diesen Beschreibungen standen die Pflanzen nach sinnfälligen Linien und , wenn ich mich so ausdrücken dürfte , nach ihrer Bauführung beisammen . Bei den Mineralien , welche ich mir sammelte , geriet ich beinahe in dieselbe Lage . Ich hatte mir schon seit meiner Kinderzeit manche Stücke zu erwerben gesucht . Fast immer waren dieselben aus anderen Sammlungen gekauft oder geschenkt worden . Sie waren schon Sammlungsstücke , hatten meistens das Papierstückchen mit ihrem Namen auf sich aufgeklebt . Auch waren sie wo möglich immer im Kristallzustande . Das System von Mohs hatte einmal großes Aufsehen gemacht , ich war durch meine mathematischen Arbeiten darauf geführt worden , hatte es kennen und lieben gelernt . Allein da ich jetzt meine Mineralien in der Gegend meines Aufenthaltes suchte und zusammen trug , fand ich sie weit öfter in unkristallisiertem Zustande als in kristallisiertem , und sie zeigten da allerlei Eigenschaften für die Sinne , die sie dort nicht haben . Das Kristallisieren der Stoffe , welches das System von Mohs voraussetzt , kam mir wieder wie ein Blühen vor , und die Stoffe standen nach diesen Blüten beisammen . Ich konnte nicht lassen , auch hier neben den Einteilungen , die gebräuchlich waren , mir ebenfalls meine Beschreibungen zu machen . Ungefähr eine Meile von unserer Stadt liegt gegen Sonnenuntergang hin eine Reihe von schönen Hügeln . Diese Hügel setzen sich in Stufenfolgen und nur hie und da von etwas größeren Ebenen unterbrochen immer weiter nach Sonnenuntergang fort , bis sie endlich in höher gelegenes , noch hügligeres Land , das sogenannte Oberland , übergehen . In der Nähe der Stadt sind die Hügel mehrfach von Landhäusern besetzt und mit Gärten und Anlagen geschmückt , in weiterer Entfernung werden sie ländlicher . Sie tragen Weinreben oder Felder auf ihren Seiten , auch Wiesen sind zu treffen , und die Gipfel oder auch manche Rückenstrecken sind mit laubigen , mehr busch- als baumartigen Wäldern besetzt . Die Bäche und sonstigen Gewässer sind nicht gar häufig , und oft traf ich im Sommer zwischen den Hügeln , wenn mich Durst oder Zufall hinab führte , das ausgetrocknete , mit weißen Steinen gefüllte Bett eines Baches . In diesem Hügellande war mein Aufenthalt , und in demselben rückte ich immer weiter gegen Sonnenuntergang vor . Ich streifte weit und breit herum , und war oft mehrere Tage von meiner Wohnung abwesend . Ich ging die einsamen Pfade , welche zwischen den Feldern oder Weingeländen hinliefen und sich von Dorf zu Dorf , von Ort zu Ort zogen und manche Meilen , ja Tagereisen in sich begriffen . Ich ging auf den abgelegenen Waldpfaden , die in Stammholz oder Gebüschen verborgen waren und nicht selten im Laubwerk , Gras oder Gestrippe spurlos endeten . Ich durchwanderte oft auch ohne Pfad Wiesen , Wald und sonstige Landflächen , um die Gegenstände zu finden , welche ich suchte . Daß wenige von unseren Stadtbewohnern auf solche Wege kommen , ist begreiflich , da sie nur kurze Zeit zu dem Genusse des Landlebens sich gönnen können , und in derselben auf den breiten , herkömmlichen Straßen des Landvergnügens bleiben und von anderen Pfaden nichts wissen . An der Mittagseite war das ganze Hügelland viele Meilen lang von Hochgebirge gesäumt . Auf einer Stelle der Basteien unserer Stadt kann man zwischen Häusern und Bäumen ein Fleckchen Blau von diesem Gebirge sehen . Ich ging oft auf jener Bastei , sah oft dieses kleine blaue Fleckchen , und dachte nichts weiter als : das ist das Gebirge . Selbst da ich von dem Hause meines ersten Sommeraufenthaltes einen Teil des Hochgebirges erblickte , achtete ich nicht weiter darauf . Jetzt sah ich zuweilen mit Vergnügen von einer Anhöhe oder von dem Gipfel eines Hügels ganze Strecken der blauen Kette , welche in immer undeutlicheren Gliedern ferner und ferner dahin lief . Oft , wenn ich durch wildes Gestrippe plötzlich auf einen freien Abriß kam , und mir die Abendröte entgegen schlug , weithin das Land in Duft und roten Rauch legend , so setzte ich mich nieder , ließ das Feuerwerk vor mir verglimmen , und es kamen allerlei Gefühle in mein Herz . Wenn ich wieder in das Haus der Meinigen zurückkehrte , wurde ich recht freudig empfangen , und die Mutter gewöhnte sich an meine Abwesenheiten , da ich stets gereifter von ihnen zurück kam . Sie und die Schwester halfen mir nicht selten , die Sachen , die ich mitbrachte , aus ihren Behältnissen auspacken , damit ich sie in den Räumen , die hiezu bestimmt waren , ordnen konnte . So war endlich die Zeit gekommen , in welcher es der Vater für geraten fand , mir die ganze Rente der Erbschaft des Großoheims zu freier Verfügung zu übertragen . Er sagte , ich könne mit diesem Einkommen verfahren , wie es mir beliebe , nur müßte ich damit ausreichen . Er werde mir auf keine Weise aus dem Seinigen etwas beitragen , noch mir je Vorschüsse machen , da meine Jahreseinnahme so reichlich sei , daß sie meine jetzigen Bedürfnisse , selbst wenn sie noch um vieles größer würden , nicht nur hinlänglich decke , sondern daß sie selbst auch manche Vergnügungen bestreiten könne , und daß doch noch etwas übrig bleiben dürfte . Es liege somit in meiner Hand , für die Zukunft , die etwa größere Ausgaben bringen könnte , mir auch eine größere Einnahme zu sichern . Meine Wohnung und meinen Tisch dürfe ich nicht mehr , wenn ich nicht wolle , in dem Hause der Eltern nehmen , sondern wo ich immer wollte . Das Stammvermögen selber werde er an dem Orte , an welchem es sich bisher befand , liegen lassen . Er fügte bei , er werde mir dasselbe , sobald ich das vierundzwanzigste Jahr erreicht habe , einhändigen . Dann könne ich es nach meinem eigenen Ermessen verwalten . » Ich rate dir aber , « fahr er fort , » dann nicht nach einer größeren Rente zu