ihrer Erscheinung und fiel deshalb nicht als etwas Besonderes an ihr auf . Alfred war gewiß , eine Frau aus den höhern Ständen in ihr zu sehen , denn in ihrem Betragen gegen ihre jüngere Freundin lag das sichere Bewußtsein einer Selbstständigkeit , die dieser zum Schutze diente . Eva war sehr klein und das rosigste Bild der Jugend . Noch heller blond als Therese , hatte sie schöne blaue Augen , die übermüthig froh in die Welt blickten . Ihre kleine Stumpfnase , die üppigen Lippen waren nicht gerade regelmäßig schön , aber das ganze Gesicht so voll blühenden Lebens , daß man es , mit den tiefen Grübchen in Wange und Kinn , höchst reizend finden mußte . Auch war die muntere Eva es , die zuerst eine Unterhaltung begann . Es bleibt immer ein mislich Ding , sagte sie , wenn Frauen allein reisen . Wie leicht entsteht ein Unfall und dann steht man hilflos da . Und doch warst Du es gerade , die sich sehr darauf freute , ohne männliche Begleitung zu sein , die sogar mit der Schnellpost und ohne Diener reisen wollte , entgegnete Therese . O ! das war nur ein Einfall , eine Laune , weil mein Mann immer behauptete , Frauen könnten und dürften sich nicht allein auf Reisen begeben . Ihr Mann ? fragte Alfred verwundert , der sie für ein Mädchen gehalten hatte . Mein verstorbener Mann , ich bin Witwe ! erklärte Eva mit so viel Wehmuth und Würde , als sie in sich erzwingen konnte . Sie sah dabei aber so schalkhaft aus , daß Alfred und ihre Freundin wider ihren Willen lächelten . Sie haben , nahm die Letztere das Wort , uns Ihren Beistand angeboten , Herr von Reichenbach , dessen wir , wie ich besorge , nöthig haben werden ; Sie müssen also doch erfahren , wer wir sind . Meine Freundin ist Frau von Barnfeld , die Wittwe des Majors von Barnfeld , und ich - sie hielt inne , sah Alfred freundlich an und fragte : Erinnern Sie sich meiner nicht , habe ich mich denn so sehr verändert ? Therese , Fräulein von Brand ! rief Alfred lebhaft . Es ist mir unerklärlich , daß ich Sie nicht gleich erkannte ; mir war der Ausdruck Ihrer Augen doch so deutlich in der Seele geblieben , und ich hatte Ihrer erst neuerdings sehr oft gedacht . Ich erkannte Sie gleich , sagte Therese , indem sie dem alten Freunde die Hand bot , obgleich wir uns mehr als zehn Jahre nicht gesehen haben ; denn so lange ist es sicher her , seit wir uns in Berlin einst trennten . Gewiß , antwortete er . Als ich drei Jahre später dorthin zurückkehrte , war Ihre verehrte Mutter schon gestorben , Julian an den Rhein versetzt und Sie ihm dorthin gefolgt . Nun hoffe ich ihn in Berlin zu finden . Er ist augenblicklich nicht dort . Er hat diesen Sommer eine große Reise gemacht , von der er erst in diesen Tagen wiederkehren soll . Deshalb habe ich Frau von Barnfeld überredet , mit mir aus dem Seebade auch etwas früher nach Berlin zu gehen , damit Julian mich , wenn er kommt , schon wieder häuslich eingerichtet und in Ordnung findet . Von beiden Seiten freute man sich des unerwarteten Begegnens . Fragen und Antworten folgten einander schnell . Sie waren so lange getrennt gewesen , daß sie viel nachzuholen hatten . Therese fragte , was Alfred nach Berlin führe , ob er lange dort verweilen werde ? Er antwortete , daß sein Sohn in dem Alter sei , in welchem Schulbesuch für ihn zum Bedürfniß werde , und daß die Erziehung seines Knaben es ihm wünschenswerth mache , künftig in Berlin zu leben . Das ist schön , Herr von Reichenbach , das wird Julian sehr glücklich machen , sagte Therese . Hoffentlich kehren uns dadurch die guten Stunden wieder , in denen wir uns zuerst Ihrer Arbeiten erfreuen durften . Ich war freilich damals kein zuverlässiger Richter , bin es wohl auch jetzt noch nicht , doch machte es mir große Freude , wenn Sie mich fragten : Ist es so gut ? habe ich ' s so recht gemacht ? Und Sie haben mir immer den rechten Weg gewiesen , weil Ihr angeborner Schönheitssinn immer das Wahre und Schöne herausfand ! Es war mit die glücklichste Zeit meines Lebens , und ich habe nie mit größerer Lust neue Arbeiten gelesen , als vor Ihrer Mutter , vor Ihnen und vor Julian . Wir haben recht frohe Stunden miteinander verlebt , sagte Alfred freundlich . Bis dahin hörte Eva ruhig zu , dann aber ertrug sie es nicht länger , untheilnehmend bei einer Unterhaltung sein zu müssen , und rief : O , bitte ! kommen Sie ein wenig aus der alten Vergangenheit in die Gegenwart zurück , zu der ich auch gehöre . Ich möchte Ihnen danken , Herr von Reichenbach , für den Genuß , den mir Ihre Werke gewährt haben . Mir ist , obgleich ich Sie nie vorher sah , als ob ich in Ihnen auch einen alten Bekannten wiederfände . Das ist das Schöne in dem Leben eines Dichters , daß er sich Freunde erwirbt in weitester Ferne , wenn es ihm gelingt , jene Saiten zu berühren , die in jeder Brust wiederklingen . Wir senden die Empfindungen unseres tiefsten Innern als Gruß der Menschheit zu , und sie beantwortet ihn mit offnem Herzen , mit freundlichem Willkommen , wie Sie , meine gnädigste Frau ! Das ist eine große Freude , haben Sie Dank dafür , sagte Alfred . Bald darauf erreichte man das Dorf , fand , wie man es erwartet hatte , kein genügendes Fuhrwerk und fügte sich mit guter Art in Alfred ' s Anerbieten . Die Diener beider Herrschaften blieben zurück ; man legte ein drittes Pferd vor die Kalesche , das der Postillon bestieg , die