Ende sein . Setz dich hier auf den Rand ; merke auf und tu , was ich dir sagen werde . « Sie legte bei diesen Worten die treulich verwahrten Familienpapiere in des Mannes Hand und fuhr darauf in klarer , eindringlicher Rede also fort : » Hüte diese Blätter als das einzige Erbteil , das du deinem Kinde zu hinterlassen hast . Ich habe diese sechs Jahre Tag und Nacht darüber nachgedacht , und nun sterbe ich in der Gewißheit , daß Fräulein Hardine deine Mutter gewesen ist . Für dich selber tu oder laß , was du willst . Du bist ein Mann . Aber suche sie auf und bring ihr das Kind , das du nicht versorgen kannst . Verkaufe meinen Hausrat ; der Erlös schafft das Reisegeld . Für unser Trauattest und der Kleinen Taufzeugnis habe ich gesorgt . Vergiß aber nicht meinen Totenschein . Laß dann im Kloster dein Einsegnungszeugnis bescheinigen ; erforsche in der Stadt Fräulein Hardines Vaternamen und was aus ihr geworden ist . Lebt sie noch - im Reichtum oder arm wie einst - , sie muß eine alte Frau jetzt sein und wird sich der Sünde schämen , ihr Blut zu verstoßen . Ist sie gestorben , finden sich wohl Angehörige . Vielleicht , daß auch der Propst noch bei Wege ist oder der Förster . Kurzum du bist in deiner Heimat und dein Kind muß und wird einen Anhalt finden , insofern du deine Schuldigkeit tust . Laß es aber bald sein , Mann , denn es geht jach mit dir abwärts auf dem Wege , den du eingeschlagen . Das Kind zu Fräulein Hardine ! Gib mir die Hand darauf , August , die Manneshand , die das Schwert geführt . « Er reichte ihr schluchzend die Hand , die sie herzhaft drückte . » Mutter - Hardine ! « lallte sie noch , legte sich dann auf die Seite , zog das Kopftuch über die Augen und verschied . Der Invalid - um unserm früheren Gleichnisse treu zu bleiben - , der Invalid bäumte sich wie ein angeschossener Hirsch . Er fühlte seine alten Wunden heftiger brennen als zu der Zeit , da die schwarze Lisette sie auf dem Schlachtfelde verbunden hatte ; wich keinen Schritt aus der dunklen Kammer , solange dieselbe die Leiche barg . Nun aber deckte sie die Erde . Er hatte ihr nicht gebührendlich mit Sang und Klang die letzte Ehre erweisen können ; aber er war es gewohnt , einen braven Kameraden mit einem Trauermarsche zu Grabe zu geleiten und mit einer lustigen Weise heimzukehren . Am Abend saß er in dem Weinhause , aus welchem man ihn vor drei Tagen in die Sterbekammer abberufen hatte . Der Schoppen kreiste , die Würfel rollten wie sonst . Das Weib , die Mutter Lisette waren verschwunden , und bald nur die lustige Marketenderin noch eine stehende Figur in den Bildern , die sich unter dem Banner des schwarzen wie des eisernen Herzogs vor seinen Augen entrollten . Und wieder gingen Jahre dahin , aus welchen die kleine Hardine keine Erinnerung bewahrte , als daß sie oftmals hungerte und immer fror . Ein blödes , zitterndes , trübseliges Geschöpf , schlich sie am Morgen aus der kalten , immer leerer werdenden Kammer , hockte einsam und stumm vor der Tür , bis eine mitleidige Nachbarin ihr einen Bissen reichte oder sie in ihr durchwärmtes Zimmer führte . Den Vater sah sie fast nie . Wenn er spät in der Nacht heimkehrte , schlief sie schon , und wenn er früh am Morgen wieder aufbrach , schlief sie noch . Es ging jach abwärts mit dem Manne , wie seine sterbende Frau es vorausgesagt : aus dem Weinhause in die Branntweinkneipe , aus dem Kreise kannegießender Bürger unter ein Publikum roher Gesellen . Seine lockigen Haare wurden struppig , blutrote Flecken brannten auf den gedunsenen Wangen ; die Adern schwollen neben den Narben der Stirn und ein wüstes Feuer brannte aus den großen blauen Augen , wenn er nach dem Pferde schrie , daß er tummeln , nach dem Säbel , mit dem er den noch immer erwarteten Feind niederhauen wollte . Das alte Soldatenblut rumorte noch wie einst , aber Prinz Gustel war untergegangen und das Vaterherz hatte noch niemals pulsiert . Der Handschlag , den er seinem sterbenden Weibe gegeben , war so gut wie vergessen . Zu seinem Glück kam der Tag , wo das letzte Stück Hausrat , das letzte Kissen von Frau Lisettes Brautschatz , abgepfändet waren , wo der Hauswirt die Miete , der Schenkwirt die Zeche nicht länger stunden wollten , wo dem unheimischen Manne und seinem Kinde der Schub über die Landesgrenze drohte . Die Not heischte einen Entschluß und die Not gab auch die Kraft , ihn zu vollbringen . Es war wieder einmal eine Zeit , in welcher ein Schrei der Rache gegen einen Erbfeind den Weltteil durchdrang : die Zeit der Griechenerhebung , der schon mancher tapfere Fremdling sich zum Opfer gebracht , wenngleich noch keine christliche Regierung ihr ihren Beistand geliehen hatte . Auch in dem Arme unseres Veteranen zuckte das Schwert von Viktoria und Waterloo . » Komm , Hardine ! « sagte er an einem Frühlingsmorgen 1825 , » ich will dich zu Fräulein Hardine bringen und dann wider den Türken ziehen ! « Und an der Hand sein Kind , in der Tasche dessen » Familienpapiere « , und sonst nicht viel mehr , so schritt er aus dem Tore der kleinen niederländischen Stadt . Freilich der Weg war weit aus dem Maas- in das Elbgebiet ; der Beutel war leer , Atem wie Kraft nur noch gering . Die alten Nachbarn und Zechbrüder schüttelten die Köpfe und meinten , daß dieser Wandersmann weder im Kampfe gegen Ali-Pascha , noch selber in der Heimat , sondern daß er auf der Landstraße enden werde . Auch gingen Monate dahin , bevor er seinem Ziele näher rückte . Aber es war Sommerszeit