umspielt ein mildes Lächeln . » Auf Seele , Ritter « , fährt man fort , » es scheint Ihnen etwas Ungewöhnliches passiert zu sein ! « Schnapphahnski reckt einmal alle Glieder . Eine halbe Stunde verstreicht so , da hat der Ritter die Aufmerksamkeit seiner liebenswürdigen Umgebung bis aufs höchste gesteigert ; aufs neue bestürmt man ihn mit Fragen , er kann nicht mehr widerstehen , und gleichgültig wirft er die Worte » die vorige Nacht « - » bei Carlotta « hin , und rings entsteht das freudigste , interessanteste Erstaunen ! Man sieht , die Aventüren unseres Ritters werden immer delikater . Zuerst eine wirkliche Liebschaft , die zwar mit der erbärmlichsten Pointe schließt , deren eine Liebschaft fähig ist , die aber wenigstens bis zum Augenblick der Pointe alle süßen , schauerlichen Phasen durchmacht und den Eindruck bei uns zurückläßt , daß es dem edlen Ritter wenigstens einmal in seinem Leben gelang , eine Frau zu erobern und ein Herz zu besitzen . Schade , daß die Stöcke der Lakaien des Grafen S. sich an dieses erste Abenteuer reihen ! Dann die zweite Aventüre . Sie drehte sich ebenfalls um das schöne Geschlecht . Der Ritter besitzt aber schon nicht mehr , nein , er intrigiert nur . Die Sache läßt sich aber trotzdem noch hören , weil ein Duell daraus entsteht , ein Duell mit einem Grafen G. , einem wahren Eisenfresser , ein Duell mit krummen Säbeln , und wir sind schon auf dem Punkte , uns mit der Geschichte zu versöhnen , als plötzlich jene erbauliche Wendung mit einem halben Dutzend nasser Sacktücher eintritt und wir nur zu sehr fühlen , daß der Ritter eine bedeutende Stufe gesunken ist . Doch ach , jetzt die dritte Affäre mit Carlotta ! Zu dem Ekel , den uns das galante Malheur Sr. Hochgeboren verursacht , gesellt sich der bedauerliche Eindruck der gewöhnlichsten Lügen , der blassesten Renommage . Wir sehen den Ritter auf dem Diwan liegen , umringt von jungen Offizieren , den physischen Katzenjammer der Liebe heucheln - und es wird uns traurig zumute ! Aber so war es . Wer weiß , inwieweit es Herrn von Schnapphahnski gelungen wäre , seine Umgebung zu täuschen und jenes selige Ermatten einer glücklichen Nacht täuschend nachzuahmen , wenn sich nicht plötzlich der süße Adonis Carlottens an der andern Seite des Salons emporgerichtet und den renommierenden Ritter , seiner erbärmlichen Lüge wegen , ohne weiteres auf Pistolen gefordert hätte . Was sollte unser Ritter tun ? Er fühlte , daß er wieder einmal eine Stufe sinken müsse ; er wußte aus eigener Erfahrung , daß er im Duell eben kein Heros war , und die Lust des Lebens und die Hoffnung einer besseren Zukunft in Erwägung ziehend , entschloß er sich daher , eine gute Miene zu dem bösen Spiel zu machen und in Gegenwart sämtlicher Offiziere die schriftliche Erklärung abzugeben , daß er der gröbste Lügner sei und aufrichtig bedauere , die Reize der schönen Carlotta durch das Manöver mit dem leeren Wagen auf so unnötige Weise verdächtigt zu haben . Diese Erklärung des berühmten Ritters Schnapphahnski befindet sich noch heutigen Tages in dem Archiv eines der Berliner Gardeoffizierkorps . IV Die Diamanten Treue Freunde des Ritters Schnapphahnski , bedauern wir mit ihm die harte Prüfung , die das Schicksal infolge jenes bekannten Abenteuers mit der göttlichen Carlotta über ihn verhängte . Die Moral der Geschichte war , daß weder mit einem schönen Frauenzimmer noch mit einem Gardeoffizier zu spaßen ist und daß man nicht den Wüstling und den Bramarbas herausbeißen soll , wenn man wirklich nur ein so unschädlich liebenswürdiger Mann wie der Ritter Schnapphahnski ist . Der Adonis Carlottens , der Gardelieutenant v.W.-M. , dessen tugendhafte Entrüstung wir nicht genug anerkennen können , war schuld daran , daß unser Ritter für einige Zeit die Einsamkeit suchte , um in stillen Betrachtungen jene Ruhe des Gemütes wiederzufinden , die er auf so leichtsinnige Weise verscherzt hatte . Zu der Furcht vor den Lakaien aus O. und zu den unangenehmen Erinnerungen aus Troppau gesellte sich nun noch die Angst vor dem verhängnisvollen Dokumente der Berliner Offiziere , und wir brauchen wohl nicht zu versichern , daß das eine oder das andere manchmal sehr störend auf die Morgenträume unseres Helden einwirkte . Der jugendlich kühne Flug unseres Ritters war gelähmt ; wie mancher andere ehrliche Mann fühlte er allmählich , daß er dem Straßenkote näher war als den Sternen und daß der schöne schwarze Schnurrbart vielleicht das beste an dem ganzen Menschen sei . Diese und ähnliche melancholische Gedanken waren indes nur vorübergehend ; der Ritter war von zu guter Rasse , als daß er das Leben nicht von der heitersten Seite aufgefaßt hätte . Mag es dir noch so schlecht gehen , sagte er oft zu sich selbst , zum allerwenigsten kannst du doch noch immer ein ausgezeichneter Diplomat werden ! Dies tröstete Herrn v. Schnapphahnski . Wir werden später sehen , wie unser Ritter diesen diplomatischen Gelüsten wirklich Luft machte . Ehe wir dazu übergehen , wollen wir ihm noch etwas durch die labyrinthischen Gänge seines Berliner Daseins folgen . Wie gesagt , durchlebte der Ritter nach seiner letzten Prüfung eine Periode der Erniedrigung . Zuerst liebte er eine Gräfin , dann eine Carlotta , jetzt sollte er unter das Corps de Ballet geraten - - zwei leidliche Beine hatten Eindruck auf unsern Ritter gemacht . Wir bitten unsere Leser wegen dieser ungemeinen Wahrheitsliebe aufs demütigste um Verzeihung . Die Beine des Balletts waren damals in Berlin en vogue . Der höchste Geschmack hatte sich dazu herabgelassen , und wir würden ein Verbrechen begehen , wenn wir nachträglich darüber spötteln wollten . Übrigens schwärmen wir selbst für den Tanz . Gibt es etwas Reizenderes als die süße Musik der Schenkel ? Gibt es etwas Berauschenderes , als wenn eine Fanny Elssler ihre Bachschen Fugen , eine Taglioni ihre Beethovenschen Symphonien und eine Grisi ihre weichen , wollüstigen Donizettischen Arien tanzt ? Jedesmal , wenn ich