, um nie wiederzukehren , und doch war es so . Er hatte den Lützowschen Jägern sich zugesellt , und fand mit diesen seinen tapfern Gesellen im schändlichsten Verrathe den Untergang . Wie er geendet hatte ? wußte keiner genau zu berichten ; aber er war verschwunden , spurlos , rettungslos , wie so Viele , die mit ihm kämpften und fielen . Gleich einer verstummten Nachtigall , wenn der Frühling dahin ist , so klagelos , so einsam blieb Angelika zurück . Ihr ganzes Dasein war von nun an nur ein leises Ach ; sie gieng ganz still umher , sie war unendlich freundlich gegen Alle , sie athmete wie sonst , doch jeder Schlag ihres Herzens war ein nie endendes Sterben . Oft dünkte ihr , als müsse sie gegen einen bangen Traum ankämpfen , dann bat sie Gott mit Thränen : er möge sie erwachen lassen ; denn sie konnte an die Wahrheit ihres Elends nicht glauben , bis das heftiger wiederkehrende Weh im Innersten ihrer Brust , sie von neuem fühlen ließ , daß es dennoch so sei , wie es war . Ihre im Grunde gutmüthigen Verwandten thaten zwar nach ihrer Art alles , was sie vermochten um die Arme zu trösten , doch mit dem besten Willen von der Welt verwundeten sie oft , wo sie zu heilen gedachten . Sie führten sie endlich nach Pyrmont in der Hoffnung , daß das Gewühl des Badelebens sie zerstreuen würde , aber sie verflochten sich bald selbst so gewaltig in das allgemeine Treiben der Gesellschaft , daß sie gar nicht bemerken konnten , wie Angelika immer bleicher und stiller ward , je lauter und bunter es in ihrer Nähe zugieng . Doch gerade hier erbarmte sich endlich ein guter Engel der Leidenden , und führte ihr in Vicktorinens Tante , der Stiftsdame Anna von Falkenhayn , den einzigen Trost zu , der auf Erden für sie noch zu finden war , den Trost einer weisen , wahrhaft theilnehmenden Freundin . Das allgemeine Mitleid , welches die interessante Erscheinung des bleichen trauernden Mädchens jedem einflößte , der es sah , lösete sich in Annas edlem Gemüthe gar bald in wahrhaft mütterliche Zuneigung auf , und Angelika erwiederte diese Liebe mit all der Innigkeit , welche von jeher die Lust und die Quaal ihres Lebens gewesen war . Obgleich Angelika in ihrer stillen Demuth sich nie die leiseste Andeutung von Unzufriedenheit mit ihrer äussern Lage erlaubte , so sah das Fräulein Anna von Falkenhayn doch nur zu bald ein , daß die Umgebungen , in welchen ihre junge Freundin leben mußte , einem gebrochenen Herzen durchaus nicht wohlthun konnten . Schon die Art bewies dies , mit der Angelikas Verwandte sich über das harte Geschick ausliessen , welches diese zarte Pflanze so tief gebeugt hatte . Die Bereitwilligkeit , mit der sie nicht nur das Fräulein , sondern sonst auch noch jedermann , der darnach fragte , zum Vertrauten in dieser Angelegenheit machten , hatte in der That etwas beleidigendes , obgleich sie selbst dieses weder fühlten , noch wollten ; denn sie waren wirklich wohlmeinend und wünschten der armen Angelika zu helfen , nur war sie ihnen von jeher zu ferne geblieben , um von ihnen verstanden zu werden . Endlich entschloß sich Anna von Falkenhayn , vom innigsten Mitleid durchdrungen , zu erbitten , was Angelikas Verwandte ihr mit tausend Freuden gewährten , um so mehr , da bei der Gemüthsstimmung des armen Mädchens und dessen mit jedem Tage tiefer sinkenden Lebenskraft , ohnehin an die Hofdamenstelle nicht mehr gedacht werden durfte . Und so zog sie denn mit ihrer älteren Freundin in deren Heimath , und ward von Letzterer als die Tochter ihres Herzens mit unaussprechlicher Zartheit gepflegt und gewartet wie eine kranke Blume , die man gern wieder aufrichten möchte . Anna gewann , nach Art aller edlen Frauen , die Leidende immer lieber , je mehr sie für sie that , und Angelikas Leben hieng dagegen einzig an der wohlthuenden Gegenwart ihrer Beschützerin . Die Möglichkeit , auch nur wenige Monate fern von dieser leben zu können , war ihr undenkbar , und so wurde denn das geliebte Kind bei dem Besuch im Kleebornischen Hause Annas Begleiterin , und theilte freudig mit ihr die liebende Sorge für Vicktorinen . Nicht nur Vicktorine , deren Genesung mit jedem neuen Tage neue erfreuliche Fortschritte machte , sondern auch alle übrige Mitglieder der Hausgenossenschaft , empfanden das Wohlthuende der , Ruhe und Ordnung wieder herstellenden Gegenwart der Tante . Die gute alte Virnot wanderte wieder ganz wohlgemuth in gewohnter Geschäftigkeit Trepp ' auf , Treppe nieder , ihr Schlüsselkörbchen in der Hand , und führte in Küche und Speisekammer das Regiment über die zahlreiche , weibliche Dienerschaft . Auch Babet und Agathe seegneten ihres Theils die Tante und Angelika , weil diese beiden sie der steten Gegenwart in der beengenden Luft des Krankenzimmers überhoben . Die guten Kinder durften jezt doch wenigstens am Fenster die Vorübergehenden mustern , und da gab es denn einstweilen manches zu besprechen , mitunter auch manchen interessanten Gruß zu erwiedern , denn der schwarze Lieutnant und der blonde Theodor schienen täglich in der Nähe des Kleebornschen Hauses viel zu thun zu haben . Dieser Umstand und die Ueberlegungen , welche man in Hoffnung auf nahe bessre Zeiten , hinsichtlich der Wintergarderobe anzustellen für nöthig fand , gaben unversiegbaren Stoff zur Unterhaltung , so daß fürs erste unter den Beiden von Streit oder übler Laune nicht mehr die Rede sein durfte . Nur Herr Kleeborn selbst , der alles angewendet hatte , seiner Schwägerin Gegenwart sich zu gewinnen , nur er allein fühlte sich jezt durch dieselbe einigermaßen gedrückt , ohne dieses jedoch jemals sich selbst gestehen zu wollen . Die fast übertriebne Zartheit , mit der sie die größte Anspruchslosigkeit , die strengste Diskrezion in allen häuslichen Verhältnissen beobachtete , ihre mitunter ein wenig altmodisch sich äussernde Vorliebe für Schicklichkeit und Anstand selbst im engsten Familienleben , machten ihn oft etwas