» Sagte ich das , meine Freundin ! Aber sintemal jedes Ding zwei Seiten hat , und alles Irdische dem Wechsel unterworfen ist , also sind es auch unsere Handlungen und Pflichten , und wir von der Vorsehung angewiesen , auch die andere Seite in ' s Auge zu fassen , ehe wir urtheilen . « » Sie trocknen aber schon . Hans Jürgen steht bei der Leine Wacht , « sagte die Frau von Bredow , die wirklich nicht wußte , was sie sagen sollte . - » Was soll ' s nun aber , Herr Dechant ! « » Nur uns erinnern , meine Freundin , daß wenn wir Jemand etwas verstecken sehen , ehe wir ihn darum verdammen , uns zu bedenken , ob wir nicht selbst etwas Anderes versteckt halten , erinnern , daß die Sünde uns Sterbliche von allen Seiten anschleicht , und daß , was auf dieser Betrug scheint , auf jener Fügung in Gottes Willen ist ; daß diese Fügung uns aber als letztes Ziel vor Augen schweben muß bei allen unsern Wegen , und daß , wenn wir mit allen den Kräften , so der Herr uns gab , in guter Absicht auf das Ziel losgehen , eine christliche Frau noch nicht zu denken braucht , daß wir auf des Teufels Buckel dahin reiten . « Das war nun wohl der Frau von Bredow verständlich , aber wo es hinaus sollte , doch noch nicht ganz . Ihre Frage verrieth es : » Wenn ' s Sünde war , ich meine , das von der Seite , soll ich ' s denn meinem Götz sagen ? « Der Dechant faßte vertraulich ihre Hand und klopfte mit seiner darauf ! » Ich meine , wir bleiben vorläufig auf der anderen Seite stehen . « » Aber mit Küchenroth soll ich sie nicht wieder bestreichen ? « » Wenn das die Täusch - ich wollte sagen den stillen Glauben unseres Herrn Gottfried länger erhält , warum nicht . « » Doch die Eva - das Kind , mein ' ich - ob die den Vater - « » Sie wird doch nichts ausplaudern ! Wenn meine Freundin es ihrem kindlichen Sinne nur recht vorstellt - « » Was ? « » Ei nun , « - der Dechant hatte den Arm der Edelfrau in den seinigen gelegt , um sie nach dem Lager zurückzuführen , wo es laut wurde - » das wird meine Frau von Bredow am besten wissen , wie man den Sinn eines Kindes über kleine Bedenklichkeiten hinüberführt zu seiner höheren Pflicht gegen die Eltern , ich meine zumal gegen die Mutter . « Drittes Kapitel . Die Waschbank . Auch die Sonne hat ihre Flecken , auch die beste Haushaltung ihre Mängel , und was wir glauben , daß es ganz in der Richte sei , mag unmerklich wo einen kleinen Stoß bekommen haben , und der Bau wird schief . Frau Brigitte Bredow meinte , es sei Alles in Ordnung , weil sie Alles geordnet und Jeden auf seinen Platz gestellt . Aber sie hatte sich darin verrechnet , daß auch der wachsamste Wächter einmal einschlafen kann und daß der beste Mensch ein Mensch bleibt . Und wer giebt denn einem Gebietiger , ob er über ein Königreich das Regiment hat oder über eine große Herbstwäsche , das Recht , daß er nur gute und tüchtige Leute unter sich habe . Die Welt ist bunt ; wir müssen sie nehmen wie sie ist . Zwischen Riesen und Zwergen ist die Auswahl , und die Krummen und Lahmen , die Tauben und Blinden gehören auch dazu . Der Meister über eine große Arbeit zeigt sich darin , daß er Jeden hinstellt , wo er hingehört und Jeden zu nutzen weiß nach seiner Kraft und nach seiner Schwäche . Hans Jürgen ist zu nichts gut ! Darum hatte man ihn hingestellt auf die äußersten Sandhügel am Fließ , wo der Wind am schärfsten wehte . Da sollte er Acht haben . Worauf ? - Wie hatten alle den armen Hans Jürgen ausgelacht und ihm den Rücken gedreht ! Der arme Hans Jürgen ! Er hatte doch schon sechszehn Sommer hinter sich , ach nein , er zählte nach Wintern und war eines Edelmannes Sohn , eines Edelmannes , so gut als Einer in den Marken zwischen Elbe und Oder , und doch sagten die Leute auf Hohen-Ziatz , er sei zu nichts gut , und hier mußte er Wache stehen vor einem Stück alten Leders , das wie ein Galgenmann zwischen zwei Kiefern hing . Fünf Fuß war er hoch und noch einen Zoll darüber , stark genug , eine junge Buche mit den Wurzeln auszureißen ; auf das Fohlen in der Koppel könnte er sich werfen und wenn die Frau es gebot , ritt er drei Meilen ohne Sattel , um zur Sippschaft eine Botschaft zu tragen . Sein Auge war wie der Luchs , sein Bolzen traf den Vogel im Fliegen , und über Hecken und Gräben setzte er ohne Anlauf , und doch wollten sie ihn nicht ritterlich aufziehen , wie seines Standes war . Der alte Herr Gottfried sagte zwar wenn er brummig war , mit den Rittern sei es aus ; wozu sich die Sporen verdienen , da es keine Sporen mehr gebe . Aber warum ließ er Hans Jürgens Vetter , den Hans Jochem , der war nicht schlechter und nicht besser von Geburt , reiten lehren , und tanzen in Brandenburg und nahm ihn auch zum Ringelrennen mit , wo es eines gab ; ja zu einem Tournier nach Meissen hatte der alte Herr ihn ein Mal geschickt mit seinem Verwandtten , dem edlen Herrn von Lindenberg , daß er sich dort umschauen solle , was gute Sitte sei . Hans Jürgen war eine Waise ; aber Hans Jochem war ja auch ohne Vater und Mutter . Herr Gottfried und sein Eheweib hatten beide Kinder , ihre Vettern , zu sich genommen in ihr