durch ihre eigene Unvorsichtigkeit hervorgerufen und schwebte eine Secunde in wirklicher Angst um den Fürsten , denn sie wußte , daß der Pater stets bewaffnet war . Jetzt aber hatte sie ihren Gleichmuth so völlig wiedergefunden , daß sie vortrefflich die Erstaunte zu spielen im Stande war . - Nun - sagte sie mit gekränktem Tone - wahrhaftig , Felix , ich weiß nicht , ob ich Ihre Angst lächerlich oder beleidigend finden soll . Sie erzählen mir mit der geheimnißvollsten Miene von der Welt Dinge , die mir längst bekannt sind und gerathen , als ich anfange , Ihr Vertrauen zu erwiedern , außer sich , glauben sich belauscht , verrathen . - Habe ich mich in Ihr Vertrauen einzudrängen gesucht ? Jämmerliche Schwachheit der Männer , die nur mit Zittern etwas wagen , und wenn sie es gewagt haben , von Angst und bösem Gewissen gefoltert werden . - Verzeihen Sie , Alice . - Was Sie mir zeigten , überraschte mich , um so mehr als mir die Handschrift nicht bekannt dünkte . Doch lassen wir das , ich will nicht indiskret sein , empfehle Ihnen jedoch die höchste Vorsicht . Diesen Brief - fuhr er fort , indem er auf die vor ihm liegenden Briefe wies - geben Sie nicht eher ab , als bis Sie den Ausbruch der Revolution in Wien durch die Zeitungen erfahren haben . Der Prinz - Alice warf in diesem Augenblicke , unbemerkt vom Fürsten , abermals einen raschen Blick auf die Vorhänge , und lächelte , als eine neue Bewegung derselben ihre Vermuthung bestätigte - der Prinz ist in Berlin und wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Truppen selbst befehligen wollen . Es ist jedoch nothwendig , daß dies nicht geschieht , weil - möge nun der Ausgang sein , welcher er wolle - er nicht eher in den Conflict gezogen werden darf , bis sein Interesse mit dem des Königs selbst in Conflict geräth . Ich kann Ihnen daher offen sagen , daß dieser Brief bezweckt , den Prinzen zur vollständigsten Neutralität aufzufordern . Er ist datirt vom 16. März , und kann demnach schon - wenn es nöthig ist - am 18. in seine Hände gelegt werden . Nicht wahr , ich bin von Ihnen vollkommen verstanden ? - - Vollkommen . - Und Sie werden meine Bitte erfüllen ? Alice besann sich eine kurze Zeit . Darauf sagte sie mit festem Tone , indem sie dem Fürsten die Hand reichte : Ja . - Gut , das wäre abgemacht . Nun kommt der letzte , aber auch der wichtigste und vielleicht für Sie , als Weib , der schwierigste Punkt . Der Fürst machte hier eine Pause , als sei er unschlüssig , in welche Worte er diesen letzten Auftrag kleiden sollte . Endlich sagte er zögernd : Sind Sie im Voigtlande3 bekannt ? - Alice erbleichte und konnte sich einer Bewegung nicht erwehren , die dem Fürsten ein abermaliges Schweigen auferlegte . Alice erhob sich und sagte rasch , indem sie mit der einen Hand nach der Uhr zeigte , während sie mit der andern dem Fürsten einen Schlüssel überreichte . Verzeihen Sie meine Schwäche , Felix . Ich fühle mich unwohl . Auch bin ich der Ruhe bedürftig , da ich früh Morgens mich schon auf die Reise begeben muß . Leben Sie denn wohl , ich werde Ihre übrigen Aufträge getreulichst erfüllen . - Der Fürst war bestürzt und schien nicht übel Lust zu einer abermaligen Untersuchung des Alkovens zu haben . Aber der Blick Alicens dominirte ihn . Er steckte den Schlüssel zu sich , prägte sich die auf der Uhr angezeigte Stunde ein und verließ mit hastigen Schritten das Gemach . IV Lydia war , als sie Alicens Zimmer verlassen , nach dem ihrigen gegangen , um - wie Alice richtig vermuthet hatte - zu beten . Das arme Kind war unmittelbar nach der fürchterlichen Katastrophe , die der Leser aus der mit ihrem Namen betitelten Erzählung kennt , in eine tiefe Apathie gefallen , welche sie gegen Alles , was sie umgab , selbst gegen Alicens aufopfernde Freundlichkeit , fast gänzlich unzugänglich machte . Aber Alice wußte diese Stimmung eines gebrochenen Herzens zu würdigen . Aufopferungsfähig und liebenswürdig , wie sie überall da war , wo ihre Empfindung wirklich angeregt wurde , widmete sie während der ersten Monate ihrer gemeinsamen Reise der unglücklichen Freundin und Leidensschwester ihre ganze Theilnahme , bis sie in Paris die Bekanntschaft Lichninsky ' s machte , und dadurch in kurzer Zeit in das Gewirre des politischen Lebens hineingezogen wurde . Es entging ihr nicht , daß der Fürst ihre unglückliche Freundin » bemerkt « hatte . Sie seinen Augen und Wünschen zu entziehen , beschloß sie aus doppelter Rücksicht , für sich selbst wie für Lydia . Sie reiste deshalb mit ihr nach Straßburg zu einer Freundin , wo nun Lydia unter angenommenen Namen ruhig und harmlos ihren Erinnerungen und - bald auch einer - neuen Liebe lebte . Aber der Fürst hatte seine Absichten auf die schöne Freundin Alicens nicht aufgegeben . Einer seiner Kundschafter wurde in Straßburg durch einen Zufall auf sie aufmerksam . Die Arme schien in der That vom Schicksal dazu ausersehen , die Gewalt der Liebe nur aus der Qual und den Schmerzen , welche sie spendet , kennen zu lernen . In Straßburg blühten die Rosen ihrer Wangen wieder auf - sie begann sich mit dem Leben auszusöhnen , denn es war die Liebe wieder in ihre kindliche Brust gezogen . - Da plötzlich streckte der Verrath seine Hand aus gegen die süße Liebeswelt - und sie stürzte wie ein Kartenhaus zusammen . - Lydia verschwand plötzlich aus Straßburg . - Alice erfuhr es durch ihre Freundin früher , als selbst der Fürst durch seine Spione . Schnell entschlossen reiste sie der Flüchtigen entgegen . In einer kleinen französischen Stadt , wenige Meilen von Paris entfernt , traf sie den Entführer . So war zwar die Unglückliche gerettet , aber zugleich