junger Mann auf dem weichen Sopha bequem und schief ausgestreckt . In der einen feinen , weißen Hand hielt er eine glimmende Cigarre , mit der andern , an der ein kostbarer Siegelring blitzte , hielt er die Blätter eines Romanes , der vor ihm aufgeschlagen auf dem Tisch lag und in dem er eifrig las . Der junge Mann hatte eines jener Gesichter , deren ganzer Ausdruck in den Augen ruht ; wenn sie mit diesen vor sich nieder sehen , so ist das ganze Gesicht höchst unbedeutend , sind dieselben aber gerad aus oder aufwärts auf irgend einen Gegenstand gerichtet , so genügen sie allein , den , dem sie gehören , schön und interessant zu machen . Die Augen des Lesenden waren von einem dunklen Braun , aber so glänzend und hell bei dieser tiefen Dunkelheit , daß man oft nicht wußte , ob man sie licht oder dunkel nennen sollte . Lange Wimpern beschatteten sie , und gaben ihnen einen schwärmerischen Ausdruck . Die braunen Haare fielen zu beiden Seiten des blassen Gesichtes in leichten Wellenlinien , ringsum in gleicher Länge die Halsbinde berührend , herunter , ein kleiner Bart umgab den Mund , um welchen ein verächtliches Lächeln spielte . Eine malerische Unordnung herrschte in der Stube . Bücher lagen auf den Stühlen , ja hie und da auch darunter . Leere Cigarrenkistchen standen auf einem Bücherbreie , und mancher gelbe Glacehandschuh steckte seine fünf Finger aus einem Winkel des Schreibtisches , wie bedenklich drohend , hervor . Ein feiner schwarzer Filzhut saß verwegen genug auf einer weißen Büste Göthes , und eine gefüllte Geldbörse lag zu den Füßen einer niedlichen Statuette der Taglioni . Auf einem Seitentisch lagen Briefe , Visitenkarten , Journale u.s.w. wirr genug durcheinander . An den Fenstern hingen mehrere zierliche Diophonieen von Porzellan , an den buntgemalten Wänden hingen einige werthvolle Stahlstiche in goldenen Nahmen und manche niedliche Stickerei , die als irgend ein brauchbares Meubel diente . Luxus und Nachlässigkeit , die doch immer noch geschmackvoll und , wenn man will , ästhetisch blieb , reichten einander in diesem Zimmer die Hand . Sein Bewohner war Graf Jaromir von Szariny . - Die Thüre ward geöffnet , und ein junger Mann trat herein . Er war ziemlich lang und blond , hatte sehr lichte Augen , und sah überhaupt sehr farblos und sehr langweilig aus . Es war Baron von Füßli . Die Herren begrüßten einander heiter und freundschaftlich , und Szariny entschuldigte sich leichthin , daß er noch nicht zum Ausgehen fertig sei , indem er die Zeit unbeachtet habe verstreichen lassen . Er schritt darauf zur Vollendung seiner Toilette , während sich Füßli in den Lehnsessel am Fenster warf und gähnend sagte : » Aber , mein Bester , wissen denn auch Sie gar nichts Neues ? « » O , ich sage Ihnen , diese Residenz ist eines der langweiligsten Nester , die ich kenne , selbst auf dem Gute meines Oheims war es nicht langweiliger , und Berlin würde ich im Leben nicht verlassen haben , wenn nicht Bella auf den wahnsinnigen Einfall gekommen wäre , sich hier engagiren zu lassen - und ganz aufrichtig gestanden , auch sie fängt jetzt an mich zu langweilen . - Wäre sie nur noch einige Monate in Berlin geblieben , so war meine Leidenschaft ruhig abgekühlt , und ich hätte sie ruhig reisen lassen , statt daß ich den dummen Streich machte , ihr zu folgen . Sechs Wochen bin ich nun schon hier ! Und warum ? Um mich so zu langweilen , daß mir diese sechs Wochen wie eben so viel Monate , - ach , was sage ich , eben so viel Jahre erscheinen . « » Nun , « versetzte Jener , » ich fange seit Kurzem an , mir einiges Amüsement zu versprechen . Neulich im Theater hab ' ich ein bildhübsches , muntres Mädchen gesehen , von dem ich jetzt weiß , daß es eine Pensionärin des Nollin ' schen Instituts ist . Sie war jugendfrisch , wie eine Obstbaumblüthe , hatte blitzende Augen , die sich munter und keck nach allen Seiten drehten , lebendige Beweglichkeit - kurz , ich glaube ein muntres Fischlein , das leicht zu fangen - und wenn es dann an meiner Angel hängt - wer weiß , im Nollin ' schen Institut sind nur reiche Mädchen - - « » Wahrhaftig , Sie amüsiren mich - ein hübsches Kind gefällt Ihnen auf dem ersten Anblick , und Sie knüpfen sofort weitläufige Combinationen daran , welche bis zum Traualtar gehen . - Alle Liebesverhältnisse arten in Langeweile aus - aber bis zur Langeweile des ehelichen Lebens nein , dahin soll es mit mir nicht kommen , daran können auch Sie nicht ernsthaft denken ! « Der Baron sagte achselzuckend : » Je nun , eine reiche Partie ist oft das einzige Mittel , einige finanzielle Lücken auszufüllen - man spielt eine neue Rolle in der Welt , wenn man das eigne Haus zum Mittelpunkt glänzender Feste machen kann . - Und was wollen Sie ? Eine fashionable Ehe lös ' t doch nur ein Liebesverhältniß auf - das , welches wir mit unsrer Gattin hatten , bevor sie solche war - jedes andere wird dann nur um so pikanter . « Jaromir lachte und sagte dann kopfschüttelnd : » Dann wählen Sie nur kein harmloses , unschuldiges Mädchen , sondern eine Kokette , die mit Ihren Grundsätzen übereinstimmt - sonst sollte mir das arme Wesen leid thun . Zu einer solchen Scheinehe bin ich zu stolz , zu stolz , einem Wesen meinen Namen zu geben , dem ich nicht für immer mein Herz zu geben gedenke - und da mich dieser Jugendwahn nicht mehr befallen kann - so bleibt es denn bei meinem Entschlusse . « » Aber es ist göttlich ! « rief der Baron mit lautem Lachen . » Wie wir hier über Sein und Nichtsein der Heirath philosophiren , während wir uns doch