sind so geschmolzen , daß ich mich einschränken muß so viel als möglich ! « Seifert zuckte die Achseln . » Richten Sie sich ein wie Sie wollen , « sagte er , » einmal gehen Sie doch zu Ende und die Hauptfrage bleibt nur , auf welche Weise der möglichste Nutzen daraus zu ziehen ist . Aber wir verstehen uns darin nicht , und ich will Ihnen auch nie eher wieder einen Rath geben , als bis Sie mich bestimmt darum bitten . Jetzt wollen Sie amerikanisches Leben und die Sprache kennen lernen , gut , ich bin Ihr Mann , im Uebrigen folgen Sie Ihrem eigenen Gutdünken . « » Und um welche Zeit findet Ihr Supper statt ? « fragte der Andere , seine Stirne reibend . » Wir können sogleich gehen ! « war die Antwort , » wir holen einen meiner Freunde im Metropolitan-Hotel ab und sind von dort aus rasch an Ort und Stelle - Sie sind natürlich mein Gast , wie ich schon oft genug der Ihre gewesen bin . « Helmstedt ging zum Spiegel , ordnete Haar und Anzug , verschloß dann sorgfältig seinen Koffer und Beide verließen das Haus . In einer der Straßen im obern Theile von New-York , nicht weit ab von Broadway , stand eine Stunde später Seifert in Begleitung seines Landsmannes und eines Dritten vor einem Hause , das sich in nichts von den übrigen Wohnhäusern unterschied , und zog die Glocke . Ein Portier öffnete und ließ sie nach Abforderung ihrer Einlaßkarten passiren . Seifert , der volle Lokalkenntniß zu haben schien , schritt nach dem hintern Theile der Halle voran und öffnete dort die Thür zu einem schwach erleuchteten Zimmer , das eine Art Garderobe vorzustellen schien . Als sie hier ihre Hüte neben mehrere bereits vorhandene ablegten , sah Helmstedt die dritte Person , die bei ihnen war und eben Seifert eine Bemerkung zuraunte , zum ersten Male genauer an , da ihre gegenseitige Vorstellung nur flüchtig und im Halbdunkel des Hotel-Ausganges erfolgt war ; und wenn auch Kleidung und Haltung den Mann aus der fashionablen Welt bezeichneten , so lag doch in diesem Augenblick ein solcher Ausdruck von gemeiner Begierde in seinem Gesichte , und Seiferts Lachen auf seine Bemerkung stimmte so dazu , daß sich Helmstedt eines widerwilligen Gefühls nicht erwehren konnte . In diesem Augenblicke aber flog die Thür des nächsten Zimmers auf , strahlender Lichtschein und helles Lachen brachen heraus , und mit zwei Schritten standen die Ankömmlinge in einem prachtvoll erleuchteten geöffneten Doppelparlor . Die Divans , die ohne besondere Ordnung umherstanden , nahmen zwanglose Gruppen von jungen Männern und lachenden Fraüngestalten ein . Hier kniete Einer und küßte die Hand einer feinen Blondine , während sie kichernd den Ohrenflüstereien eines Zweiten lauschte ; dort auf einem niedern Sessel erwehrte sich ein Anderer kaum der Neckereien dreier weiblicher Kobolde ; weiter hinten saß ein einsames Pärchen und rechts , wo ein offenes Piano stand , bestrebte sich eine junge Dame ihrem Gesellschafter den Polkaschritt zu zeigen , wobei sie hoch aufgeschürzt ihre Pantalettes paradiren ließ . Im Hinterparlor aber stand ein gedeckter , mit Flaschen , Schüsseln und Tellern besetzter Tisch . » Mesdames et Messieurs ! « rief Seifert , neben seine beiden Begleiter tretend und in französischer Sprache fortfahrend , » ich habe die Ehre , Ihnen zwei meiner Freunde , hier , le comte de Helmstedt , der sich unter Ihre Fittige begibt , um Englisch zu lernen , und hier Mr. Baker von Alabama vorzustellen . Beides zwei ausgezeichnete Jungen , die ich Ihrer Fürsorge empfehle . Aber ich sehe mit Bedauern , daß Sie auf uns gewartet haben , und da ich ausersehen bin den Wirth zu spielen , so bitte ich zu Tische zu gehen , damit der Champagner nicht warm wird . « Aller Augen hatten sich bei der Vorstellung den neuen Ankömmlingen zugewandt und hauptsächlich die Blicke der Mädchen nach der noblen Gestalt des » comte « gerichtet . » Zu Tisch ! « rief Seifert aus dem Hinterparlor , der bereits den Kopf einer Flasche bearbeitete ; die Gruppen erhoben sich und eben als Helmstedt überlegte , wie er sich am besten benehme , stand ein schwarzlockiges , blitzäugiges Mädchen vor ihm , das ihm mit einem » s ' il vous plait , Monsieur ! « die Hand reichte und ihn zu Tische führte . - - Am andern Morgen erwachte Helmstedt in seinem Zimmer mit einem Gefühle von bleierner Schwere im Kopfe . Er richtete sich langsam auf und die Erinnerung des vergangenen Abends begann in einzelnen Zügen in ihm aufzudämmern . Er sah seine Tischnachbarin , wie sie ihn in Beschlag nahm , ihm unaufhörlich einschenkte und credenzte , zuletzt aber ihr Glas zu Boden warf und nur aus dem seinigen mit ihm trinken wollte ; wie sie , als ihr Französisch ausgegangen und er ihr Englisch nicht hatte verstehen können , ihn im tollen Uebermuthe bei den Ohren faßte , und in die Backe beißen wollte - er sah das übrige tolle Treiben am Tische , hörte das Knallen der Champagner-Pfropfen und das ausgelassene Gelächter - eine spätere Scene tauchte vor ihm auf , er saß mit der Cigarre im Munde am Piano und spielte eine Quadrille , nach der die wilde Gesellschaft tanzte , Seifert mit Stentorstimme die Touren ausrufend , zwischen jedem Theile aber hatten ihm die ausgelassenen Mädchen bald Wein , bald kalten Ananas-Punsch eingefüllt , - weiterhin verfloß Alles in seiner Erinnerung wie Nebel , und wie er nach Hause gekommen , wußte er gar nicht . - Das war seine erste Unterrichtsstunde im Englischen gewesen . - Langsam und verdrießlich rieb er sich die Stirne und sprang dann aus dem Bette , um durch ein kaltes Kopfbad die Dünste daraus zu vertreiben ; er öffnete seinen Koffer , um reine Wäsche herauszunehmen , stutzte aber , als er den bisher wohlgeordneten Inhalt wild durcheinander gewühlt fand . Einen Augenblick überlegte er