, sonnenheller Luft , die man kaum gewahr wird , und die ohne Rauch ihr Opfer verzehrt . So wird mir ' s auch gehen : mein Leben lang werde ich lustig in die Lüfte flackern , und die Leute werden nicht wissen , woher sich diese Lust schreibt ; es ist nur , weil ich weiß , daß , wenn ich zu ihm komme , er allein mit mir sein will und alle Lorbeerkränze vergißt . Leb Sie wohl und schreib Sie ihm von mir . Goethes Mutter an Bettine Frankfurt , am 12. Mai 1808 Liebe Bettine ! Deine Briefe machen mir Freude , und die Jungfer Lieschen , die sie schon an der Adresse erkennt , sagt : » Fr . Rat , da bringt der Briefträger ein Pläsier . « - Sei aber nicht gar zu toll mit meinem Sohn , alles muß in seiner Ordnung bleiben . Das braune Zimmer ist neu tapeziert mit der Tapete , die Du ausgesucht hast , die Farbe mischt sich besonders schön mit dem Morgenrot , das überm Katharinenturm heraufsteigt und mir bis in die Stube scheint . Gestern sah unsre Stadt recht wie ein Feiertag aus in dem unbefleckten Licht der Alba . Sonst ist noch alles auf dem alten Fleck . Um Deinen Schemmel habe keine Not , die Liese leidet ' s nicht , daß jemand drauf sitzt . Schreib recht viel , und wenn ' s alle Tag wär , Deiner wohlgeneigten Freundin Goethe Frau Rat ! Schlangenbad Wir sind gestern auf Müllereseln geritten , weit ins Land hinaus über Rauenthal hinweg . Da geht ' s durch bewaldete Felswege , links die Aussicht in die Talschlucht und rechts die waldige emporsteigende Felswand . Da haben mich dann die Erdbeeren sehr verlockt , daß ich schier um meinen Posten gekommen wär , denn mein Esel ist der Leitesel . Weil ich aber immer Halt machte , um die Erdbeeren zu pflücken , so drängte die ganze Gesellschaft auf mich ein und ich mußte tausend rote Beeren am Wege stehen lassen . Heute sind ' s acht Tage , aber ich schmachte noch danach , die gespeisten sind vergessen , die ungepflückten brennen mich noch auf der Seele . Eben drum würde ich ' s ewig bereuen , wenn ich versäumte , was ich das Recht habe zu genießen , und da braucht Sie nicht zu fürchten , daß ich die Ordnung umstoße . Ich häng mich nicht wie Blei an meinen Schatz , ich bin wie der Mond , der ihm ins Zimmer scheint , wenn die geputzten Leute da sind und die vielen Lichter angezünd ' t , dann wird er wenig bemerkt , wenn die aber weg sind und das Geräusch ist vorüber , dann hat die Seele um so größere Sehnsucht , sein Licht zu trinken . So wird auch er sich zu mir wenden und meiner gedenken , wenn er allein ist . - Ich bin erzürnt über alle Menschen , die mit ihm zu tun haben , doch ist mir keiner gefährlich bei ihm , aber das geht Sie alles nichts an . Ich werde doch nicht die Mutter fürchten sollen , wenn ich den Sohn lieb hab ? - An Bettine Frankfurt , am 25. Mai Ei Mädchen , Du bist ja ganz toll , was bild ' st Du Dir ein ? - Ei , wer ist denn Dein Schatz , der an Dich denken soll bei Nacht im Mondschein ? - Meinst Du , der hätt nichts Bessers zu tun ? - Ja proste Mahlzeit . Ich sag Dir noch einmal : alles in der Ordnung , und schreib ordentliche Briefe , in denen was zu lesen steht . - Dummes Zeug nach Weimar schreiben ; - schreib , was Euch begegnet , alles ordentlich hinter einander . Erst wer da ist , und wie Dir jeder gefällt , und was jeder an hat , und ob die Sonne scheint , oder ob ' s regnet , das gehört auch zur Sach . Mein Sohn hat mir ' s wieder geschrieben , ich soll Dir sagen , daß Du ihm schreibst . Schreib ihm aber ordentlich , Du wirst Dir sonst das ganze Spiel verderben . Am Freitag war ich im Konzert , da wurde Violoncell gespielt , da dacht ich an Dich , es klang so recht wie Deine braune Augen . Adieu , Mädchen , Du fehlst überall Deiner Frau Rat . Frau Rat ! Ich will Ihr gern den Gefallen tun und einmal einen recht langen deutlichen Brief schreiben , meinen ganzen Lebensaufenthalt in Winckel . Erst ein ganzes Haus voll Frauen , kein einziger Mann , nicht einmal ein Bedienter . Alle Läden im Haus sind zu , damit uns die Sonne nicht wie unreife Weinstöcke behandelt und garkocht . Das Stockwerk , in dem wir wohnen , besteht aus einem großen Saal , an das lauter kleine Kabinette stoßen , die auf den Rhein sehen , in deren jedem ein Pärchen von unserer Gesellschaft wohnt . Die liebe Marie mit den blonden Haaren ist Hausfrau und läßt für uns backen und sieden . Morgens kommen wir alle aus unseren Gemächern im Saal zusammen . Es ist ein besondres Pläsier zu sehen , wie einer nach dem andern griechisch drapiert hervorkommt . Der Tag geht vorüber in launigem Geschwätz , dazwischen kommen Bruchstücke von Gesang und Harpegge auf der Gitarre . Am Abend spazieren wir an den Ufern des Rheins entlang , da lagern wir uns auf dem Zimmerplatz ; ich lese den Homer vor , die Bauern kommen alle heran und hören zu ; der Mond steigt zwischen den Bergen herauf und leuchtet statt der Sonne . In der Ferne liegt das schwarze Schiff , da brennt ein Feuer , der kleine Spitzhund auf dem Verdeck schlägt von Zeit zu Zeit an . Wenn wir das Buch zumachen , so ist ein wahres politisches Verhandeln ; die Götter gelten nicht mehr und