man mancherlei Gedanken haben konnte , und Hans Unwirrsch stellte sich gut dazu an , wenn ihm auch die Kinderfreude an diesem Spielzeug natürlich bald verlorenging . Wer in einem Laden voll Hampelmänner aufwächst , den kümmert der einzelne Hampelmann wenig , sei er auch noch so bunt und zappele er auch noch so sehr . Nach Martini , welcher berühmte Tag leider nicht durch eine gebratene Gans gefeiert werden konnte , begann eine Fabrikation auf eigene Rechnung . Die Base konnte jetzt den größten Nutzen aus ihrem Talent für die plastische Kunst ziehen : sie baute Rosinenmänner auf Weihnachten und für bescheidenere Gemüter Pflaumenkerle . Der erste Bursche letzterer Art , welchen Hans ohne Beihülfe herstellte , machte ihm ein ebenso großes Vergnügen wie dem hoffnungsvollen Kunstjünger die Preisarbeit , die ihm ein Stipendium zur Reise nach Italien verschafft . Der Beginn des Weihnachtsmarktes war für den kleinen Bildner ein großes Ereignis . Mancherlei Gefühle beschreibt der Epiker , indem er auseinandersetzt , daß er sie nicht beschreiben könne : die Gefühle Hansens bei dieser Gelegenheit waren von solcher Art , und mit Wonne trug er die Laterne voran , während die Base auf einem kleinen Handwagen ihre Bank , ihren Korb , ihr Feuerbecken und einen kleinen Tisch zum Markt zog . Die Eröffnung des Geschäftes in dem vor dem schärfsten Wind geschützten Häuserwinkel war allein ein wundervolles Ereignis . Das Zusammenkauern unter dem großen , alten Regenschirm , das Anblasen der Glut in dem Kohlenbecken , das Aufstellen der Handelsartikel , der erste ruhige und doch erwartungsvolle Blick in das Getümmel des Marktes , alles hatte seine herzerschütternden Reize . Der erste Pflaumenkerl , der behandelt , verkauft und gekauft wurde , erweckte einen wahren Wonnesturm in der Brust von Schlotterbeck und Kompanie . Das Mittagessen , welches ein gutwilliges Kind aus der Kröppelstraße in einem irdenen Henkeltopf brachte , schmeckte ganz anders auf dem freien Markt als in der dunkeln Stube daheim ; aber das Beste von allem war doch der Abend mit seinem Nebel , seinem Lichter- und Lampenglanz und seinem verdoppelten Lärmen , Drängen , Stoßen und Treiben . Nicht immer konnte das Kind ruhig auf der Bank neben der Alten sitzen . Bezaubert - verzaubert trotz Kälte , trotz Regen und Schnee , unternahm es Streifzüge über den ganzen Markt und schob als Teilhaber der Firma Schlotterbeck und Kompanie sein Kinn jeder andern Firma mit Bewußtsein und Kritik auf den Verkaufstisch . Um acht Uhr kam die Mutter und holte den jüngern Kompagnon des Hauses Schlotterbeck nach Haus ; aber nicht ohne Widerstreben , Heulen und Zappeln ging das ab , und nur die Versicherung , daß » morgen wieder ein Tag « sei , konnte den kleinen Großhändler bewegen , der Base das Geschäft bis elf Uhr allein zu überlassen . Ein Faktum aus dieser Lebenszeit unseres Helden ist zu berichten . Für den Erlös eines selbstverfertigten Rosinenmannes kaufte er - einen andern von einem Handelshause , welches sich am entgegengesetzten Ende des Marktes etabliert hatte . Ein Zug , der von großer Bedeutung für die künftige Entwicklung des Knaben war . Hans Unwirrsch , welcher die schwarzen Kerle für andere verfertigte , wollte wissen , was für ein Spaß darin liege , solch einen Gesellen selbst zu kaufen . Er ging dem Vergnügen auf den Grund , und natürlich zog er keine Freude aus diesem allzufrühen Analysieren . Als die Pfennige von dem Verkäufer eingestrichen waren und der Käufer das Geschöpf in der Hand hielt , kam die Rene in vollem Maße über ihn . Heulend stand er in der Mitte der Gasse , die verhutzelten Zwetschen von dem Drahte nagend , und zuletzt schleuderte er den Einkauf weit von sich und lief , die bittersten Tränen hinunterschluckend , so schnell als möglich davon . Weder die Base noch die Mutter erfuhren , was aus dem Groschen , wofür man den ganzen Markt hätte kaufen können , geworden war . - Manche Freuden hat der Winter , doch führt er auch die größten Beschwerden mit sich . Mit sehr armen Leuten haben wir es zu tun , und arme Leute leben gewöhnlich erst mit dem Frühjahr und den Maikäfern wieder auf . Hunderttausende , Millionen könnten jene glücklichen Tiere beneiden , welche die kalten Tage bewußtlos und behaglich durchschlafen . Nach der Heiligen Weihnacht , die so gut als möglich gefeiert wurde , kam der Neujahrstag , und nach ihm zogen die Heiligen Drei Könige heran . Die Schatten vieler Gestorbenen begegneten um diese Zeit der Base Schlotterbeck in den Gassen oder traten mit ihr in die Kirche und umschritten den Altar . Nach Mariä Lichtmeß behaupteten einige Leute , daß die Tage länger würden , aber man merkte noch nicht viel davon . Um Mariä Verkündigung jedoch war die Sache nicht mehr zu leugnen ; die Schneeglöckchen hatten sich hervorgewagt , der Schnee hielt sich nicht mehr in der Welt , die Knospen schwollen und sprangen auf , die Nase der Base Schlotterbeck verlor viel von ihrer Röte . Wenn die Mutter in der Frühe jetzt aufstand , so schien die Lampe nicht mehr durch einen frostigen Nebelkreis . Hans Unwirrsch schrie nicht mehr Zeter am Waschnapf , seine Füße brauchten nicht mehr mit Gewalt in die Schuhe gezwängt zu werden . Das Warmsitzen wurde nicht mehr von groben Holzbauern in die Stadt gefahren und um ein » Sündengeld « verkauft . Es kamen die Tage , wo die Sonne es umsonst gab und nicht einmal ein Schön-Dank dafür forderte . Der Palmsonntag war da , ehe man es sich versah , und das Osterfest knüpfte den Kranz , welchen das Fest der Freude , das grünende , blühende , jauchzende , jubilierende Pfingsten dem jungen Jahr auf die Stirn drückte . Die Base Schlotterbeck strickte ihre Strümpfe auf der Bank vor der Haustür , und Hans Unwirrsch beobachtete ernst und scheu den Trödler Freudenstein gegenüber , welcher seinen kleinen Moses , ein kränkliches , mageres , jämmerliches Stück Menschheit