daß wir die Bedeutung kennen , die der sechste Hornung für sie hat . Rate nun , damit du doch deinen Ärger über die Zusel einmal aus dem Gesichte bringst , womit wir dem guten Mädchen seinen Namenstag schmückten ? « » Nun , mit was denn ? « » Morgens in aller Frühe , noch bevor sich eine Kuh im Stalle regte , haben wir statt Festbäumchen zwei Besen rechts und links neben der Tür ihrer Kammer auf die Stiele gestellt , um welche statt Blumen duftendes Bergheu gewunden und mit alten Hosenträgern befestigt wurde . Schießen konnte nun freilich keiner von uns , ein gehöriges Namenstagsgerumpel aber hat es denn doch geben müssen ; das hätten wir durchaus nicht anders getan . Wir suchten auf der Rumpelkammer sorgfältig alles Küchengeschirr , welches sie im Laufe des Jahres und seit länger zerschlagen oder unbrauchbar gemacht hatte , und in einem alten , verwetterten Hute befestigten wir es so ob der Türe , daß es laut klirrend niederstürzte , als diese von innen geöffnet wurde . Die Gute hat herzlich gelacht über diese Aufmerksamkeit , die wie eine andere den guten Willen zeigte ; doch du mußt nicht glauben , daß uns der Streich geschenkt geblieben sei . « Jos konnte nicht so herzlich lachen wie Hans , obwohl er sich wenigstens den Schein geben wollte . Er war froh , daß er nun bei dem Gäßchen anlangte , welches zum Hause seiner Mutter hinunterführte . » Also am Dienstag oder vielleicht schon übermorgen will ich kommen « , rief er noch zurück und hätte fast dem Hans eine gute Nacht zu wünschen vergessen . Drittes Kapitel Die Schnepfauerin Jos hatte nun doch wieder einen Dienst . Wenn er seiner Mutter erzählte , wie er dem Krämer und seiner Zusel im Unmute derbe Wahrheiten gesagt habe , so brauchte er auf ihr jammerndes : » Was aber nun ? « nicht mehr verlegen , sprachlos vor ihr zu stehen . Er hatte jetzt eine Antwort , deren er sich nicht zu schämen brauchte . Gewiß hatte die Gute recht , daß sie ihn stets zur Geduld ermahnte . Jetzt gestand er sich das von Herzen gern , denn erst jetzt wagte er , sich ' s recht lebhaft vorzustellen , wie schlimm er nun daran wäre , wenn er keinen Platz hätte . Er dachte dann auch , wie die gute Mutter sich freuen werde , daß nun ihr alter Lieblingswunsch , ihn bei seinem Schulfreund im Dienst zu sehen , noch so schnell und unerwartet erfüllt werden sollte . Das alles malte sich Jos beim Heimgehen aus , um doch auch ein wenig fröhlich zu werden . Doch es war alles beinahe umsonst . Nicht , daß ihm etwa vor der alten Stigerin besonders bange gewesen wäre . Seine Erinnerung freilich hatte nur wenig Erfreuliches von ihr bewahrt , doch damals , als er zuweilen in ihrem Hause spielte , kam ihm manches ganz anders vor , als seit er beim Krämer gewesen war . Wer immer bei der reichen Witwe gelebt und mit ihr verkehrt hatte , wußte nur Gutes von ihr zu erzählen , wenn man sie auch ein wenig stolz oder eher seltsam nannte . Jedenfalls war es neben ihr leicht auszuhalten , Hans war die Gutmütigkeit selbst und Dorothea - gewiß auch . Und doch ! Das liebliche Mädchen hatte er , wie bereits erwähnt , am letzten Faschingsdienstag seit Jahren wieder zum erstenmal gesprochen , und jenes schmerzliche Gefühl , das er von ihr wegnahm , hatte ihn seitdem nie mehr ganz verlassen . Zuweilen nannte er es den Wunsch , beständig neben Dorotheen zu leben und mit ihr zu arbeiten . Vielleicht aber wurde nun jener Abend das Bild seiner nächsten Zukunft . Er sah das Mädchen von keinem der eben Tanzenden beachtet in einem Winkel stehen und suchte sich ihm zu nähern . » Sie ist eine Magd « , dachte er nach der allgemein im Bregenzerwalde geltenden Regel , man solle nur mit gleichen Vögeln zu fliegen versuchen . So scheu , wie wohl fast jedes arme Bürschchen , welches zum erstenmal im Leben auf einem Tanzboden auftreten will , fragte er , ob sie nicht , statt hier beinahe erdrückt zu werden , sich eine Weile mit ihm herumdrehen möchte . » Von Herzen gern « , antwortete ihre klangvolle Stimme so laut und fröhlich , daß viele die Köpfe umdrehten und das errötende Paar entweder neugierig oder freundlich lächelnd anblickten . Es wurde beiden fast angst , doch das währte nicht lange . Das Tanzen ging wie geflogen . Jos dachte nicht mehr an die Umstehenden ; nur noch sie beide waren da und plauderten so viel zusammen , daß das Schneiderlein es vorher so gar nicht für möglich gehalten hätte . Freilich , einem anderen , dem alles Gesprochene erzählt worden wäre , hätte das sicher nicht eben viel Kurzweil gemacht . Man mußte so etwas von Dorotheen selbst hören , die in jedes Wort so gleichsam etwas von ihrem freundlichen Blick , ihrem seligen Lächeln legte und dann wie das liebliche Echo ihres guten Herzens leise und doch so voll und rein erklingen ließ . Nur dann erst konnte man sich eine schwache Vorstellung davon machen , wie schöne Minuten das Schneiderlein am Faschingsdienstag erlebte . Leider waren es nur Minuten , und den neuen Freuden folgten neue Schmerzen schnell nach . Für das arme , scheue Bürschchen stand der Becher der Freude auf zu unsicherer , wankender Unterlage , als daß nicht sofort die darin enthaltene Hefe aufgerüttelt worden wäre , die nun alles verbitterte . Es fehlte gar bald am nötigen Geld , um noch ein Schöpplein einschenken zu lassen , da beim Fortgehen von Hause auf so etwas nicht gerechnet wurde und auch dort nicht gerade viel mehr Bares mitzunehmen gewesen wäre . Schon schlich das arme Jösle , welches noch heute vormittags eine Wirtshausschuld für das Allerschlimmste gehalten hätte , zitternd und bleich