe die Gestalt genommen , wie sie das Leben gab , aber sie nach eigenem Ermessen beleuchtet . Ich habe die hellsten Lichtpunkte dorthin fallen lassen , wo ich glaube , daß das Schöne und Gute steht , damit entschwindende Güter wieder ins Auge und Herz der Menschen dringen möchten . Des Niedrigen habe ich gespottet , das Verderbliche bekämpft , das Vornehme geehrt , das Heitere geliebt und das Versöhnende gesucht . Mehr kann ich nicht tun . Soll es nun heute sein , oder in noch späteren Tagen , willig mag ich meinen morschen Wanderstab zur Erde legen , willig meinen Namen verhallen lassen , wie des heimkehrenden Älplers Juchschrei verhallt im Herbstwind . Aber ich - ich selbst möchte mich an dich , du liebe , arme , unsterbliche Menschheit klammern und mit dir sein , durch der Jahrhunderte Dämmerung hin