Elnbogen in die Seite ; - » das Blut ! Vollblut , capitales Blut , das versteht sich ! habe ja selbst eine gehabt ; - eine Kippenreiter ! Baroneß Kippenreiter ! mein Hermann mindestens Halbblut . Da springt sie hin - ist es nicht ein Engel ? Schade , daß es kein Junge geworden ist ; nenne sie deshalb immer Hermann . Hermann , Hermann ! « Die Kleine kam gesprungen ; sie hatte ein rothes Tuch umgebunden , das ihr der Vater , nachdem er sie geküßt , noch fester um die zarten Schultern zog . » Ist es nicht ein Engel ? ein Stolz ? « - fuhr er fort , indem er wieder meinen Arm nahm . - » Sie soll auch einen Grafen zum Mann haben , nicht so einen ausgehungerten Adeligen , wie mein Schwager , der Steuerrath , oder so einen , wie sein Bruder auf Zehrendorf , der Saufaus , oder wie der andere , der Duckmäuser , der Zuchthausdirector in Dingsda ! Nein , einen wirklichen Grafen , einen Kerl , der seine sechs Fuß hoch ist , so wie Sie ! ja , so wie Du , mein Junge ! « Der kleine Commerzienrath suchte mir seine beiden kurzen plumpen Hände auf die Schultern zu legen und blickte mit weinseligen Augen gerührt zu mir auf . - » Du bist ein kapitaler Kerl , ein Prachtkerl . Schade , daß Du so ein armer Teufel bist , Du solltest mein Schwiegersohn werden ; aber ich muß dich Du nennen ; kannst mich auch Du nennen , Bruderherz ! « - und der würdige Mann schluchzte an meiner Brust und rief nach Champagner , vermuthlich , um den eben geschlossenen Bruderbund nach alter Weise mit einem solennen Trunk zu besiegeln . Ich bezweifle , daß dies geschehen ist , wenigstens erinnere ich mich dieser Ceremonie nicht mehr , die sich doch wohl meinem Gedächtniß eingeprägt haben würde . Dagegen weiß ich , daß ich kurz nach dieser Scene mit einer vollen Flasche in dem Maschinenraum gewesen bin , um mit meinem Freunde Klaus anzustoßen und ihn zu versichern , daß er der beste , treueste Kerl von der Welt sei und daß ich ihn zum Oberheizer in der Hölle machen wolle , sobald ich einmal dorthin gelangt , was gar nicht mehr lange dauern werde ; denn mit meinem Vater müsse es heute Abend noch eine Entscheidung geben , obgleich ich mich für ihn jeden Augenblick in Stücke zerreißen lassen würde , und das möge lieber jetzt gleich geschehen , und wenn der große schwarze Kerl nicht aufhöre , mit dem langen eisernen Arm auf und nieder zu fahren , würde ich meinen Kopf darunter stecken , und dann werde es wohl mit Georg Hartwig aus sein . Wie der gute Klaus mir dieses selbstmörderische Vorhaben ausgeredet und wie er mich die steile Leiter wieder hinaufgeschafft hat , weiß ich nicht ; doch muß es irgendwie geschehen sein ; denn als wir in den Hafen einliefen , war ich wieder auf Deck und sah die Maste der vor Anker liegenden Schiffe an uns vorübergleiten und zwischen die Raaen und Spieren hindurch die Sterne tanzen , und der Halbmond stand auf dem spitzen Thurm der St. Nikolaikirche und fiel dann mit einem Male herunter , und ich wäre auch beinahe gefallen , denn der » Pinguin « streifte eben ziemlich hart die vorspringenden Balken der Schiffbrücke , auf welcher wieder eine schwarze Menschenmenge stand , die aber nicht Hurrah schrie , wie heute Morgen , sondern - wie mir vorkam - auffallend still war , und als ich durch sie hindurch drängte , mich - so schien es - mit wunderlich ernsten Gesichtern anstarrte , so daß mir zu Muthe wurde , als sei irgend ein Unglück geschehen , oder es werde demnächst eines geschehen , und ich selbst hätte irgendwie das Unglück zu Wege gebracht . Ich stand vor dem kleinen Hause meines Vaters in dem schmalen Hafengäßchen . In der Stube zur Hausthür linker Hand schimmerte Licht durch die geschlossenen Läden ; mein Vater war also schon zu Hause - er pflegte um diese Zeit einen einsamen Spaziergang um den Stadtwall zu machen . - War es denn schon so spät ? - Ich zog die Uhr hervor - und suchte bei dem schwachen Schimmer des Mondes - Laternen brannten an Mondscheinnächten in Uselin nicht - zu sehen , welche Zeit es sei . Es war nicht möglich . Pah ! sagte ich , es kommt auf eins heraus ! - und ich ergriff entschlossen den Messingdrücker der Hausthür . Er fühlte sich an wie Eis so kalt in meiner fieberheißen Hand . Drittes Capitel . Als ich die Hausthür hinter mir schloß , trat Riekchen , die seit dem Tode der Mutter dem Vater die Wirthschaft führte , schnell aus dem Zimmerchen rechter Hand . Bei dem Schein des Oellämpchens auf dem weißgescheuerten Flurtisch sah ich , daß die gute Alte die Hände zusammenschlug und mich mit weit aufgerissenen , entsetzten Augen anstarrte . - Ist dem Vater etwas passirt ? sagte ich , indem ich mich an dem Küchentisch fest hielt . Die im Vergleich mit draußen etwas dumpfe Luft des Flures und der Schrecken über Riekchens Angstmiene versetzte mir den Athem und dann strömte mir das Blut so heftig nach dem Kopfe : die Gegenstände im Flur schienen sich mir im Kreise zu drehen . - » Ach , Du Unglückskind , was hast Du angerichtet , « wimmerte Riekchen . » Um Gottes willen , was ist ' s ? « rief ich laut , die Alte bei der Hand fassend . Hier öffnete mein Vater die Thür seines Zimmers und erschien auf der Schwelle , beinahe den ganzen Rahmen ausfüllend , denn die Thür war schmal und niedrig und mein Vater ein starker , großer Mann . » Gott sei Dank ! « murmelte ich . Ich empfand in diesem Augenblicke nichts , als das